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Aufzählung

Trading: das Spekulationsmotiv im Handel mit Futures

Tag für Tag treffen Trader, Hedger und Arbitrageurs, die sich dem Wettbewerb tätig zu stellen gewillt und gewohnt sind, aus aller Herren Ländern an den Finanzmärkten zusammen, um zwischen- und untereinander Handel zu treiben. Hierbei kommen die verschiedensten Handelsformen, Instrumente und Strategien zum Einsatz. Seine wohl technisch höchste Vollendung findet der Handelsverkehr dort, wo die Objekte des Handels in die Aufmachung der derivaten Finanzmarkttitel gekleidet sind: an den gut geordneten, geregelten, hoch ausgebildeten Terminmärkten, also hauptsächlich an den Terminbörsen. Damit ist zugleich der an den Terminmärkten vertretene Teilnehmerkreis bestimmt, der sich nach den drei eben benannten Klassen teilt. In den Mittelpunkt der nachfolgenden Betrachtungen seien vorzugsweise die Handelstätigkeiten des Traders gestellt.

Der englischsprachige Name Trader bezeichnet einen Handelsspekulanten, der das Geschäft des Tradings versieht. Unter dem Ausdruck Trading versteht man allgemein die unter wiederholtem Einsatz von Risikokapital eingeschlagene Strategie der willentlichen Übernahme eines Preisänderungsrisikos zu allermeist auf nur sehr kurze Frist in Erwartung eines Vermögenszuwachses aus einer sich in der nächsten Zukunft einspielenden Verschiebung in der positiven Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs (Preisüberschuss) der gehandelten Finanzmarkttitel (Handelsspekulation in Form der Differenzspekulation). Ein Trader betreibt das Trading also entschieden um des Gewinnes willen. An einer realwirtschaftlichen Bindung an dem Gegenstand seiner Spekulation, dem jeweiligen Basisgut, von dessen Preiswechsel der Ausgang seiner Geschäfte letztlich abhängt, liegt dem Trader in aller Regel nichts. Es führt ein Dasein für ihn gewissermaßen nur als Anhängsel auf dem Papier. Alles dreht sich ihm vielmehr um die Preisgestaltung. Aber nicht bloß in dieser Beziehung besteht zwischen der Zunft der Trader und den übrigen am Marktgeschehen Anteil nehmenden ein vergleichsweise scharfer Gegensatz, wie im Folgenden noch ersichtlich werden wird.

Ein Blick in die einschlägigen statistischen Marktberichte (z.B. in den von der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde CFTC veröffentlichten, viel beachteten "Commitments of Traders Report", COT Report) gibt Zeugnis davon, dass die einzelnen Gruppen der Marktteilnehmer auf den Zukunftsmärkten im Allgemeinen ganz ungleich stark besetzt sind. Stellt man etwa die Zahl der Spekulierenden (Trader; auch weniger vornehm "player" oder "Differenzspieler" genannt) jener der anderen auf den Börsenterminmärkten tatkräftig beteiligten Kreisen vergleichend entgegen, so erweist sich, dass die spekulativ ausgerichtete Partei in etlichen Marktabschnitten wiederholt den überwältigenden Anteil nimmt. Kraft ihrer Prävalenz ist sie ohne Zweifel befähigt, in ihrer Gesamtheit den spürbarsten Einfluss auf das Marktgeschehen auszuüben.

Doch selbst dann, wenn das wechselseitige Häufigkeitsverhältnis der oben benannten Trias in den Majoritätsfällen eine wahrhaftige Vorherrschaft der Gilde der Spekulanten zu Tage fördert, so ist diesem Umstand jenseits aller ethischer Wertungen dennoch ein nicht gering zu achtender Vorteil zu verdanken: Der von den zahlreich vertretenen Terminspekulanten ausgehende breite Zustrom von Risikokapital verteilt sich im großen Ganzen auf eine recht überschaubare Zahl von vorbereiteten Finanzderivaten. Die Zusammenballung der finanziellen Mittel auf diese Letzteren bewirkt wieder eine Vertiefung der Märkte mit dem Effekt einer beträchtlichen Hebung ihrer Handelsverkehrsziffern ("volume" und Liquidität), was nicht nur den Vorzug einer Erhöhung der Aussagekraft der Marktpreise (Informationseffizienz) zubringt, sondern vor allem auch den einer Festigung der Stabilität und einer Steigerung der Nachhaltigkeit* des Marktverkehrs im gesamten Segment für börsennotierte Terminkontrakte zur naturgemäßen Folge hat. Im Verhältnis zur Gruppe der risikoscheuen Hedger tragen die risikofreudigeren Spekulanten als Gegenpartei von Kurssicherungsgeschäften überdies bewusst das Risiko von mitunter empfindlichen Vermögenswertverlusten und verschaffen Ersteren hierdurch die erwünschte Versicherungsleistung.

