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Was ist ein Spread in Futures?

Das Nebeneinander verschiedenartiger Futures-Kontrakte von unterschiedlichen Fristigkeiten mit ihren artenreichen Basisinstrumenten, alle in gleicher Linie gehandelt an vielnamigen Terminbörsen rund um den Erdkreis, erweitert das überkommene Entscheidungsfeld der Markthändler um eine bunte Mannigfaltigkeit von neuen, vielschichtigeren Handlungsalternativen in Gestalt von gesonderten Anlagekombinationen. Darunter gemeint sind die sogenannten Spreads. Der Vielfalt und Vielgestaltigkeit der aus den Spielarten in der Auswahl hervorgehenden zusätzlichen Konstruktionsformen und Handelsstrategien sind Grenzen gezogen im Grunde allein durch die Sinnhaftigkeit in der reichen Zahl von Zusammenstellungsmöglichkeiten, die zwischen den einzelnen an den Plätzen weltweit anzutreffenden unterschiedlich ausgestalteten Futures-Produkten gegeben sind.

Der besondere Vorzug, den Spreads in Futures isoliert gehaltenen Posten voraus haben, kommt für den sachkundigen wie risikobewussten Trader eindeutig darin zum Ausdruck, dass unter Wahrung der Chancen auf ansehnliche Kursgewinne bei bloß mäßigem Kapitaleinsatz sich das Risiko von Vermögensverlusten in seinen Ausmaßen spürbar vermindern lässt, wodurch dieses immerhin leichter überschaubar und besser kalkulierbar wird. Überdies wird der Trader durch eine widmungsgemäße Anwendung von Spreads in Gegenüberstellung zu herkömmlichen spekulativen Positionen in Futures vor den Unannehmlichkeiten eines Liquiditätsengpasses oder gar der Gefahr eines Hineinmanövrierens in existenzgefährdende Situationen ganz vorzüglich bewahrt.

Spreads in Futures geben den Stoff zu einer ganzen Reihe anspruchsvollerer spekulativer Handelstechniken im Börsenterminhandel. Um das Trading mit den zahlreichen Varianten an zusammenfügbaren Futures auf anhaltende Dauer mit Erfolg leisten zu können, bedarf es im Ganzen einer soliden Fundierung durch zweckmäßig ausgeklügelte Trading-Strategien. Derartige Verfeinerungen in der Planung, Methode und dem Vorgehen sind allesamt aus dem Grundgedanken geboren, Futures auf geschickte Weise in eine möglichst nützliche und sinnvolle Verbindung miteinander zu bringen. Erst durch ein planmäßig durchdachtes, kunstgerechtes Zusammenwirken nach Maßgabe einer wohl überlegten Strategie, das diese im Hinblick auf ihr Verhältnis gegeneinander in die bevorzugte Stellung bringt, wird ihr Nebeneinander auch zum Füreinander. Spread-Geschäfte in Futures sind demnach stets fein aufeinander abgestimmte, in sich verschlungene Doppelgeschäfte, getragen von einem einheitlichen Leitgedanken.

Unberührt von der damit verfolgten Absicht, füglich unter rein technischem Blickwinkel betrachtet, wird an den Futures-Märkten ein Spread eingeleitet jedes Mal durch Einnahme einer Kaufposition (Long), der praktisch gleichzeitig und parallel dazu die Einnahme einer davon unterscheidbaren Verkaufsposition (Short) beigegeben wird. Das Produkt aus Long- und Short-Futures bildet zusammen den Spread. Zwar tragen die einzelnen der so zu gemeinsamem Werk vereinigten Long-Futures- und Short-Futures-Posten eines Spreads hinsichtlich ihrer Ausgestaltung (Spezifikation der Kontrakte) in aller Regel gewisse übereinstimmende ökonomische Züge; beide Seiten aber werden sich in mindestens einem ihrer kennzeichnenden Merkmale klar gegeneinander abgrenzen lassen (= unterschiedliche Futures-Serien*). Während beispielsweise eine Long-Position in CBOT-Dezember-Weizen und eine nebenher aufgerichtete Short-Position in CBOT-Dezember-Mais erkennbar als ein Spread in Futures aus Hauptgetreiden daherkommt, kann man das etwa von der eigentümlichen Mischung einer COMEX-Juli-Kupfer-Long-Position und einer ihr zur Seite geschickten NYBOT-Dezember-Kaffee-Short-Position nur schwerlich behaupten. – Nach Begründung eines Spread-Geschäfts durch Herstellung einer gut durchdachten Zuordnung zweier Kontraktarten zu einem zusammenhängenden Ganzen höherer Art gilt das Hauptaugenmerk nun nicht mehr den Verlustgefahren und Gewinnerwartungen jeder Position für sich allein genommen, sondern vielmehr der Kursdifferenz zwischen den Kursen der Einzelposten des Spreads (= Größe des Spreads, "Spread-Preis", "premium") und der künftigen Änderung ihres Ziffernwertes, was im Folgenden noch in helleres Licht gesetzt werden soll.

