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Trading und Kalküle mit Spreads

Aufzählung

Zur Berechnung von Spreads

Aus rechnerischer Sicht besteht der Spread ganz allgemein in dem Ausmaß der Kursdifferenz zwischen den Kursziffern der zu einer Spread-Position zusammengezogenen Futures-Arten. Letztere bilden die beiden Seiten ("legs") des Spreads. Im Falle von intertemporalen Spreads ("time spreads", "calendar spreads") lässt der Spread sich ausdrücken – beim "bull"-Spread geradeso wie beim "bear"-Spread – als Preisunterschied zwischen dem Futureskurs im zeitnahen Termin und dem Futureskurs im zeitfernen Termin des unterliegenden Marktes, oder verkürzt gesprochen:

Spread = Kursdifferenz: "früher Terminmonat" minus "später Terminmonat".

Der ausgerechnete Spread (die Kursdifferenz) kann im Wertstand positiv, negativ oder allenfalls zufällig und ausnahmsweise auch gleich null ("pari") sein. Er lässt sich nicht nur absolut, sondern gemäß der Konvention zur Schrittgröße in der Notation bei der Outright-Quotation ebenso gut auch in der Zahl seiner "ticks" zum Ausdruck bringen. Spreads dieser Art geben den augenblicklichen Preisunterschied eines einheitlichen Gutes für zwei verschiedene Zeitpunkte der Lieferung zu erkennen.

Zur sprachlich konformen Benennung eines in Frage stehenden Spreads von der Art "calendar spread" wird der Terminmonat des Futures der Plusposition (Long-Bestandteil) ordentlicherweise vor dem Terminmonat des Futures der Minusposition (Short-Bestandteil) gestellt. Wird bspw. im Futures-Markt für CBOT-Weizen der Juli-Termin gekauft und der darauf folgende nächste September-Termin verkauft, so ist demgemäß von einem "Juli/September-Spread" (der Art "intramarket-spread") die Rede. Damit liegt zugleich auch fest, ob es sich bei unserem Weizen-Spread um einen "bull"- oder um einen "bear"-Spread handelt. Ein "Juli18/September18 CBOT-Weizen-Spread" stellt offenbar einen "bull"-Spread dar, denn ein "bull"-Spread ist, wie an anderer Stelle erörtert, in der technischen Sprache an den Warenterminmärkten dadurch charakterisiert, dass ein zeitlich näher liegender Termin, so vielleicht der "nearby", zum Kauf und praktisch gleichzeitig nebenher ein späterer Termin zum Verkauf bestimmt wird. Anders ist es etwa mit einem "CBOT-Mais-Juli18/März18-Spread". Letzter kennzeichnet ganz offenkundig einen "bear"-Spread; denn der erstgenannte Juli-Futures ist zum Kauf und der (zeitlich nähere) März-Futures zum Verkauf gestellt.

Unakkurat, weil zu Irreführungen einladend, scheint dagegen die überkommene, aber übel geratene Redewendung vom "Kauf eines Spreads" zu sein. Selbige steht weithin (prominente Ausnahmen bilden Devisen- und Aktien-Spreads) als Bezeichnung für die Einrichtung eines "bull"-Spreads, also für den Sachverhalt, dass Futures im zeitnahen Termin gekauft (long) und parallel dazu korrespondierende Futures im zeitfernen Termin verkauft (short) werden. Sinngleich, nur umgekehrt, ist die Wortwahl "Verkauf eines Spreads" gleichermaßen zu missbilligen, die häufig und gern für einen "bear"-Spread in Verwendung steht, also dafür, dass Futures im nahen Termin verkauft und die dazu passenden im fernen Termin gekauft werden*. Stattdessen sollte besser von "Eingehen eines (...-) Spreads" (engl. "to enter (into) a spread", "to put on a spread", "to do a spread"), oder vorteilhafter noch, vom "Aufbau einer (...-) Spread-Position" gesprochen werden.

