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  •    Offenes Interesse ("open interest") und Umsatz ("volume")

Der Begriff "Offenes Interesse" ("open interest", O.I.) bezeichnet die Zahl aller zu einem gegebenen Zeitpunkt ausstehenden (offenen) Terminkontraktgeschäfte eines Marktes zusammengenommen, d.i. die Gesamtzahl der am bezüglichen Markt bislang noch nicht durch ein Gegengeschäft glattgestellten bzw. noch nicht durch physische Lieferung des zugrunde liegenden Marktgegenstands oder durch Barausgleich erfüllten Terminkontraktgeschäfte ("contracts outstanding").* Es sei dies durch ein Beispiel näher erläutert:

[* Diese Sprachregelung gilt im Übrigen sinngleich und ungeschmälert für Optionskontraktgeschäfte gleichermaßen].

Im DAX®-Futures-Markt wird nach Ablauf des voraufgehenden Kontraktmonats ein neuer Kontraktmonat gelistet: der März-Dax®-Futures. Es kommt der erste Umsatz im Markt des neuen DAX®-Kontraktmonats zustande: Händler B kauft einen März-Dax®-Futures von Händler S, der mit diesem Futures-Geschäft den Dax® auf Termin per März verkauft. Kauf und Verkauf zusammengenommen bilden hiernach ein offenes Terminkontraktgeschäft*, das ist ein neu begründeter Futures-Kontrakt für sich – und erhöhen folglich das "open interest" im hier betrachteten Futuresmarkt von 0 auf 1.

[* Anmerkung: Unter rechtlichem Blickwinkel zerfällt jedes abgeschlossene Terminkontraktgeschäft in zwei separate Verträge: der erste zwischen Clearinghaus und Terminkäufer, und der zweite zwischen Clearinghaus und Terminverkäufer. Bei der Berechnung des "open interest" bleiben einzelkontraktliche Verpflichtungen gegenüber dem Clearinghaus jedoch stets ausgeklammert.]

Daraus lässt sich folgern: Wer einen Terminkontrakt kauft ("long geht"), ohne vorher bereits über eine Verkaufsposition in dieser Kontraktart zu verfügen (= "opening trade"), erhöht unter sonst gleichen Umständen das "open interest" immer dann um eins, wenn gleichzeitig auch der Verkäufer eine neue Position in diesem Kontrakt eingeht ("short geht"). Umgekehrt, wer einen Terminkontrakt verkauft ("short"), ohne zuvor über eine Kaufposition in dieser Kontraktart zu verfügen, erhöht das "open interest" immer dann um eins, wenn der Käufer zugleich eine neue Kaufposition darin aufbaut ("long"). Gleiches gilt spiegelbildlich für die Verringerung des Offenen Interesses.

Man beachte wohl: Nicht jedes auf dem Futuresmarkt vollzogene Umsatzgeschäft führt im gleichen Zuge zu einer Erhöhung des "open interest". So könnte gedanklich Käufer B des obigen Beispiels seinen März-Dax®-Futures wieder an Verkäufer S verkaufen. Damit hätte sich der Kreis geschlossen, das "open interest" wäre trotz einem erneuten Umsatz an null zurückgelangt. Hätte hingegen Käufer B an einen Dritten T verkauft* und Verkäufer S seine Leerverkaufsposition beibehalten, so wäre zwar ebenfalls ein weiterer Umsatz zu verzeichnen, das "open interest" bliebe hiervon jedoch unberührt. Es stünde nach wie vor auf dem alten Stand bei eins. Erhöht hätte sich das "open interest" allerdings dann, wenn – c.p. (ceteris paribus = "unter sonst gleichen Umständen") – der Dritte T erneut einen Futures von Verkäufer S oder von einer anderen Partei gekauft hätte.

 

 

 

[* Es geht dies im Handel mit Futures ohne äußeren Anstoß an, weil niemand das Einverständnis des originären Kontraktpartners darüber einzuholen nötig hat.]

Das "open interest" steigt mithin immer dann, wenn per saldo neue (offene) Terminkontrakte geschaffen werden, und es fällt immer dann, wenn per saldo bestehende Terminkontrakte geschlossen und damit aus dem Spiel genommen werden. Das gesamte von einem Marktakteur gehaltene bzw. kontrollierte offene Interesse bezeichnet man gewöhnlich als seine Position.