[* Anmerkung: Alle Futures-Kontrakte, die, den Preis ausgenommen, in sämtlichen ihrer Wesensmerkmale und Ausprägungen übereinstimmen, lassen sich einer einheitlichen Futures-Serie ("futures series") einreihen.]

 

 

 

Der Begriff Spread, dem Englischen »ausbreiten, ausstrecken, spreizen; Spanne« entlehnt: so viel wie Differenzgeschäft (hier nicht im rechtstechnischen Sinne zu verstehen), wird in der Fachsprache des Terminhandels überhaupt sehr unterschiedlich benützt. So wird der Name "Spread", ungleich der Nomenklatur im Rahmen von Optionsgeschäften, im Zusammenhang mit gemischten Futures-Geschäften landläufig als Synonym für den Namen "Straddle" verwendet (im deutsprachigen Raum werden sie in seltenen Fällen auch als Stellagegeschäfte benannt). Der Terminus "Spread" bzw. "Straddle" (in den USA mitunter auch mit dem Wechselwort "Switch" benannt) bezeichnet im Handel mit Futures ganz konkret ein planvoll kombiniertes Terminkontraktgeschäft ("combination"), das, wie oben dargelegt, zur Entstehung gelangt durch Formierung einer Long/Short-Beziehung zwischen Marktinstrumenten, die zwar unterschiedlichen Gattungen angehören, die aber miteinander immerhin größere Ähnlichkeit als Verschiedenheit erkennen lassen. Streng genommen und grundsätzlich versteht man im Terminhandel unter einem Spread allein das Ausmaß der Preisdifferenz zwischen den Terminpreisen zweier gesonderter, gleichwohl ökonomisch verwandter Finanzmarktderivate (Preis-Spread als Differentialpreis).*

[* Konkret gesprochen bezeichnet also das Gebilde aus Long- und Short-Position den Straddle, dessen Preisdifferenz den Spread. Ebenso treffend ließe sich für Letztere aber auch der Name Basis verwenden. Der Begriff Basis steht sonach im Terminverkehr in doppelter Hinsicht in Übung. Er kennzeichnet sowohl beim Hedgegeschäft ("Preissicherungsgeschäft") als auch bei kombinierten Terminkontraktgeschäften (Spreads in Futures) die Preisdifferenz zwischen den Marktpreisen in den einzelnen Teilpositionen, gewendet auf jeweils ein und denselben beliebigen Betrachtungszeitpunkt.]

Im Umgang mit gemischten Futures-Geschäften werden die konstituierenden Elemente eines daraus hervorgehenden Spreads in der figürlichen Alltagssprache der Händler bisweilen auch als "die Beine" eines Spreads bezeichnet, wobei bei aller Verschiedenheit im Einzelnen das eine "Bein" jedes Mal aus einer Verkaufs-Position (Short), das andere "Bein" jedes Mal aus einer Kauf-Position* (Long) in Futures besteht. Das Augenmerk richtet sich im Handel mit Spreads, wie soeben erwähnt, vornehmlich auf prognostizierbare Änderungen in der Preisdifferenz (= Basisänderungen) der selbständigen Beine eines Spreads – und zwar weitgehend losgelöst vom augenblicklich herrschenden Kursstand resp. des möglichen Ganges in der Grundausrichtung des betreffenden Marktes selbst.

[* Anmerkung: Die einzelnen Beine eines Spreads müssen dabei nicht zwangsläufig im Verhältnis der Parität, also etwa immer nur linear in der Einzahl ("one-to-one"), zueinander stehen. Ein Posten in Spreads kann sehr wohl dem Größenverhältnis nach sich aus ganz ungleichzahligen Komponenten zusammensetzen ("tailed spread"); er muss aber zumindest in einem Kontrakt "long" und in einem anderen Kontrakt "short" sein.]