[* In der lässlichen Alltagssprache des Terminhandels wird hie und da, zumal bei solcherart Spreads, die von jeher als eigenständige Gebilde aufgefasst werden, wie der TED- oder der NOB-Spread, gleichwohl von der durchaus verfänglichen Wortwahl "Kauf" bzw. "Verkauf" eines Spreads Gebrauch gemacht, etwa mit folgendem Wortlaut: "Der Kauf eines Spread bedeutet, dass eine frühere Komponente ge- und eine spätere verkauft wird". Nach dieser Auffassungsweise werden den Begriffen "Kauf" und "Verkauf" eine von der eingebürgerten abweichende Bedeutung unterlegt. Offenbar werden nach der vorstehenden Redeweise zwei verschiedene Dinge unter einem Namen zusammengefasst. Denn für bare Münze genommen ist ein Kauf an sich damit nicht nur ein Kaufgeschäft, sondern für den Käufer gleichzeitig immer auch ein davon zu trennendes Verkaufgeschäft eines anderen Kaufgutes! Jeder Kauf wäre demnach ein Doppelgeschäft, dessen eine Hälfte einen Kauf, die andere einen Verkauf ausmacht. Gleiches gilt dann sinngemäß für den Verkauf – offenbar ein zweideutiger, Verwirrung stiftender und die Unterschiede verwischender Sprachgebrauch. Dieser umgeworfene Sprachgebrauch ist indes ein rein formeller und hat, um langatmige Umschreibungen zu ersparen, eine – cum grano salis – bloß terminologische Bedeutung. Offenkundig orientiert Letztere sich vornehmlich nach hypothetischen Nettozahlungsströmen aus einer kombinierten Position, die im Zeitpunkt ihrer Einrichtung sich einstellte, falls der frühere Termin den späteren im Preise übertrifft.]

 

 

 

Wie oben zur Erörterung gebracht, werden die Preise von Spreads gewöhnlich ausgedrückt in den Kursdifferenzen, die sich zwischen den beiden Seiten eines Spread errechnen. Dieser Unterschiedsbetrag wird gemeinhin auch bezeichnet als die Größe eines Spreads ("relative strength") oder auch als hinausgeschobene Basis ("calendar basis"), oder kurz Spread-Basis. Variationen der Basis (Basisrisiko!) sind das Ergebnis eines geänderten Zusammenwirkens ihrer Bildungselemente. Zu den Mitwirkenden zählen im Einzelnen 1.) die Nettofinanzierungskosten ("cost of carry", d.i. die sogenannte "carry"-Basis), die in Ansatz und Ausmaß Änderungen und Höhenunterschieden unterworfen sein können, und zwar in Hinsicht auf jede ihrer Komponenten besonders, vornehmlich mithin bei den Finanzierungs-, Lagerungs- u.dgl., Transport- und Versicherungskosten usw., sodann 2.) die Wertbasis ("value-basis"), die zu einem sehr namhaften Teil auf nicht quantifizierbaren "psychischen" Faktoren und anderen "Marktunvollkommenheiten" beruht, und endlich – indes nur im Falle von verwahrfähigen Konsumgütern – 3.) die sog. "convenience yield", also der "Vorteilszins", der aus der unmittelbaren physischen Herrschaft über ein Gut erwächst. Wir erhalten sonach die folgende Gleichung:

Spread = Kursdifferenz: "früher Terminmonat" minus "später Terminmonat" = Differenz der Nettofinanzierungskosten plus Differenz der Wertbasis plus Differenz der "convenience yield", alles das gerechnet auf die Zeitspanne zwischen den angehenden Terminen zum Zeitpunkt der Aufsuchung des Spreads.

Ein positiver Zahlenwert bei einem in Untersuchung stehenden "time"-Spread ist Ausdruck eines "umgekehrten Marktes" ("backwardation" im strengen Sinne). Eine derartige Marktlage erhält ihr Gepräge unzweifelhaft vom Vorwalten eines Vorteilszinses. Im Gegensatz dazu ist ein negativer Zahlenwert bei einem Spread der benannten Art kennzeichnend für einen "carry"-Markt von mehr oder minder geringem Einschlag einer "convenience yield". Im letztgenannten Fall sind es die Haltekosten, die den maßgeblichen Faktor abgeben. Der Spread zwischen zwei endlichen Terminen kann aus Arbitragegründen indessen nicht beliebig weit divergieren. Der größtmögliche ziffermäßige Abstand zwischen einem beliebigen späten Terminkurs und einem beliebigen ihm voraufgehenden Terminkurs innerhalb ein und desselben untersuchten Futures-Marktes bewahrfähiger Güter gehorcht zu jedem beliebigen Betrachtungszeitpunkt einmal mehr der "cost of carry"-Beziehung der Preise. Bliebe der frühere Termin in Relation zum späteren Termin unter der durch diese Beziehung festgeschriebene Kursuntergrenze zurück, wäre eine einsetzende "forward cash-and-carry arbitrage" die unmittelbar zu beobachtende Folge. Demgemäß können wir in Anlehnung an die allgemeine Formel zur Preisbeimessung von Futures auf aufspeicherbare Marktgegenstände die nachfolgende Ungleichung aufstellen:

F0,2  ≤  F0,1 (1 + c)   ;

mit F0,1: Futureskurs des frühen Termins; F0,2: Futureskurs des späten Termins, jeweils zum Zeitpunkt t0; c: Haltekosten "cost of carry", ausgedrückt als Kostensatz je Einheit, die entstehen, um das fragliche Gut vom Zeitpunkt t1 bis zum Zeitpunkt t2 zu bewahren.