Wie am obigen Beispiel demonstriert, gelangt jeder Futures-Kontrakt für sich stets paarweise zur Entstehung. Aus diesem Umstand ergibt sich notwendig zu jedem Zeitmoment der Höhegrad des "open interest" in Ansehung einer bestimmten Kontraktart (so z.B. im März-Dax®-Futures), der sich in der Wortformel ausspricht: Zahl aller offenen Kaufgeschäfte (Long) gleich Zahl aller offenen Verkaufsgeschäfte (Short) gleich "open interest". Man kann also sagen, je mehr Kontrakte aufgebaut und gehalten werden und je mehr Belange damit noch ausstehen – sprich "je stärker das wirksame Interesse"* an einem spezifischen Kontraktgegenstand tatsächlich ist – desto höher wird das "open interest" in jenem Markt ausgemessen; und umgekehrt. Anders gewendet: Durch die Zahl des O.I. teilt sich das Interesse an einem Futures dem Marktpublikum mit. Berechnet und publiziert wird die Kennzahl "open interest" für die verschiedenen Märkte regelmäßig zum Schlusse eines jeden Börsentages mit Rücksicht auf die eben zu Ende geführte Handelsperiode.

[* Das wirksame Interesse hängt somit im letzten Grunde davon ab, wie dringlich die Begierde der Marktbeteiligten nach der Einnahme einer bestimmten Positionierung tatsächlich ist, d.h. wie sehr ihnen an einer präsenten wirtschaftlichen Beziehung, einem Mitwirken, liegt.]

Das "open interest" zeichnet sich demgemäß ziffermäßig durch eine untere Grenze von null aus, während ihm im Zuwachs theoretisch keine Grenze gezogen ist. Im Unterschied zum täglichen Umsatzvolumen in einem Futures ("futures series") stellt das "open interest" eine durch die gesamte Laufzeit eines Futures berechnete kontinuierliche Zahlengröße dar. Unter "volume" (Transaktionsmenge, Handelsvolumen, "trading volume", "turnover") dagegen versteht man die Anzahl der gehandelten, rechtsgeschäftlich verbindlich abgeschlossenen Terminkontrakte ("lots", "number of contracts") in einem Futures-Markt, und zwar kumuliert auf eine bestimmte jeweilig in Betracht gezogene Zeitperiode gerechnet (gewöhnlich auf einen Tag, bisweilen auch auf eine Woche, einen Monat usw. gewendet); ebenso möglich ist es, das "volume" bloß auf einen ausgewählten Handelsabschluss zu beziehen, zu dem ein Kurs notiert worden ist. Je reger der Handel und je mehr Futures-Kontrakte innerhalb einer betrachteten Handelsperiode abgeschlossen (umgesetzt) werden, umso größer schlägt die Kennzahl "volume" an, und umgekehrt. Ein Kauf zusammen mit dem zugehörigen Verkauf eines Futures bilden immer und ausnahmslos genau einen Kontrakt an Handelsumsatz; denn zu jedem Käufer eines Futures (long) gehört zu diesem stets auch ein Verkäufer (short). Um etwa für einen bestimmten Börsentag in einem untersuchten Futures-Markt zur berechneten Umsatzzahl zu gelangen, reicht es demnach aus, lediglich sämtliche Käufe in diesem Terminkontrakt zu zählen. Hätte also Käufer B im obigen Beispiel am Ende des Börsentages seinen DAX®-Futures wieder an S verkauft, stünde das "open interest" nun wieder bei null, der Umsatz ("volume") indessen bei zwei. Augenfällig in der Terminmarktpraxis ist, dass, ehe das "open interest" endlich nach null zurückgekehrt ist, eine ganze Reihe von einzelnen Futuresgeschäften stehen kann, ohne dass auch nur ein einziger effektiver Umsatz im zugrunde liegenden Marktgegenstand stattzufinden braucht.*

[* Hinweis: Aufgrund der Standardisierung der Kontrakte lässt das "trading volume" zugleich auch die Summe aller umgeschlagenen Werte pro Handelsperiode ermessen, indes solche von bloß abstrakter Natur ("notional value"). Das "volume" einer Handelsperiode in Derivaten ist sonach streng auseinanderzuhalten von einem möglicherweise dahinterstehenden Handelsumsatz im unterliegenden Basisinstrument (Underlying) durch Leistung für Gegenleistung zum Zwecke der Erfüllung. – Anmerkung: Das Öffnen und Schließen von Kontrakten, ohne Realtausch, führt bei gegebener Terminpreisänderung allein zu einer Umschichtung der Vermögensverhältnisse unter den Marktteilnehmern durch Umverteilung der jeweiligen Differenzzahlungen (Skontration).]