[* Liquide Märkte gelten als Grundvoraussetzung für informationseffiziente, vollkommene Märkte. Der Segen effizienter Märkte liegt für praktische Zwecke wieder darin, dass vermöge einer kontinuierlichen, verlässlichen Marktbewertung Anpassungsentscheidungen an neu eintreffende, richtungweisende Informationen sich über zweckentsprechende Transaktionen ohne Reibungsverluste mit einem Wurf umsetzen lassen ("reibungsloser Ein- und Ausstieg" in unmittelbarer Aufeinanderfolge, "friktionsloser Sekundärmarkthandel"). Dies bewirkt mit Blick auf den Gang der Preise rein äußerlich, dass sich potenziell größere Kursfluktuationen gehäuft zahlreicheren kleineren fügen.]

 

 

 

Finanzderivate lassen sich je nach vorschwebendem und möglichem Verwendungszweig den unterschiedlichsten wirtschaftlichen Belangen dienstbar machen: Preisfindungs- und Sicherungszwecken so gut wie Arbitrage- und Spekulationszwecken. Mit ganz unterschiedlichen realwirtschaftlichen Auswirkungen. So ist den leibhaftigen Tradern an den Derivatebörsen, ungleich der überwiegenden Mehrzahl der Hedger als auch den Arbitragehändlern i. e. S. gegensätzlich, im Allgemeinen nichts an der gegenständlichen Lieferung oder gar an der Herstellung der den einzelnen Futures- bzw. Optionsgeschäften zugrunde liegenden wesentlichen Wirtschaftsgütern ("underlying assets") gelegen. Vielmehr richten Trader ihr Augenmerk vor allem anderen auf den möglichen Gang des Kontraktpreises. Im Bestreben, aus dem Wechsel der Preisverhältnisse auf den Märkten Kapital zu schlagen, kaufen sie in Aussicht auf mutmaßlich steigende Kurse Terminkontrakte ("long") für den ungewissen Verkauf, und verkaufen umgekehrt in Erwartung sinkender Kurse Terminkontrakte ("short") für den ungewissen Kauf (Börsenspiel, Agiotage). Über den tatsächlichen Ausgang der Kursentwicklung beim Gegenstand ihrer Differenzspekulation lässt sich von Anfang bis zu Ende allenfalls eine vage Mutmaßung hegen. Erst in Nachhinein steht fest, wer wie viel gewinnt und wer wie viel verliert. Allein dieser Gesichtspunkt des daran hängenden Spielrisikos stempelt sie vordergründig zu Spielern ("player"). Auf der anderen Seite trägt jeder von ihnen durch seine bloßen Handelsbemühungen aus sich heraus zur Bildung der für jedermann erkennbaren Marktmeinung bei.

Trader haben sich das Erhandeln von Differenzgewinnen zum obersten Ziel gesteckt. Dies Strebeziel bedingt, die aussichtsreichsten Handlungsgelegenheiten aus der Fülle der an den Märkten zugänglichen herauszugreifen und sie auf geschickte Weise in die wirkliche Tat umzusetzen: das "selektive Handeln". Einem solchen Handeln wird vorgearbeitet durch den Rückgriff auf sinnvoll ausgedachte Trading-Strategien. Derart hochstehende Handelspläne, einmal ausgeklügelt, bestehen aus einem Satz von verhaltens- und finanzspezifischen Regeln, die den Anspruch in sich aufnehmen, im großen Durchschnitt und auf die Dauer ("in the long run") weit überlandesübliche Renditen zutage zu fördern. Die davon hergeholten Markttaktiken passender Art gelangen fallweise zum Einsatz, sowie eine mutmaßlich vorteilhafte Verschiebung der Marktlage in Aussicht steht, für die der Händler eingenommen ist und die ihn zum Tätigwerden an den Terminmärkten herausfordert.