Wenngleich vom Leitgedanken her ähnlich, verfolgen Spread-Geschäfte im Anwendungszusammenhang grundsätzlich anderen Rücksichten als man sie von den mit ihnen in naher Verwandtschaft stehenden Hedgegeschäften her kennt. Kein Wunder, denn beide Geschäftsarten stellen auf urverschiedene Ziele ab. Der Grundgedanke von Hedging prägt sich aus in der Herabsetzung von Preisunsicherheitsursachen, die einem auf dem Spotmarkt bestehenden offen Posten oder einem künftig erst noch einzurichtenden Spot- oder Termingeschäft anhängen, indem diesem zu seiner Sicherung eine gegenläufige Position in Form eines Ergänzungsgeschäfts im Terminmarkt zeitweilig entgegengestellt wird, während im Falle von Spreads die spekulative Ausnutzung von Preisunterschieden zwischen verschiedenen Futures-Kontrakten der eigentliche Zweck ist. Ein erfolgssicherer Handel mit Spreads stützt sich vorzugsweise auf bestimmt gegebene, klug ausgewählte Strategien von erlesenem Risikoprofil, eingeschlagen in der Absicht, bald durchgreifende Verschiebungen in den Wertverhältnissen von Waren und Kapitalgütern, bald vermeintliche Widersprüchlichkeiten zwischen ökonomisch fundierten Verbindungen, bald auch empirische Regelmäßigkeiten zwischen verschiedenen Futuresmärkten gewinnbringend auszunützen. Es sei dies ins Einzelne ausgeführt:

Der hellsichtige Trader setzt im Trading mit Spreads ganz auf ein Steigen der Kursnotiz des gekauften Terminkontrakts ("long"), während er wünscht und hofft, dass die Notiz des diesem gegenüberstehenden verkauften Terminkontrakts ("short") in gleichem Zuge falle, zum Mindesten aber, dass die erste in stärkerer Proportion steige bzw. in minder starker Proportion falle als die andere. Oder mit einem Worte: Die Long-Seite soll die Short-Seite im Wertzuwachs in einem möglichst hohen Maße übertreffen, oder umgekehrt. Anders als der Inhaber einer Futures-Position herkömmlichen Stils ("outright-position", "straight futures", "stand-alone"-Position; allg.: "Solo-Geschäft", singuläres Derivategeschäft), der vorrangig dem auf dem betreffenden Markt ausgewiesenen ("absoluten") Kursstand und dessen Änderung eine sorgfältige Beachtung zuwenden wird, reizen den Trader in Spreads also hauptsächlich Verschiebungen im Verhältnis der Preise, d.i. eine Ausweitung oder Verringerung von Kursdifferenzen zu seinen Gunsten ("relativ value trade"). Für ein einträgliches Spread-Trading (Spreading) kommt demzufolge alles darauf an, die sich wahrhaftig einspielende Laufrichtung der Kursunterschiede (Trends) in wirtschaftlich oder markttechnisch miteinander verflochtenen Märkten rechtzeitig aufzuspüren und geschickt zu verwerten. Starker Preisausschläge bedarf es dazu nicht. Eine gute Gewinnaussicht besteht selbst in flauen, eher stationären Marktphasen, falls beide Marktsegmente sich nur gegensätzlich entwickeln. Ein weiterer recht verheißungsvoller Ansatz im Spreads-Trading ist in einem frühzeitigen Erkennen von zeitweiligen "Ungleichgewichten" zwischen den beobachteten Kursnotizen verschiedener Futures gelegen, in Erwartung einer Angleichung der wahrgenommenen Abweichungen und Ineffizienzen ("Anomalien") in unmittelbarer zeitlicher Folge durch den Markt ("carrying charge spread"). Unter diesem Blickwinkel betrachtet, rücken derartige Spread-Strategien in die Nähe einer Arbitrage, womit diesen aus sich heraus betont spekulative Züge anhaften ("Differenzarbitrage", "Risikoarbitrage"). Der Spread-Trader wird durch ihren Einsatz zum Risiko-Arbitrageur.