Die Terminbörsen beobachten den Hergang des Marktverlaufs, verzeichnen jeden einzelnen Geschäftsgang, mitteln aus dieser Sammlung die Handelsverkehrsziffern ("trading volume") aus und erstellen nach Vollendung jedes Börsentags daraus ihre Statistiken. Diese nehmen in der Regel je Futures-Markt pauschal alle Monatstermine zusammengenommen in sich auf, und nicht etwa nur einzelne Termine davon. Ließen sich für den Abschnitt einer gerade zu Ende gegangenen Handelsperiode, z.B. aus abwicklungstechnischen Gründen, die Terminumsätze noch nicht abschließend ermitteln, so werden diese in der üblichen Weise vorläufig geschätzt ("estimated volume"). Nach vollzogener Überprüfung, und nötigenfalls nach Bereinigung um Fehlumsätze ("mistrades"), werden die Umsatzzahlen nunmehr auch in einer offiziellen Statistik öffentlich ausgewiesen. Mit dem Ausnahmefall von Geldmarkt-Futures schlagen die Verkehrsziffern in den verschiedenen Futures-Märkten im zeitlich nächsten ("nearby", "Frontmonat") bzw. übernächsten Monatstermin fast immer am größten an.* Dieser oder der nächst folgende gibt damit gewöhnlich den Ton für alle übrigen an. In diesem Sinne wird der Termin mit den höchsten Umsatzzahlen, der zugleich am nächsten liegt, auch als "active month" benannt. Die Märkte zeitlich naher Termine sind normalerweise von ansehnlich hoher Liquidität und – damit ineinandergreifend – auch von vorteilhafter Markttiefe, womit offenkundig die Wahrscheinlichkeit wächst, für Abschlüsse auf jenen Märkten einen stets "fairen" Terminkurs zu erhalten. Je mehr Umsatz ein Futures andauernd auf sich zu ziehen vermag, desto größer ist grundsätzlich auch seine allgemeine Bedeutung.

[* Die Märkte für die zeitlich nächsten Termingüter sind im Zusammenhalt mit den entlegeneren regelmäßig nicht nur von der höheren Liquidität, sondern auch von der höheren Volatilität. Dies hat seinen Grund darin, dass die Verlässlichkeit neu eintreffender marktrelevanter Nachrichten mit sich ausdehnendem Ereignishorizont abnimmt ("Samuelson Effekt"). Überhaupt bietet das Aufkommen von richtungweisenden Nachrichtenpublikationen einen Antrieb zu vermehrten Handelsaktivitäten, und diese wieder zu erhöhten, mitunter unerwarteten Volatilitätsgraden.]

Die von den Terminbörsen ausgewiesene Kennzahl "open interest" dagegen ist der Sache nach stets zeitpunktbezogen. Sie bringt das Marktinteresse in jedem Monatstermin innerhalb der verschiedenen Futures-Märkte zum Ausdruck. Das Offene Interesse wird für jeden einzelnen derselben extra bekannt gegeben. Den Bezugszeitpunkt seiner Berechnung bildet regelmäßig der Handelsschluss der soeben abgelaufenen Handelsperiode. Auf diese Weise wird jeder Terminmarkt als Teil eines Futures-Marktes für sich genommen mit Rücksicht auf den genannten Bezugszeitpunkt durch einen ganz bestimmten Grad an "open interest" öffentlich ausgezeichnet, der sich im ausgewiesenen Stand der Kennzahl widerspiegelt. Darüber hinaus arbeiten die Börsenaufsichtsbehörden (in den USA z.B. die CFTC) an allen Weltterminbörsen detaillierte Berichte ("Commitments of Traders Report", COT Report*) aus, die den jeweiligen Stand des "open interest" bis ins Einzelne zu übersehen erlauben. Diese werden gewohntermaßen wöchentlich bezw. vierzehntäglich in aktueller Fassung vor die Öffentlichkeit gebracht. Die beigebrachten Berichte sind brauchbar, vorzugsweise um dem Publikum einen genaueren Aufschluss über die Handelsaktivitäten der gesonderten Gruppen von Marktteilnehmern und deren Macht über die Kursentwickelung zu verschaffen. Das Verfahren der periodischen Veröffentlichung der COT Berichte schafft letztlich eine willkommene Verbesserung der Markttransparenz.