So wird der spekulativ ausgerichtete Händler vom Fach, der in schicklicher Weise über die verschiedenen Verfahrensarten im Trading unterrichtet ist, mit Bewusstsein danach trachten, durch wohldurchdachtes, entscheidungsbezogenes Aufsuchen von Marktchancen (samt ihren Risiken!) mithilfe eines darauf fein abgestimmten Plans aus den Zukunftsmöglichkeiten der Preisbewegungen von Finanzderivaten auf kurze Frist gezielt Nutzen zu ziehen (Wagnis, Wette; willentliche Aufhöhung des "risk exposure" durch Aufbau von offenen Posten, "hold and hope"-Strategie; "aleatorische Verträge"); oder um es ohne Umschweife und rundheraus zu sagen: Der verständige Händler baut seine Geschäfte nicht völlig planlos ins Ungewisse, sondern wettet mit weisem Bedacht nach einem im Voraus zurechtgelegten Plan ("investment decision"). Er wettet planmäßig, indem er seine gesamten Fachkenntnisse und alle seine Fähigkeiten mit allem Vorbedacht in einem gelegenen Augenblick in Wetten auf den Terminkurs umsetzt ("trade dicision"). Seine Zielsetzung geht vorzugsweise darin auf, durch gewagtes, aber gewandtes Tätigwerden auf den Weltmärkten für Termingeschäfte allein aus dem Spiel der Preise in absehbarer Zeit überverhältnismäßig ertragreiche Spekulationsgewinne für sich zu erwirtschaften. Auf der Kehrseite indes ist jedes der auf den Derivatemärkten unternommene Verpflichtungsgeschäft von vornherein der niemals zu verkennenden Gefahr ausgesetzt, aus verfehltem Einsatz spekulativer Eigenmittel, zumal bei grobem Irrtum über die Marktlage und Eintritt nicht auszudenkender, nicht vorausgewusster oder nicht vorausdurchdachter (nicht antizipierter) Entwicklungen, auf einen Schlag kaum wieder gutzumachende Vermögensverluste anzuhäufen. So manch ein Futures-Händler, gegen den sich der Markt wandte, ist durch bittere Erfahrung darüber belehrt worden. Mit einem Worte: Chancen und Risiken gehen an den Märkten Hand in Hand, sie sind geradezu in einem festen, gleichmäßigen Verhältnis eisern ineinander eingeankert!

Bei genauerem Zusehen sind gelungene Spekulationen in und zwischen den Terminmärkten, denen obendrein ein begründeter Anspruch auf Nachhaltigkeit beschieden sein mag, vornehmlich hergenommen von einem zeitigen wie zuverlässigen Auffinden – je eher, je besser – und gekonnten Ausnutzen der sich auftuenden Marktchancen, d.i. auf die Fähigkeit der raschen wie zutreffenden Antizipation künftiger Kursentwicklungen mitsamt Begleitumständen (idealerweise "Gewinne aus Wissensvorsprüngen")*. Jede Handelsstrategie, die eben darauf baut, will – bei aller Schnelllebigkeit der jeweiligen Chancen – vorher wohl überlegt sein. Sind die für die Stich- und Hiebfestigkeit seiner Strategie nötigen Denkanforderungen und Bemühungen an Voraussicht geleistet, wird der börsengeschäftskundige Händler mit nüchternem Kalkül und Verstand, dass sich der Wissensstand über die Zukunft in einem fort ändern wird, bewusst einen offenen "Risiko-Posten" zu einem der vorübergehenden Terminpreise aufbauen ("entry", "naked futures position"), sowie er seine Spekulation für zutreffend hält und auch das damit aufgenommene Wagnis nicht scheut. Bei der Gelegenheit ist daran gedacht, diesen in einem für sein Vorhaben günstig scheinenden, aber wenigstens für den Augenblick noch nicht genau bestimmbaren künftigen Zeitpunkt** zwar zu einem anvisierten, überhaupt aber noch unbekannten Terminkurs wieder zu schließen ("exit"). Erfüllen sich hierauf die ursprünglichen Erwartungen durch Verwirklichung der erhofften Preisverschiebungen im Markt, so werden die vorgehaltenen Posten dem Vorhaben gemäß mittels eines gegenläufigen, kompensierenden Geschäfts (Gegengeschäft) zum dann herrschenden Marktpreis wieder geschlossen und auf diese Weise die bis dahin angewachsenen Kursdifferenzgewinne heimgebracht. Erweisen sich die Vorhersagen hingegen als grundfalsch, ganz gleich, ob aus persönlichem Ungeschick, Missverstand oder infolge umschlagenden Glücks, und die Kurse laufen den Erwartungen arg zuwider, so rächt sich dies unweigerlich durch mitunter schmerzliche Vermögensverluste, die sich der Händler aus seinen eingegangenen Verpflichtungen gefallen lassen muss (Kursdifferenzverlust). Eben diese allezeit im Zaume zu halten ist ebenfalls ein hochwichtiger Teil jeder wohlbedachten Handelsweise (Trading-Strategie). – Durch eine vorgelagerte Aufmachung der einzelnen derivaten Erzeugnisse von einheitlicher Art (Standardisierung) werden an den Terminbörsen die nötigen Voraussetzungen geschaffen zum einen für eine jederzeitige Handelbarkeit bei schnellem und einfachem Marktzugang und zum anderen für eine rasche Abwicklung der Geschäfte zu möglichst erschwinglichen Handelsspesen (Transaktionskosten), wodurch die Aussichten auf einen Abschluss zu allseits fairen und angemessenen Preisen insgesamt steigen.