Das tätige Handeln mit Spreads trägt im Allgemeinen den Charakter einer eher konservativen Trading-Strategie an sich; denn der Inhaber einer Spread-Position* tauscht durch sein koordiniertes Vorgehen, wie wir wissen, das einer Singularposition anhaftende absolute Preisänderungsrisiko gegen das Risiko einer Änderung in der Kursrelation zwischen zwar verschiedenen, aber innerlich doch irgendwie zusammenhängenden Futures, das aller Erfahrung nach von deutlich bescheidenerem Ausmaß ist. Mögen die Partikularmärkte zuweilen auch noch so hastig fluktuieren, wird dies den Gang des Preisspreads weithin unberührt lassen. Dieser notorische Erfahrungssachverhalt schlägt sich gewöhnlich messbar nieder in einer merklich zurücktretenden Volatilität der Wertänderungen der Gesamtposition. Auch ist es unverkennbar, dass sich die Preise von bestimmten Spreads auf eine gewisse absehbare Frist mit höherer Bestimmtheit voraussehen lassen als die der Einzelmärkte.  Sieht man indes genauer zu, so ist das Halten eines Spreads de facto lediglich auf dieser von obenan beschauten Ebene, nicht jedoch notwendigerweise auch auf einer unter einem geänderten Blickwinkel betrachteten zweiten mit weniger Risiko behaftet als das Halten simpler (singulärer) Long- oder Short-Positionen in Futures (Outright-Positionen), wie noch unten dargelegt.

[* Anmerkung: Der Begriff Position ist in Bezug auf Spreads nicht im strengen Wortsinne einer singulären, nur nach einer Seite hin offene Position zu verstehen, sondern benennt hier begreiflicherweise das zu einer Einheit zusammengestellte Konstrukt als Ganzes.]

Das häufig zitierte herabgesetzte Risiko von Spread-Positionen gegenüber Outright-Positionen führt offenkundig zurück auf ein aufs Engste verbundene (das ist ein höchst ausgebreitetes reziprokes, sich kompensierendes) Preisgefüge von in ihrer ökonomischen resp. zeitlichen Struktur einander mehr oder minder gleichartigen Basiswerten. Überhaupt lehrt uns die Empirie, dass die Preisentwicklungen in jenen Futures-Märkten, die miteinander in einer gewissen kausalen ökonomischen Wechselbeziehung stehen, dazu tendieren, sich über weite Strecken ganz ähnlich zu vollziehen, was bei richtig zusammengepaarten Spreads typischerweise durch eine hochgradig positive statistische Korrelation (= innige Wechselbeziehung) zwischen den betreffenden Märkten auch zahlenmäßig auf das sinnfälligste zum Ausdruck kommt. Dies führt in allgemeiner Weise dazu, dass selbst wenn der Spread-Trader sich im Nachhinein in seinen Markterwartungen getäuscht sieht, der aus dem einen Teil der Spread-Position erwachsende Verlust sich oftmals – bis auf Basisänderungen – zu einem guten Teil auffangen lässt durch den Gewinn aus der ihm gegenüberstehenden zweiten Futures-Position (d.i. "das andere Bein" des Spreads). Dennoch darf man sich keiner Täuschung darüber hingeben, dass jedes Engagement in Spreads – zumal bei mangelnder Kenntnis der Marktlage oder durchschlagendem persönlichem Ungeschick – auch immerfort die höchst akute Gefahr des völligen Misslingens mit sich bringt. So kann eine Schieflage im Trading mit manch einem Spread das Vermögen des unglücklich arbitrierenden Händlers zuweilen gar empfindlich schmälern, besonders dann, wenn im Schlussergebnis beide Quoten eines Spreads so arg fehlschlagen, dass jede für sich ganz gewaltige Verluste einbringt.