[* Die CFTC bringt regelmäßig freitags um 15:30 Uhr (ET) COT Reporte für alle jene Terminmärkte heraus, in denen mindestens fünf Händler (Trader) Positionen halten, welche die Zahl für die Meldepflicht von Terminkontrakten ("reportable limit") übersteigen.]

Wann genau zu welcher Stunde, Minute und Sekunde eines Börsentages welches Quantum an Kontrakten zu welchen Kursen angeboten, nachgefragt und gehandelt wurden, erfährt der am Marktgeschehen Interessierte unter der Angabe "Times and Sales" (T&S), eine gesonderte von den Terminbörsen periodisch vor die Öffentlichkeit gebrachte Statistik über Umsatzzahlen für die Gesamtheit der Terminmärkte am Platze ("trading statistics"). Anhand der Umsatzausweise solcher Art vermag jedermann sich Kenntnis zu verschaffen über Zeitpunkt (Zeitstempel, "timestamp") und Umfang jedes vermittelten Terminkontraktgeschäftes innerhalb der fraglichen Börsenhandelsperiode auf dem betreffenden Markt. Die Umsatzstatistiken dienen noch einem weiteren Ziel: Eine sorgfältige interne Auswertung des gesamten vorliegenden Zahlenmaterials im Rahmen einer regelmäßig stattfindenden umfassenden Kontrolle aller Marktaktivitäten ("systematische Handelsüberwachung") soll einem verbotenen Vortäuschen von verzerrenden Scheinumsätzen in Futures (d.i. der gleichzeitige Kauf und Wiederverkauf identischer Kontrakte, sog. "wash sales") wie auch von sonstigen Umtrieben vom Anfang an die Spitze abrechen.

Deuten lässt sich das "open interest" einerseits als Anzeiger ("Indikator") für den an der Restlaufzeit eines Terminkontrakts ausgerichteten, noch zu tätigenden Mindestumsatz in diesem Markt; denn schließlich müssen alle derzeit gehaltenen, aber vorläufig noch ungedeckt gebliebenen Futures-Kontrakte spätestens bis zum Fälligkeitstage glattgestellt (oder gegebenenfalls erfüllt) werden, wie es von allen "unbedingten Termingeschäften" verlangt wird. So gesehen vermittelt das "open interest" ein zuverlässiges Merkzeichen dafür, welcher Mindestumsatz in Zukunft noch zu erwarten steht. Zum anderen stellt das "open interest" zweifellos auch ein bedeutendes Richtmaß zur Einschätzung der Liquiditätslage eines Terminmarktes dar.

In der anschaulichen Vorstellung, aber auch in Wirklichkeit kann das in einem Terminmarkt sich ausweisende "open interest" den Umfang des im nebengeordneten Loko- bzw. Kassamarkt herrschenden physischen Angebots leicht um ein Vielfaches überflügeln. Was an sich niemand wundernehmen wird; denn es kann herkömmlich mehr Ware auf Termin vertraglich abgemacht als erzeugt, mehr Wertpapiere kontraktiert als emittiert werden. Das Grundübel hiervon ist, dass eine Übersteigerung des Mengenverhältnisses, gleichviel ob durch gröbliche Unachtsamkeit einzelner Händler oder durch absichtlichen Gebrauch in listiger Absicht herbeigeführt, zum Nachteil für das betreffende Wirtschaftsgebiet ausschlagen kann. Ebenso denkbar und vom Übel wäre der Versuch einer Gestaltung der Preislage hin zur Alleinherrschaft (Monopol), um damit Missbrauch für rein eigennützige Zwecke zu treiben. Angespielt sei im diesem Bezug auf die Gefahr der Entfremdung von den eigentlichen, wesenhaften Absichten des Futures-Handels durch Heraufbeschwörung von sogenannten "corners" (oder "squeeze" genannt; zu Deutsch auch "Ring"). Unter dem Begriff "corner" versteht man den zwar gewieften, aber anrüchigen Winkelzug einer gezielten Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung in einem Markt andienungsfähiger Terminkontrakte. Ein derartiges Unterfangen wird in die Wege geleitet und durchgesetzt hauptsächlich durch Erzeugung einer zeitweiligen, "künstlichen" Angebotsverknappung über still forcierte Aufkäufe ganz im Dienste eines nachhaltigen Preisauftriebs ("corner the market"). Die List einer "Cornerung" des befangenen Marktes hat im Allgemeinen eine umso bessere Aussicht zu glücken, je seltener und gefragter der betreffende Marktgegenstand im Leben ist. Bei Eintritt der Terminfälligkeit des Kontrakts ist der Aufkäufer (meist ein Konsortium oder deren Dunkelmänner) auf der Long-Seite nunmehr im Besitz eines Großteils des physischen Gesamtangebots, wodurch er leichtes Spiel hat. Die ihm gegenüberstehenden Inhaber von ungedeckten Short-Positionen sind nun in der Klemme. Sie können ihren Lieferverpflichtungen nicht anders nachkommen, als den fraglichen Marktgegenstand zu dem ihnen abgepressten, vom Aufkäufer diktierten hochgehaltenen Preis anzukaufen. "Corners" drohen allenthalben dann zu entstehen, wenn mit herannahender Terminfälligkeit in einem Kontraktmarkt die durch das "open interest" verkörperte Menge über die tatsächlich vorhandenen Bestände an der Grundware hinausgesteigert ist. Glücklicherweise sind die Derivatebörsen heutzutage bestrebt, "corners" und die daraus drohenden Übelstände und Miseren den Aufkäufern durch strafferes Vorgehen zu verleiden. So gehen die Börsen z.B. durch Einrichtung von Positions-Obergrenzen in Verbindung mit der verbindlichen Vorgabe verschiedener Lieferungsqualitäten darauf aus, "corners" bereits in ihrer Ausgangslage im Keime zu ersticken.