Auf denjenigen Finanzmärkten, auf denen weder Lager-, Versicherungs- und Verwaltungskosten noch eine Verfügbarkeitsrendite eine wesentliche Rolle spielen, gibt der Spread, vomhunderterweise genommen ("implied repo rate" in %), grob und schlicht den Terminzinssatz des jeweiligen Referenzzeitraums wider. Freilich, sollte die maßgebliche Zinsrate erheblich schwanken, erhöht sich damit auch das Risiko im betreffenden Spread. Demgegenüber gestaltet sich eine vergleichbare Analyse von entsprechenden Spreads aus den Warenterminmärkten und eine Ausdeutung ihrer Ergebnisse weitaus verwickelter, da in deren Kreis eine Reihe zusätzlich zu berücksichtigender Einwirkungsfaktoren aufzunehmen notwendig sind. Die Schwierigkeit liegt insbesondere darin, die Entwicklung der beiden Komponenten Wertbasis und Vorteilszins halbwegs glaubwürdig vorauszusehen und gebührend einzukalkulieren. Ihre Schwankunken bilden den wesentlichen Bestimmungsgrund für die Variabilität (das Basisrisiko) von Commodity-Spreads. Vom ökonomischen Standpunkt aus betrachtet fällt dem Preis-Spread, ebenso wie dem Cash-Basis oder dem Futures-Preis für sich, eine eigene wichtige gesamtwirtschaftlich Funktion zu: Er vermittelt nämlich der Allgemeinheit einen Fingerzeig auf den erwarteten "fairen" Wertverlauf im Markt des betreffenden Bezugsgutes zwischen den einzelnen Futures-Terminen.

Neben einem verringerten Bedarf an Margin sind an besonderen Vorteilen, die der Handel in Spreads mit sich bringt, im Einzelnen hervorzuheben, dass 1.) einem einmal aufgenommenen Trend in Spreads – wenn und weil in höherem Grade ökonomisch fundiert – die ihn charakterisierende Erscheinungsform typischerweise mit dauerhafterer Stabilität anhaftet als dies bei einer erkannten Tendenz auf einem alleinstehenden Markt herkömmlicher Solo-Positionen regelmäßig zu beobachten ist (d.h. Nachhaltigkeit und Beharrlichkeit des Trends im Spread durch eine längere Zeitspanne hindurch), ohne dass dabei die Notwendigkeit besteht, die generelle Gestaltungsrichtung der Preisentwicklung in den jeweilig einbezogenen Märkten genauer zu untersuchen; 2.) ein Trend in Spreads gewöhnlich in "ruhigeren, sichereren Bahnen" verläuft, als dies der überwiegende Teil der Einzelpositionen zur Schau trägt (er somit eine geringere Volatilität bei höherer Persistenz aufweist), was 3.) wiederum zur Folge hat, dass das Trading nun nicht mehr eine ansonsten notwendige durchgängige, ja geisttötende, keine Unterbrechung duldende, oftmals überverhältnismäßig viel Zeit bindende mechanische Verfolgung von brandaktuellen ("real-time") Kursen unter permanenter persönlicher Handelsbereitschaft abverlangt. Ein Erfolg versprechender Trading-Ansatz im Handel mit Spreads ist mithin allein auf Basis von Tagesschlusskursen dann sogar in den weniger liquiden Märkten möglich. Infolgedessen lassen Futures sich ganz neuen, selbst längerfristig orientierten Anlegerschichten nutzbar machen.