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Angesichts der im großen Ganzen von Spread-Geschäften herrührenden verminderten Wertgefahr gewähren die Börsen – so im Allgemeinen auch die kontoführenden Finanzinstitute – für die Öffnung von ausgesuchten Spread-Positionen in Futures im Regelfall einen deutlichen Nachlass bei den Ersteinschüssen ("initial margin"; hierbei meist als "spread-margin" bezeichnet). Die Margin-Beanspruchung für die im Marktverkehr geläufigsten Arten von Spreads liegt durchweg selbst unterhalb des Satzes für ein herkömmliches "maintenance margin" (welches sodann für jene Spreads ebenfalls niedriger ausfällt), wie sie gemeinhin an den Plätzen für die einschichtigen spekulativ ausgerichteten Posten als unterer Puffer veranschlagt werden. Dies hat nicht nur den Vorteil einer geringeren Liquiditätsbelastung für sich, sondern ermöglicht auch eine Verbesserung an den Diversifikationsmöglichkeiten der Anlagemittel. Ebendeshalb rücken Spreads in den Gesichtskreis besonders von Haltern kleinerer Handelskonten, die damit die Gelegenheit erhalten, ihre Einzelgeschäfte breiter zu streuen. Allerdings sei bei der Übertragung auf anderweitige Ebenen jenseits eines "relative value trade" sogleich zur Achtsamkeit gemahnt: Namentlich mit Wirkung auf Investitionssummen und deren Margin-Renditen ("return on investment" ROI) kann das mit Spreads verbundene Verlustrisiko, verstärkt durch den vervielfältigten Hebeleffekt aus dem verringerten Margin-Erfordernis, mit Risiken aus alleinigen Futures-Positionen durchaus vergleichbar werden, wenn nicht gar übersteigen! Entsprechendes gilt nicht am wenigsten von Commodity-Spreads unterschiedlicher Erntejahre und ganz besonders von Spreads in nicht lagerfähigen Waren.

Ein bestehender Spread wird ordentlicherweise durch Glattstellung seiner Teilpositionen aufgelöst ("unwinding", "backspreading"), sein Ergebnis dann und deshalb verwirklicht. Routinemäßig bedient sich der Spread-Trader hierzu der Einfachheit halber des von den Terminbörsen gesondert bereitgestellten Orderinstrumentariums für Spreads ("spread order"). Mit dessen Hilfe leitet er nicht nur einen nahezu gleichzeitigen Aufbau der zusammengepaarten Position ein, sondern wickelt diese nachher gleichzeitig auch mit einem Wurf wieder ab. Oft sind es spezielle Akteure, so zumal Market-Maker, die die Marktgegenseite für einen Spread einzunehmen bereit sind. Ohnedies ist die Einnahme eines spiegelbildlichen Geschäfts das übliche und rascheste Verfahren, um beides, das rechtliche Gebundensein an vertraglich auferlegte Pflichten aus den einzelnen Futures, wie z.B. dingliche Liefer- und Abnahmeverpflichtungen von Waren oder Wertpapieren, wieder vollständig aufzuheben als das finanzielle Ergebnis aus der Position unter Ausgleich der durch Marktwertänderungen übrig gebliebenen Zahlungsansprüche über die eingeschaltete Clearingstelle zu realisieren.

Die Teile eines Spreads sind nicht notwendig auf ein dauerhaftes Zusammenbleiben angelegt. Ihr Zusammenhalt ist trennbar. Ein Spread lässt sich durch Schließung der teilnehmenden Rationen entweder ganz oder bis auf das zurückgelassene Fragment einer Singularposition leicht wieder sprengen ("leg out"). Stellt der Inhaber eines Spreads im Zuge seiner Spekulationsstrategie Futures also nur des einen Teiles seiner Spread-Position glatt, während er den erübrigenden Teil ("das andere Bein") weiterhin aufrechterhält ("to lift one leg"), so hat er zu gewärtigen, dass mit Herbeiführung der Vereinzelung die verbliebene spekulative Einzelposition augenblicklich von ihrem natürlichen Schutz entblößt ist. Des ausgleichenden Schutzes ledig, lebt in der Letzteren die ganz gewöhnliche "stand-alone"-Long- oder Short-Position in Futures wieder auf, die notwendig das ihr eigene typische Risikopotenzial mit sich führt und darum im gleichen Augenblick mit der vollen regulären Margin-Summe wieder einer angemessenen Deckung bedarf.