[* Die Grundlage für einen einträglichen Ansatz im Trading können einerseits Wissensvorsprünge bilden, die durch Informationsauswertung unter blitzartiger Verarbeitungsgeschwindigkeit gewonnen wurden, also i. d. R. durch die planmäßige Ausnützung (noch) nicht allen zugänglichen Wissens, und andererseits freilich auch durch einfallsreiches Handeln ("alertness"). Hierbei wird beabsichtigt, in Anbetracht der Gewissheit über die Lückenhaftigkeit des eignen Wissens, aber im Vertrauen auf überlegene Expertise und Informationsverarbeitungsqualität, aus unvollständigem Wissen anderer Kapital zu schlagen.]

[** Derivatehändler stehen bei alledem gewöhnlich unter einem gewissen Zeitdruck. Denn im Unterschied von Kassa- und Spotmarktgeschäften, wo der Realisationszeitpunkt durchaus in ferner Zukunft liegen mag, sind die finanziellen Ergebnisse aus Futures- und Optionsgeschäften zumeist sehr kurzfristig, d.h. spätestens "zum Termin" zu verwirklichen und abschließend abzurechnen. Vgl. hiezu ergänzend: "roll over" mit Futures.]

Spekulativ tätige Händler, die auf bald steigende Kurse rechnen, kaufen Terminkontrakte um des vorteilhafteren Verkaufes willen – sie "gehen long". In der Fach- und Standessprache der Börsen werden diese Markthändler gemeiniglich als "bulls" bezeichnet, sie sind "bullish" in ihren Markterwartungen (Haussiers). Ihnen stehen Marktbeteiligte gegenüber, die auf fallende Kurse setzen. Sie verkaufen Terminkontrakte in der Hinaussicht, zu ermäßigten Kursen Deckung zu finden – sie "gehen short". Letztere heißen "bears", ihre Markterwartungen sind "bearish" (Baissier). Die Rechnung des Haussiers ist im großen Ganzen aufgegangen, wenn er spätestens bis zum Liquidationstermin des Futures die Gelegenheit findet, seinen Kontrakt zu einem den Einstandskurs und die Kosten des Börsengeschäfts übersteigenden Kurs glattzustellen; jene des Baissiers dagegen ist aufgegangen, wenn sich ihm bis zum Liquidationstermin des Futures die Möglichkeit bietet, seinen Kontrakt zu einem gegenüber dem Einstandskurs entsprechend niedrigeren Kurs wieder einzudecken. Andernfalls muss jeder von ihnen bald Verluste hinnehmen oder doch bald seinen Posten mit ungewissem Ausgang auf einen späteren Termin umlegen ("rollen"; auf die Gefahr von "Rollverlusten" hin).