 

Aufzählung

Trading mit Spreads

Die Terminspekulation mit Spreads in Futures genießt im Allgemeinen den Ruf eines eher bodenständigen Tradings; denn sie bietet Zugang zu einer ganzen Zahl von fein aufeinander abgestimmten Trading-Strategien, denen im Zusammenhalt mit gewagten Positionen in alleinstehenden Finanzderivaten ("outright", "straight") allesamt ein verhältnismäßig geringes Risiko innewohnend ist. Nichtsdestominder verlangt der Umgang mit Spreads eine kundige Hand. Erste Vorbedingung für einen soliden wie einträglichen Ansatz im Trading mit Spreads sind fundierte realwirtschaftliche als auch technische Spezialkenntnisse jener Märkte, in denen Spreads zu handeln beabsichtigt werden. Um die besonderen Chancen, die der Handel mit Spreads in Aussicht stellt, erfolgreich wahrnehmen zu können, sollte unzweifelhaft Klarheit darüber bestehen, welche der erkannten verschiedenartigen, oft vielfach ineinander verschlungenen ökonomischen, politischen, sozialen usw. Einflussgrößen in der Gegenwartsphase ursächlich und bestimmend sind für die Interaktion der Preise in den Partikulärmärkten eines in Aussicht genommenen Spreads – mit besonderem Augenmerk auf die im Gange befindliche Terminstruktur ("contango", "backwardation") und den sich an ihr im Zeitablauf ereignenden relativen Änderungen.

Um zunächst einen Überblick über bisherige Höchst- und Tiefststände im gewählten Spread zu gewinnen, und um sich so – a prima vista – ein möglichst getreues Vorstellungsbild vom Gang der erwartlichen Preisentwicklung in den zu handelnden Märkten zu verschaffen, bietet sich nun als Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen eine vergleichende Analyse historischer Kursverläufe anhand geeigneter Chart-Bilder an. Lässt schon der bloße Eindruck des Augenscheins eine gewisse Gleichläufigkeit der Kurse wahrnehmen, so schließt sich daran eine tieferdringende Untersuchung zusammen mit einer kritischen Würdigung der in Diskussion stehenden Märkte an. Ziel hierbei ist es, mit zureichender Verlässigkeit Preiszusammenhänge ausfindig zu machen, die sich durch ein längeres Zeitintervall hindurch mit gewisser Regelmäßigkeit wiederholt saisonweise einzustellen pflegen. Ein geeignetes Mittel zu einer vernünftigen Beurteilung der Erfolgsaussichten von Spreads bieten bewährte mathematisch-statistische Methoden, von denen einige im Folgenden näher vorgestellt werden sollen. Vom Ergebnis der Untersuchung hängt insbesondere ab, ob ein Markt unter Timing-Gesichtspunkten derzeit überhaupt für ein Spread-Trading in Betracht kommt, und bejahendenfalls, welche Art von Spread unter der herrschenden Konstellation an technischen und ökonomischen Faktoren zweckmäßigerweise in die engere Wahl gezogen werden soll.

[* Die Börsen selbst verbreiten auf direktem Wege keine Kurse für Spreads. Kursquotierungen für Spreads lassen sich stattdessen beziehen, entweder von ausgewählten Marktdatenzustellern ("data vendor"), von Spezialdiensten im Internet, wie z.B. SeasonalFuturesCharts.com oder MRCI, oder lassen sich füglich auch in Eigenarbeit zusammenstellen. Dazu bringt man einfach den Kurs der Short-Seite von dem der Long-Seite in Abzug, mit dem Effekt, dass Gewinne im Spread sich, wie gewohnt, in ansteigenden Zifferwerten, Verluste in fallenden Zifferwerten niederschlagen.]

Nähert sich die Marklage dem Idealfall eines sogenannten "full carrying charge market" – d.i. eine Marktsituation, in der die Terminkurse der bezüglichen Ware ("commodity prices") sämtliche Lagerhaltungs- und sonstige Finanzierungskosten (= "cost of carry") in voller Treue unmittelbar widerspiegeln –, so wird mit besonderer Vorliebe der "bull"-Spread bedacht. Abgesehen von einem jähen Anstieg der "cost of carry" ist das Verlustrisiko des Spread-Traders beim Einsatz eines "bull"-Spread insoweit minimal, als ein Kursanstieg über die im Terminkurs bereits enthaltene Prämie ("premium", "contango") hinaus als sehr wenig wahrscheinlich gilt*. Somit erhält der Trader zwar die Chance auf Kursgewinne im Long-Bestandteil seines Spreads, wohingegen kaum mehr mit einem unerwünschten überverhältnismäßigen Kursanstieg im späteren Monatstermin, der den Short-Bestandteil des Spreads bildet, zu rechnen ist. Entwickelt sich aus dieser Situation heraus ein "umgekehrter Markt", ist die Gewinnaussicht in diesem Spread sogar theoretisch unbegrenzt. Das Verlustrisiko dagegen ist von vornherein ein eng begrenztes, weil ein Aufpreis über die "full carrying charges" hinaus einen dazu gegenläufigen Anpassungsvorgang zur sofortigen Folge hätte. Zahllose Arbitrageure – es sind dies i.d.R. sog. "commercials", die ihre Märkte aus der Nähe kennen und sie unablässig mit wachsamem Auge verfolgen – wären nun zur Stelle, um unter Einsatz erheblicher Summen große Transaktionsmengen ("volume") von Futures im zeitnahen Termin reaktionsschnell zu kaufen und gleichzeitig solche im zeitfernen Termin ebenso schnell zu verkaufen, was im Ergebnis sehr rasch wieder zu einer Verschmälerung ("narrowing") des Spreads führen würde ("forward cash and carry arbitrage"). Eine derartige (ungleichgewichtige) Marktsituation könnte infolge davon nicht lange Bestand haben. Der vorstehend beschriebene Typus von Spread wird nicht zuletzt deshalb füglich auch mit dem Namen "limited risk spread" bedacht.