Es sei nicht versäumt, abschließend noch darauf hinzuweisen, dass die Begründung eines Spreads sich gemeinhin ebenso gut durch ungleichzeitigen Aufbau seiner einzelnen Bestandteile herbeiführen ließe. Ohnehin wird dies notwendig sein, falls Einzelorders für den ausgesuchten Spread von der Börse nicht angenommen werden. Überdies können taktische Überlegungen einen stufenweisen Aufbau bedingen. Sofern nämlich die Umstände dem geschäftsgewohnten, besonnenen Trader kein sofortiges Handeln abnötigen, wird dieser das gegenwärtige Preisgebäude zunächst einer reiflichen Analyse unterziehen, und nach sorgfältigem Bedenken der Marktlage einen Spread allenfalls erst dann zur Vollendung bringen suchen, wenn auf dem Boden der gewählten Trading-Strategie im Moment des Entschlusses das Verhältnis der angehenden Terminkurse (Basis) zueinander die Chancen auf eine Anziehung oder Ausdrehung des Spread-Preises besonders aussichtsreich erscheinen lässt ("leg into a spread"). Im Falle von Märkten unterschiedlicher Liquidität wird er dabei vernünftigerweise denjenigen Markt zuerst betreten, der sich weniger liquide zeigt, weil der andere leichter zugänglich ist. In günstigen Marktlagen lässt sich auf diese Weise nicht etwa nur ein bestehender Buchgewinn sichern und allmählich ausbauen, sondern aus der zügigen Wahrnehmung einer vorteilhaften Gestaltung der Basis letztlich sogar ein zusätzlicher Ertrag ziehen. Andererseits liegt hierin stets eine gewisse Gefahr, wegen allzu langen Zögerns und vielleicht wegen mangelnder Marktliquidität eine an sich vielversprechende Trading-Chance für den Augenblick jedenfalls verscherzt zu haben. Ein Taktieren auf diesem Boden erfordert ganz offenbar ein ausgesprochen hohes Maß an Gewandtheit und Professionalität, und es sei angesichts des damit erkauften erhöhten Verlustrisikos dem weniger kundigen Spread-Trader deshalb auch widerraten und nicht zur Nachahmung anempfohlen.

 

Aufzählung

Arten von Spreads:

Im Einzelnen umspannen Spreads in Futures die folgenden Erscheinungsformen:

Intra-Markt-Spread ("intramarket-spread"; auch intertemporaler oder "time"-Spread, "intermonth spread", "calendar spread", "calendar basis trade", "intracommodity-spread", Intra-Kontraktspread, "intracontract-spread" oder "interdelivery-spread" genannt): Diese überaus gebräuchliche und im Börsenleben entsprechend häufig anzutreffende Mischung setzt sich zusammen aus Futures mit Basiswerten ("underlying") von einerlei Art, die zwar jeweils an derselben Terminbörse gehandelt, dort jedoch in unterschiedlichen Liefermonaten eingenommen werden. Als Beispiele hierzu lassen sich ein an der New York Mercantile Exchange eingerichteter September17/Dezember17 Benzin-Spread (NYMEX NY Harbor RBOB Gasoline) oder etwa auch ein an der ICE Futures U.S. aufgebauter Juli17/Oktober17 Zucker-Spread (NYBOT Sugar No. 11) anführen. Da jeder Spread der genannten Art sich stets aus einer Long- und einer Short-Position in einem gattungsgleichen "underlying" zusammensetzt, resultieren aus jedem Preiswechsel im unterliegenden Markt mit einem Schlag in der einen Teilposition Gewinne von entsprechender Höhe, denen in der anderen Verluste auf gleichem Fuß gegenüberstehen. Der Halter des nämlichen Spreads erhofft sich seinen Vorteil davon, dass bestimmte markttechnische Kräfte, die in den bestehenden Laufzeitunterschieden ihre Ursachen haben, den Kurs der Long-Position weiter heben bzw. weniger weit senken als den Kurs der Short-Position. An den meisten Börsen wird diese viel beliebte Art eines Spreads auch als einheitliche Position anerkannt, was wieder die Annehmlichkeit hat, dass er sich mittels einer einzigen Order bequem einrichten und auch wieder schließen lässt. Seine einzelnen Komponenten müssen also nicht extra durch separate Orders geöffnet bzw. nachher umständlich durch gesonderte Orders eigens wieder geschlossen werden.