Ein ordentlicher Verkehrsvorgang an den Börsenterminmärkten setzt, abgesehen von Optionskäufen, i.d.R. die Erbringung eines Ersteinschusses ("initial margin") voraus. Da bekanntlich der für die Teilnahme am Futures-Handel erforderliche Mindesteinschuss im Verhältnis zum eigentlichen Kontraktgegenwert durchweg außerordentlich gering anschlägt*, geht daraus ein stattlicher Hebeleffekt (Leverageeffekt) hervor, der auf beiden Seiten – Long wie Short – gleichermaßen Wirkungskraft erlangt. Der Hebeleffekt wird eine umso kräftigere Wirkung entfalten, je niedriger der Bruchteil der Mittel für den Ersteinschuss in Anschlag steht, die aufzubringen erforderlich wären, eine entsprechende Positionierung im Effektivmarkt einzuleiten. Der Hebeleffekt ist ein bedeutsamer Beweggrund für eine Teilnahme am Terminhandel, weil er einer willkommenen Verringerung des Finanzmitteleinsatzes (= Kreditfunktion von Hebelprodukten) in die Hand spielt. Am Ende aber ist dieser notwendig erkauft mit einer Ausweitung des übernommenen Preisrisikos – was in letzter Instanz die Bereitschaft zum Aufbau spekulativer Posten augenscheinlich mehr befördert und befruchtet denn hemmt.

[* Dies geht mitunter soweit, als im Tagesgeschäft durchaus auch ganz ohne Ersteinschuss mit Futures gehandelt werden darf, sofern eine etwaige verbleibende Nettoposition am Ende einer Handelsphase ("overnight") gedeckt ist.]

Der eigentliche Pfiff von Futures-Geschäften liegt für den von Risikofreude geprägten Investor allemal darin, durch Einsatz von vergleichsweise geringen Summen kraft des Hebeleffekts mit besten Gewinnaussichten auf kurze Frist von günstigen Gelegenheiten auf den Terminmärkten profitieren zu können. So ist es dank der gewaltigen Hebelkraft von Finanzderivaten bei kaum nennenswerten Börsenhandelskosten keine Seltenheit, dass, besonders manchenorts in heftig schwankenden ("volatilen") Terminmärkten, auf den hinterlegten Ersteinschuss ("inital margin") bezogene Renditen ("return on margin" ROM) von mitunter vielen 100 Prozenten innerhalb kürzester Zeit zur Verwirklichung gebracht werden. Und so kann es sein, dass es dem einen oder anderen beschieden ist, wie aus dem Nichts ein ansehnliches Vermögen zu schaffen. Durch die jüngsten Zugewinne an finanzanalytischen Einsichten zusammen mit der steten Fortentwicklung von elektronischen Handelsvorrichtungen ("electronic trading systems"), welche die Handelsfrequenzen beständig zu steigern vermögen und gleichzeitig die Ankauf- und Verkaufkosten für die eingegangenen Verpflichtungen an den Börsen immer tiefer herabmindern, dazu begünstigt von tendenziell zunehmenden Volatilitäten* in den Terminmärkten, wird die innere Bereitschaft etlicher Händler zur Teilnahme am Futures-Handel noch um ein Zusätzliches verstärkt.

[* Die Volatilität umschreibt Stärke und Frequenz von Kursauschlägen, die auf dem bezüglichen Markt auftreten. Volatile Märkte schaffen allseitig einen Anreiz zur Spekulation, erhöhen andererseits aber auch vielfach die Notwendigkeit zum Abschluss von Preissicherungsgeschäften ("hedging"). Gleichzeitig ist festzustellen, dass mit steigender Volatilität tendenziell besonders die indirekten Transaktionskosten steigen.]

Doch hier ist Vorsicht am Platze und es sei darum eindringlich vor Schaden gewarnt! Den allzu verlockenden Gewinnhoffnungen steht nämlich die Wertgefahr als Kehrseite der Medaille untrennbar gegenüber! Anders als bei Optionskäufen etwa, wo äußerstenfalls die bezahlte Optionsprämie ("total premium") verloren gehen kann, muss der mit Futures Spielende auf Verluste gefasst sein, die bei einer unglücklichen, unbesonnenen, unzeitigen oder unsachgemäßen Anwendung in ihrem Ausmaß sein Privatvermögen binnen kürzester Frist vollständig aufzuzehren ("Substanzrisiko"), wenn nicht weit zu übersteigen imstande sind ("Übersubstanzrisiko"). Für das vermögensmäßige Einstehenmüssen für Verluste aus Futuresgeschäften mit spekulativem Charakter ist im Falle ihres Leerverkaufs (also solche, die in Gestalt von singulären Short-Futures-Position gehalten werden) bei steigenden Notierungen theoretisch sogar keine Grenze absehbar, während selbiges bei Kaufpositionen (singuläre Long-Futures-Position) und fallenden Kursen, so bedauerlich es für den Einzelnen sein mag, in seinem Ausmaß immerhin durch den mit dem Einstandskurs ausgemachten gesamten Kontraktgegenwert zum Termin beschränkt ist. Ein grober Fehlgriff bei Futuresgeschäften kann mithin ganze wirtschaftliche Existenzen verderben, ja vielleicht endgültig zugrunde richten!*