[* Achtung: Prinzipiell grenzenlos ist das Verlustrisiko indes bei "bull"-Spreads auf nicht-lagerfähige Waren, wie z.B. auf Flüssigmilch, Eier, lebende Schweine oder lebende Rinder. Die diesen Märkten in jedem Moment eigene innere Preisstruktur von Terminen ist aller Erfahrung nach in einem Maße aufgelockert, dass jeder einzelne Termin derselben praktisch als eigenständiger Markt in Erscheinung tritt. So gesehen, wird der Name des "Spread" ad absurdum geführt.]

Der Inhaber eines "bear"-Spreads trägt im Allgemeinen ein Risiko von deutlich höheren Prozenten als der Halter eines "bull"-Spreads. Die hinter diesem Umstand liegende Ursache ist in einem prinzipiell unbeschränkten Verlustrisiko aus offenen Posten verkaufter Futures-Kontrakte auszumachen. Während die Gewinnaussichten für den Halter eines "bear"-Spreads begrenzt sind durch das Erreichen eines "full carrying charge market", besteht demgegenüber grundsätzlich keine Begrenzung im Hinblick auf steigende Marktpreise im Spotmonat (d.h. in der Höhe des Abschlags ("discount") des Futureskurses beim späteren Termin gegenüber dem Marktpreis im "nearby" bzw. der Höhe der "convenience yield" zwischen den Terminen). Hat sich in der aktuellen Lage am Terminmarkt eines aufhebbaren Gutes ein "normaler Markt" ("contango market") ausgebildet, so ist es hier mehr denn je ratsam, einen "bear"-Spread nur mit äußerstem Bedacht und unter großer Umsicht einzusetzen.

Doch von welchen Gesichtspunkten aus wird die Wahl unter mehreren zur Auswahl stehenden Spreads letztlich getroffen werden? – Die Vorgehensweise zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einzelner Spreads knüpft an die Berechnung ihrer Basen an: "früher Termin minus später Termin". Nachdem die in die engere Wahl gezogenen Spreads nun in ihren jeweiligen Zahlenwerten vorliegen, werden diese anschließend zum Zwecke der Vergleichbarkeit auf einen Monat normiert, d.h. Division des absoluten Spreads durch die Anzahl der Monate zwischen Long- und Short-Position. Beim Dezember16/August16 Heizöl-"bear"-Spread wäre beispielsweise durch 4 zu teilen, da zwischen August und Dezember eines Jahres insgesamt 4 Monate liegen. Um schließlich Aussagen über die Vorteilhaftigkeit in Hinblick auf eine konkrete Anlageentscheidung treffen zu können, werden die so berechneten relativen Spreads in einem letzten Schritt der Größe nach geordnet. Hiernach genießt derjenigen "bear"-Spread den Vorzug vor allen anderen Spreads gleichen Typs, der in seinem Preisspread den höchsten Wert (die stärkste Basis) für den Monat aufweist. Richtet sich das Augenmerk an den Märkten hingegen auf eine entsprechende Strategie unter Verwendung von "bull"-Spreads, so fällt die Wahl umgekehrt auf den niedrigsten Preisspread (die schwächste Basis) pro Monat. Dies sei an einem Beispiel im Detail vorgeführt:

Folgende Terminkurse des Heizöl-Futuresmarktes (NYMEX Heating Oil No. 2) liegen vor (alle Angaben in US-Dollar und Cent pro Gallone):