Inter-Markt-Spread ("intermarket-spread", "location spread", "inter-exchange-spread"): Diese Kategorie eines Spread besteht aus Futures mit (zumindest der Spezies nach) gleichem Basiswert, welche jedoch an verschiedenen Terminbörsen oder Abteilungen derselben notiert und gehandelt werden. Als Beispiel anführen lässt sich der Kauf von September17 Weizen am CBOT in Chicago bei gleichzeitigem Verkauf von September17 Weizen an der Börse in Kansas City (KCBT), beides Sektionen der CME Group. Dieser Spread lässt sich ebenso wohl in Form eines "calendar spread" aufbauen, sofern er sich dabei auf unterschiedliche Termine stützt. Der Gebrauch von "location"-Spreads beruht im regelmäßigen Fall auf bestimmten Arbirtage-Motiven. Vor folgendem Hintergrund: Die Preisunterschiede von generisch bestimmten Waren ganz gleichen Zuschnitts, die an geographisch fern voneinander gelegenen Orten zu gleicher Zeit gehandelt werden, dürfen die Transportkosten zwischen beiden Handelsräumen für diese nicht übersteigen, widrigenfalls sich sofort gewinnträchtige Arbitragemöglichkeiten eröffneten. – Allerdings fallen bei solcherart Spread gemeinhin die für Spreads sonst üblichen Abschläge bei den Margin-Erfordernissen weg.

Inter-Commodity-Spread ("intercommodity-spread", "intercontract-spread", "inter-product-spread" IPS, "intermarket-spread", "straddle"): Hierunter versteht man eine Mischung von Futures, die dadurch charakterisiert ist, dass diese sich zwar von artverschiedenen, jedoch in einer mehr oder minder nahen ökonomischen Beziehung stehenden und daher preislich positiv korrelierten Basiswerten herschreiben. Im Regelfall der Praxis werden seine Elemente zugleich auch in demselben Terminmonat und an derselben Terminbörse gehandelt. Sind verschiedene Börsen im Spiel, so spricht man wieder von einem "inter-exchange-spread". Zweck einer solchen Positionierung ist es, von zeitweiligen (teils auch vorgezeichnet von saisonbedingten) Preisungleichgewichten Nutzen zu ziehen. Als Beispiel sei der Kauf von Dezember-Weizen und Verkauf von Dezember-Mais an der Terminbörse CBOT der CME Group genannt. Da Mais bei sporadischen Gelegenheiten als Ergänzungs- oder Substitutionsgut für Weizen Verwendung findet, werden sich die Preise beider Getreidearten im Allgemeinen relativ gleichförmig entwickeln. Weitere "horizontale" Mischungsmöglichkeiten wären etwa T-Bills und Eurodollar, "cattle" und "hogs", "oats" und "corn" bis hin zu "cotton" und "soybeans". Reduzierte Margin-Erfordernisse bei "intercontract-spread" kommen praktisch indes nur sehr selten vor.

Produkt-Spread ("source-product spread", "product spread", "intercommodity-spread"): Hierunter fällt der gleichzeitige Kauf und Verkauf von Futures auf ein bestimmtes Rohprodukt und auf ein oder eine gewisse Anzahl der aus ihm hergestellten Fabrikate. Beispiele für derartige Spreads, die, wie man sagt, über "vertikale Produktstufen" laufen, sind (1.) der Sojabohnen-Crush-Spread, der aus einer Long-Position in Sojabohnen und einer darauf zahlenmäßig zugepassten Short-Position in Sojaöl und/oder Sojamehl besteht, oder der "Reverse Crush-Spread", der umgekehrt aus einer Short-Position in Sojabohnen und einer Long-Position in Sojaöl resp. Sojamehl gebildet ist; (2.) der sog. "Crack-Spread" bzw. der "invertierte Crack-Spread" ("reverse crack spread"), die Rohöl und dessen Destillate, wie beispielsweise Heizöl und Benzin, oder auch beide zusammen in bestimmten festen Verhältnissen zur Grundlage haben. Gewöhnlich haben alle Kontrakte den gleichen Fälligkeitstermin, der bei den Fabrikaten manchmal aber auch um einen Monat vor versetzt wird. Ein invertierter Crack-Spread Januar Heizöl (long)/Januar Rohöl (short) etwa wird von spekulativ orientierten Akteuren häufig und gern dann verwendet, wenn zu erwarten steht, dass – wie häufig zu beobachten – die Heizölpreise im Winter relativ stärker steigen als die Rohölpreise. Auch Produkt-Spreads bekommen von den Börsen in aller Regel einen Nachlass beim Margin.

Bei sämtlichen vorstehend genannten Spread-Formen lassen sich, sofern diese auf ungleichen Terminmonaten basieren, stets zwei verschiedene Typen von Spreads voneinander unterscheiden: 1.) der "bull"-Spread und 2.) der "bear"-Spread.