 

Aufzählung

"open interest" und "volume" als Kennzahlen im praktischen Einsatz

Man möchte meinen, der Terminmarkt führe als solcher ein lebensähnliches Dasein. Nach Einführung eines neuen zyklischen Termins in den Handelsverkehr nimmt das "open interest" in diesem Markt gewöhnlich zunächst ganz allmählich Fahrt auf, steigt im weiteren Laufe dann immer mächtiger an und, sofern zu jenem Termin der Voraussicht nach umfangreichere Hedgegeschäfte anstehen, verbleibt es i. Allg. ohne spürbare Abschwächung auf verhältnismäßig hohem Stand. In seiner weiteren zeitlichen Erstreckung wird diese Ziffer – so nämlich besonders augenfällig unter der Wirkung saisonbedingter Einflüsse und, wie man immer wieder erfährt, mit diesen zusammentreffenden zunehmend häufig wiederkehrenden spekulativen Ausschweifungen – mehr oder weniger stark ausgeprägten Schwankungen unterliegen, um nach Erreichen ihres relativen Maximums dann langsam im Niedergang begriffen einige wenige Tage vor Fälligkeit des Termins steil und immer rascher herunterzugehen, bis das "offene Interesse" spätestens nach Vollendung des letzten Handelstages schlussendlich notwendig wieder bei null angelangt sein wird ("Kontraktlebenszyklus"). Der schleunige Rückgang im "open interest" während der letzten Handelstage eines Futures lässt sich erfahrungsgemäß auf Umschichtungen zurückführen von dem nun auslaufenden rein in den jetzt nächsten, nunmehr liquideren Monatstermin (dieses Verfahren wird "roll-over" oder auch "switching" genannt). Fast immer verdichten sich die Handelsaktivitäten an den Futures-Märkten auf die vorderen Terminmonate, so dass beide Kennzahlen, "open interest" wie auch "volume", aus eben diesen die aus den späteren Terminen in aller Regel ziffermäßig weit überragen. Mitbegriffen in die Kennzahl "open interest" ist hierbei selbstverständlich auch der nicht unwesentliche Anteil an im Markt offengehaltenen Spread-Positionen.