[* Hier liegt zugleich auch eine gewisse Gefahr, die in der Natur der menschlichen Psyche begründet ist: Die effektive Leistung einer Zahlung wird meist wohl überlegt, während die bloße Übernahme einer gleich großen Schuld meist flugs von der Hand geht.]

Die eigentliche Ursache für das buchstäblich bis ins Uferlose reichende Verlustpotenzial gerade bei fehlgeschlagenen Short-Spekulationen besteht darin, dass im Rahmen von Futuresgeschäften die Verpflichtung des Positionsinhabers – trotz und wegen des relativ geringen Ersteinschusses an Margin – sich grundsätzlich auf den Gesamtwert des bewegten Kontraktumfangs erstreckt (Hebelwirkung) und der Marktpreis hierbei kein oberes Limit für die Beschaffung der unterliegenden Werte kennt. Der nach einer Schieflage erlittene Vermögensverlust der einen Marktseite entspricht bei Geschäften mit Futures – vorbehaltlich von Transaktionskosten und abgesehen von Nutzeneffekten – in seiner Höhe stets dem Gewinn der jeweils anderen Marktseite ("Nullsummenspiel", symmetrisches Gewinn-/Verlustprofil). Die Wahrnehmung der beachtlichen Gewinnchancen an den Futuresmärkten ist also unentrinnbar mit der höchst gegenwärtigen Gefahr des Misslingens erkauft. Grelle Verluste können sohin die unerbittliche Folge sein.

Ein weiteres Attraktionsmoment, das eine spekulative Teilnahme am Terminkontrakthandel erst nach jeder Seite befruchtet, folgt aus der Leichtfüßigkeit, mit der sich Leerverkäufe ("short selling") in Futures einleiten und durchführen lassen. Dank den vergleichsweise kleinen Kosten wie auch der flexiblen Handhabung von Short-Positionen in Futures lässt sich eine schlüssige Strategie der Differenzspekulation auf fallende Preise oftmals schneller, bequemer und billiger durch den Einsatz von Termingeschäften verwirklichen als über einen Leerverkauf des Basisinstruments im korrespondierenden Barmarkt selbst (vgl. hierüber auch Wertpapierleihe und Leerverkauf von Aktien). Es gilt dies naturgemäß umso mehr von Termingeschäften mit Warencharakter, den Commodities. Durch die faktische Gleichrangigkeit von Kauf- (Long-) und Verkaufs- (Short-) Positionen gewinnen Engagements an den Derivatebörsen, verglichen mit Spot- und Kassamarktaktivitäten, damit noch zusätzlich an Anziehungskraft.

[Ohne an dieser Stelle in die Einzelheiten zu gehen, lassen sich als weitere Nachteile von Spotmarkttransaktionen gegenüber Operationen am Terminmarkt anführen: 1.) generell höhere Transaktionskosten bei identischen Volumina, 2.) Refinanzierungsnotwendigkeit, 3.) eine dem gewünschten Risiko-/Ertragsprofil entsprechende Positionierung lässt sich nicht oder nur schwer realisieren, 4.) steuerliche und administrative Momente, negative Bilanzauswirkungen, Meldepflichten etc.]

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

Die einzelnen Gruppen spekulativer Marktteilnehmer im Futures-Handel

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Siehe auch:

 

Aufzählung

Was sind Futures?

Aufzählung

Wie entstehen Futures?

Aufzählung

Der Futureskurs

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

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Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

 

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Albert Einstein (1879-1955), Physiker

 

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Stand: 08. Dezember 2016. Alle Rechte vorbehalten.