Aufzählung

Ein "bull"-Spread ist dadurch charakterisiert, dass ein zeitlich nahe liegender Termin gekauft und nebenher ein zeitlich fernerer Termin verkauft wird. Der Spread-Trader spekuliert mithin darauf, dass die Kurse im frühen Terminmonat stärker steigen bzw. weniger stark fallen als im gegenüberstehenden zeitfernen Terminmonat. Der Trader profitiert, wenn der Spread sich verstärkt ("stengthens").

 

Aufzählung

Ein "bear"-Spread hingegen charakterisiert sich dadurch, dass ein zeitlich nahe liegender Termin verkauft und nebenher ein weiter abliegender Termin gekauft wird. Der Spread-Trader spekuliert mithin auf im näher liegenden Terminmonat stärker fallende bzw. weniger stark steigende Kurse als im gegenüberstehenden entfernten Terminmonat. Der Trader profitiert, wenn der Spread sich abschwächt ("weakens").*

[* Anmerkung: Die beiden obigen Definitionen nehmen Bezug auf praktische Verhältnisse und Erfahrungen an den Märkten. Der Begriff "bull" kennzeichnet bekanntlich einen Markt, der von allgemein steigenden Kursen geprägt ist. Der Begriff "bear" dagegen steht für einen Markt von allgemein sinkendem Kursniveau. Die Rechtfertigung der vorangehenden Auslegung leitet sich her von dem Erfahrungssachverhalt, dass informationsveranlasste Richtungsänderungen von Kursen, zumal in den Warenmärkten, sich häufig und gerne zuerst in den liquideren frühen Terminen niederschlagen denn in den weiter entlegenen ("Samuelson-Effekt"). Vom theoretischen Standpunkt eines "Cost of carry"-Modells aus, besonders in den "full-carry"-Märkten von "financial assets", scheint die der obigen entgegengesetzte Ausdeutung indes angezeigter zu sein.]

– Des Weiteren stößt man hie und da auf eine Konstruktion, die unter der Aufschrift Butterfly-Spread weithin bekannt ist: Hierbei handelt es sich um eine eigens aufeinander abgestimmte Kombinationsform zweier Spreads. Ein Intramarket-Butterfly-Spread etwa wird eingeleitet durch den "Kauf" eines im Wert verhältnismäßig niedrig angesetzten Intra-Markt-Spreads, während ein im Wert verhältnismäßig hoch angesetzter Intra-Markt-Spread "verkauft" wird. Der Spread-Trader in Butterfly-Spreads hält Ungleichgewichte in den bezüglichen Preisunterschieden zwischen den zusammengeballten Spreads für zutreffend und baut in deren Gefolge seine Spekulation auf eine numerische Angleichung dieser Niveaudifferenzen auf. – An den Terminbörsen CME und CBOT steht der Begriff eines Butterfly-Spreads wieder für eine Zusammenstellung aus dreierlei verschiedenen und gleichverteilten Monatsterminen innerhalb eines Produktmarktes, wobei der mittlere Termin von doppeltem Gewicht ist: so z.B. der gleichzeitige Kauf eines nahen Termins, der Verkauf zweier der nächsten Termine und endlich der Kauf des sich anschließenden Termins ein und derselben Produktart. Noch andere Verkettungen mit noch zahlreicheren Beinen finden sich in Form eines Condors und eines Strips.

Die vorstehende wirtschaftlich-technische Einordnung der im täglichen Handelsverkehr anzutreffenden Hauptformen von Spreads ist keineswegs abschließend, sondern bietet durchaus weiteren Spielraum für Mannigfaltigkeit.

Auf der nächsten Seite werden grundlegende Berechnungsmethoden sowie Beispiele für einige nützliche praktische Anwendungsfälle von Spreads näher vorgestellt.

 

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Spreads: Berechnung der Vorteilhaftigkeit und Trading in Spreads

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"Das Gewerbe kann auf dreierlei Weise gelehrt und erlernt werden:
erstlich handwerksmäßig, zweitens kunstmäßig, drittens wissenschaftlich."
Albrecht Daniel Thaer (1752-1828), Arzt und Professor der Kameralwissenschaft in Berlin

 

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Stand: 06. Dezember 2016. Alle Rechte vorbehalten.