Terminmonat Futureskurs
Oktober04 0,8192
November04 0,8215
Dezember04 0,8245
Januar05 0,8252
Februar05 0,8176

 

Berechnung des vorteilhaftesten "bear"-Spreads unter den folgenden Alternativen:

Nov./Okt.:   – 0,0023/1 =  – 0,0023

Dez./Okt.:   – 0,0053/2 =  – 0,00265

Jan./Okt.:   – 0,0058/3 =  – 0,002

Feb./Okt.:   – 0,0016/4 =  – 0,0004

Dez./Nov.:   – 0,003/1 =  – 0,003

Jan./Nov.:   – 0,0037/2 =  – 0,00185

Feb./Nov.:   + 0,0039/3 =  + 0,0013

 

Da der letztgenannte "bear"-Spread mit +0,0013 die stärkste Basis aufweist, ist demnach der Februar05/November04-Spread hier eindeutig der vorteilhafteste unter den oben aufgeführten Wahlmöglichkeiten.

Angenommen, der Spread-Trader geht den Februar05/November04-Spread zu den oben angeführten Kursen ein: Er kauft 5 Februar05-Heizöl-Futures zu 0,8176 US-$ und verkauft gleichzeitig 5 November04-Heizöl-Futures zu 0,8215 US-$. Eine gewisse Zeit später schließt er seine Position in "bear"-Spreads wieder, wobei im November04-Heizöl-Futures ein Kurs von 0,8310 US-$ und im Februar05-Heizöl-Futures von 0,8295 US-$ realisiert wird. Die Brokergebühren für Spread-Geschäfte sind einheitlich mit 7 US-$ pro "round turn" anzuschlagen. Welches Ergebnis hat der Spread-Trader erzielt?

Lösung:

Terminmonat Kaufkurs Verkaufskurs Differenz
November04 0,8310 0,8215 – 0,0095
Februar04 0,8176 0,8295 + 0,0119

Ergebnis:  

+ 0,0024

 

Der Gewinn aus jenem Spread beträgt demnach 0,0024 US-$ pro Gallone Heizöl. Da ein Heizöl-Futures bekanntlich 42000 U.S. Gallonen (= 1000 Barrels) Heizöl umfasst, errechnet sich ein Gewinn pro Spread von 42000 × 0,0024 US-$ = 100,80 US-$. Insgesamt wurden 5 Spread-Positionen eingegangen. Dies ergibt einen Bruttogewinn von 5 × 100,80 US-$ = 504 US-$. Davon sind Brokergebühren in Höhe von 5 × 7 US-$ = 35 US-$ abzuziehen, wonach ein Nettogewinn vor Steuern von 469 US-$ ausgewiesen wird.

Abschließende Bemerkungen:

In Ansehung des erhöhten Schwierigkeitsgrades als auch der eigentümlich verwickelten Natur, die dem ganzen Gegenstand von den Spreads unleugbar anhängt, tut der handelsbeflissene Spread-Trader wohl daran, statt im Übereifer getreu dem Ausspruch "frisch gewagt ist halb gewonnen" unbekümmert ohne Einübung zur wirklichen Tat überzugehen, sich zunächst mit den Grundlagen gewöhnlicher (isolierter) Futures-Geschäfte sorgfältig und umfassend vertraut zu machen. Auch wird er es nicht versäumen wollen, sowohl die Besonderheiten bei der Ordererteilung wie auch die bei den Rechnungsverfahren für Spreads auf das Gründlichste einzuüben. Von nicht minder hohem Nutzen für einen glücklichen Einstieg in das lebendige Spread-Trading wird überdies ein gediegenes, grundlegendes Verständnis des reinwissenschaftlichen Zusammenhangs zwischen Spot- und Terminpreisen und in gleicher Weise eins von dem Aufbau der Terminstruktur von Futures sein. Auf diesen Kenntnissen aufbauend eignen sich Spreads freilich glänzend selbst für den risikobewussten Einsteiger und Gelegenheitshändler. Mit etwas Geschick bieten sie ihm bei verantwortbarem Marktrisiko damit beste Trading-Aussichten an den weltweiten Börsenplätzen.

 

 

 

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"Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat sich noch nie an etwas Neuem versucht."
Albert Einstein (1879-1955), deutscher Physiker
 

 

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2017 Bert H. Deiters
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Stand: 13. September 2017. Alle Rechte vorbehalten.