Anerkannt brauchbare Anwendung finden die beiden Kennzahlen "open interest" und "volume" u.a. bei der Untersuchung der Zusammensetzung der das gegenwärtige Marktgeschehen prägenden Gruppen von Händlern (beispielsweise untergliedert nach Hedger, Hedge-Funds, sonstige Kapitalanlagegesellschaften und Kleinanleger usw.), zwecks Aussagen über den Zuwachs im Handelsverkehr von bestimmten Futures-Produktreihen, ferner zur Beurteilung der an den Derivatemärkten vorzufindenden allgemeinen Liquiditätslage einschließlich deren Größenordnung und Aktivitätsgrad, als endlich zur vagen Einschätzung der Erwartungshaltung der Marktbeteiligten im Hinblick auf die mögliche künftige Kurs- und Umsatzentwicklung im bezüglichen Terminmarkt. Ein hohes "open interest" bei gleichzeitig leidlich geringem "volume" etwa deutet i.A. hin auf ein breiteres kommerzielles Interesse an Kurssicherungsgeschäften; denn nicht wenige berufsmäßige Hedger ("commercials") pflegen ihre Terminmarktpositionen durch einen längeren Zeitraum hindurch auf einheitlichem Stand aufrechtzuerhalten. Andererseits legt ein niedriges "open interest" bei gleichzeitig relativ großem "volume" den Schluss nahe, dass in einem derartigen Markt das spekulative Interesse überwiegt. Was als ein hohes und was als ein niedriges "open interest" und "volume" zu deuten ist, hängt ab vom jeweiligen Markt verglichen mit anderen Märkten und deren Entwicklung der Kennzahlen im Zeitlauf. So kann ein als gering erachtetes "open interest" oder "volume" für den einen Markt durchaus ein als hoch aufgefasstes für den anderen sein. Zu konstatieren ist indes, dass die Aktivitäten von "Daytrader" und "Scalper" prinzipiell nicht in das "open interest" mit einfließen, da diese beiden Gruppen von Tradern ihre eingeleiteten Positionen bis zum Ende jeder Börsenhandelsphase wieder aufzuheben gewohnt sind.

Augenfällig ist, dass Größenänderungen bei den Kennzahlen "volume" und "open interest" nicht zwingend in Abhängigkeit zueinander stehen. Beispielsweise wird ein hoher Umsatz in einer Handelsphase allemal dann ohne allen nennenswerten verändernden Einfluss auf das "open interest" bleiben, wenn sich gleichzeitig die Zahl der neu geöffneten Kauf- mit der der neu geöffneten Verkaufspositionen ungefähr die Waage hält. Oder aber, das "volume" wird bei fallendem "open interest" eine steigende Tendenz haben, wenn bei lebhaftem Handel mehrheitlich Positionen geschlossen werden. Auch kann das "volume" bald höher bald tiefer liegen als das "open interest".

Händler mit einem Hang zur "Technischen Analyse", besonders die, die der Charttechnik* zuschwören, beeifern sich, aus der Entwicklung des "open interest" im untersuchten Futures-Markt handfeste Schlüsse zu ziehen in der Hoffnung, daraus stichhaltige Anhaltspunkte für den wahrscheinlichen Gang der künftige Kurse gewinnen zu können. Zu diesem Zweck bedienen sie sich mit Vorliebe einer Chartanalyse unter Einbeziehung von "open interest" und Umsatzzahlen ("volume"). Ihre Ergänzung findet diese häufig und gern durch sogenannte "Indikatoren", welche der technische Analytiker den gewesenen Kursbewegungen glaubhaft zu entnehmen vermeint. So stellen im Munde von "Chartisten" gewisse "Signale", wie etwa ein zunehmendes "open interest" bei gleichzeitig steigenden Umsätzen und steigenden Kursen, ein Prognostikon auf, das aller menschlichen Voraussicht nach auf weitere Kurssteigerungen hindeute; denn – so wird manchenorts argumentiert – "es werden fortwährend aggressiv neue Käufe zu immer höheren Kursen getätigt, was auf einen 'technisch festen Markt' mit Anschlusskäufen schließen lasse".

[* Charts sind optisch aufbereitete Kurs-Schaubilder, die in graphischer Darstellung Aufschluss über die Kurs- und Umsatzentwicklung innerhalb vergangener Zeitperioden geben.]

Einen abschließenden Überblick dessen, was den mutmaßlichen Zusammenhang zwischen Futures-Preis, "volume" und "open interest" ausmacht, vermittelt die folgende Tabelle. Über den Erkenntnisgehalt, der einer derartigen Lehre vielfach untergeschoben wird, mag indes einiger Zweifel angebracht sein.

Futures-Preis "open interest" "volume" Beurteilung
 steigt  steigt  steigt  fester Markt ("bullish")
 steigt  fällt  fällt  sich abschwächender Markt
 fällt  steigt  steigt  schwacher Markt ("bearish")
 fällt  fällt  fällt  sich erholender Markt

Tabelle: Futures-Preis, "volume" und "open interest"

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

Settlement: Erfüllung von Futures durch physische Lieferung

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Was sind Futures?

Aufzählung

Wie entstehen Futures?

Aufzählung

Der Handel mit Futures

Aufzählung

Der Futureskurs

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

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Albert Einstein (1879-1955), Physiker

 

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Stand: 27. August 2017. Alle Rechte vorbehalten.