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Aufzählung

Zweck, Aufgaben und Organisation des Clearingsystems im Terminhandel

Ein allen börsengehandelten Termingeschäften (Terminkontraktgeschäften und börslichen Optionsgeschäften) gemeinsamer Grundzug, der neben dem der Vereinheitlichung ihrer Wesensmerkmale (Standardisierung) und dem des Margining auf oberster Linie steht, bildet unzweifelhaft das Clearingkonzept. Mit dem technischen Ausdruck Clearing (seltener auch "clearance", von englischem "clear", reinigen) bezeichnet man das im Handelsverkehr an den Terminbörsen gebräuchliche spezielle Abrechnungswesen, d.i. das gesamte wohlgeordnete Gefüge der gegenseitigen Aufrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten, die an den Märkten aus einer jeden Einnahme einer Position in Terminkontrakten unbedingt hervorgehen. Ihm steht der Begriff des Settlement zur Seite, unter dem sämtliche Aufgaben der zentralen Verwaltung und Schlussabwicklung zusammengefasst werden, deren Erledigung die laufenden Abschlüsse von Börsentermingeschäften notwendig im Gefolge haben ("post-trade processes"). Die Organisation, Durchführung und Verwaltung von Clearing und Settlement übernimmt eine in der Mitte stehende Marktinstitution: das einer jeden Derivatebörse angegliederte Clearinghaus (Liquidationskasse, Liquidationsverein, Verrechnungsstelle, Saldier-, Abrechnungs- oder Ausgleichungshaus, Skontrierungsbüro; Zentralabrechnungsstelle; "derivatives clearing organization DCO", "exchange clearing house", "clearing corporation", speziell für Optionen auch als "Options Clearing Corporation OCC"; "central counterparty" CCP benannt).

Wiewohl sich der Aufbau der einzelnen im Börsenleben anzutreffenden Entwürfe zum Clearing- und Settlement in ihren rechtlich-institutionellen Merkmalen und Ausgestaltungen von Terminbörse zu Terminbörse vielfach unterscheiden mag – man rufe sich nur die verschiedenen Maßregeln zum Einschusssystem (Margining), die unterschiedlichen Abrechnungs- und Saldiermodalitäten, die vielfach voneinander abweichenden Bestimmungen hinsichtlich der physischen Lieferung von Waren oder vielleicht endlich auch die Vielheit von sonstigen Direktiven zu den zeitlich vor- und nachgelagerten Prozessen ins Gedächtnis –, so gibt es unter diesen dennoch eine ganze Reihe wiederkehrender Richtlinien und übereinstimmender Regeln, deren Kennzeichen und Eigenschaften im Folgenden in ihren Grundzügen skizziert werden sollen. Ziel jeder Regelung zur Marktverfassung* im börslichen Terminhandel ist es letztlich, potenzielle Erfüllungsrisiken auszuschalten, Transaktionskosten für Termingeschäfte zu schmälern und diese dabei gerecht auf die teilnehmenden Parteien zu verteilen mit der Endabsicht, die Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit im Handelsverkehr mit derivativen Instrumenten im Ganzen zu steigern. Es sei dies nachfolgend ins Einzelne ausgeführt:

[* Eine Marktverfassung legt die Gesamtheit an Normen inhaltlich fest, nach denen Aufträge an den Börsen abgewickelt und abgerechnet werden. Darüber hinaus regelt sie Art und Umfang der Verbreitung entscheidungsrelevanter Informationen. Die Marktverfassung stützt sich dabei auf zu befolgende Gesetze, Rechtssprechung, Erlasse, Statuten sowie auf verbindliche Usancen im Handel.]

Jedes betriebsfähige, auf sicherem und standhaftem Boden zu Werke gehende Clearinghaus setzt ohne Ausnahme das Auftreten und Wirken rechtschaffener, hinreichend kapitalisierter sowie zureichend qualifizierter Mitglieder als die hinter dem Börsengeschehen Stehenden und Verantwortung tragenden voraus ("clearing participants"). Von diesem Gesichtspunkt aus lässt sich denken, dass dem Kreise der Clearing-Mitglieder einer Terminbörse ausschließend ansehnliche Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute von ebenso tadellosem wie unanfechtbarem Ruf angehören werden, deren Zuverlässigkeit, Rechtschaffenheit, Fachkompetenz wie auch Liquidität und Bonität insbesondere als unstrittig gelten und die damit allenthalben das nötige Zutrauen genießen. Überdies wird einem jeden um Zulassung am Ordnungsgefüge einer Clearing-Einrichtung Nachsuchenden abverlangt, sich in den Besitz einer gültigen Clearinglizenz zu setzen, deren Erwerb selbst wieder an strenge, einheitliche Richtlinien geknüpft ist. Man bezeichnet diejenigen teilnehmenden Anstalten, welche die eben angeführten Grundbedingungen vollauf zu erfüllen dauerhaft imstande sind, gewohnheitsmäßig als registrierte "clearing house member firms", "clearing firms", "clearing members" oder kurzweg als "clearer".

 

 

 

Aus einer förmlich erworbenen Mitgliedschaft zu der einer Terminbörse anhängenden Clearinggesellschaft folgt geradewegs die Befugnis zu einem ungehinderten, unmittelbaren Zugang zum technisch-organisatorischen Unterbau der Börse. Dem Clearingmitglied steht mit einer solchen das Clearing sowohl im Eigenhandel als auch – je nach Umfang der Mitgliedschaft – in der Stellung eines Börsenvertreters im Auftrag von anderen Clearingmitgliedern bzw. Nicht-Clearingmitgliedern (Kundengeschäft) offen. Doch ergibt sich aus einer Zugehörigkeit zu einem Clearingverband nicht nur die Einräumung schätzbarer Rechte und Privilegien, sondern es kommen aus leichtbegreiflichen Gründen auch besondere Mitgliedschaftspflichten zum Tragen: Demnach sind beispielsweise alle dem Clearingsystem einer Terminbörse angeschlossenen Finanzinstitute in ihrer Funktion als Mitglied der Liquidationskasse gehalten, regelmäßig am Ende jedes Handelstages an eine übergeordnete spezielle Abrechnungsstelle der Börse, dem angeschlossenen Clearinghaus ("clearing house"), berichtende Mitteilung zu machen über den Gesamtumfang aller an diesem Tage getätigten Terminmarkttransaktionen. Auf diese Weise findet das gesamte Handelsgeschehen eines jeden Börsentages bei einer zur Ergänzung der Terminbörse beistehenden zentralen Organisation, eben jener Clearingstelle, seinen zahlenmäßigen Niederschlag. Der Clearingorganisation fällt just und buchstäblich das erste Amt zu, den Handelsverkehr an der Terminbörse vor Ausfallrisiken ("default risk", "counterparty risk") zu bewahren, ihn durch ein gesichertes, allezeit zuverlässiges Giro- und Abrechnungsverfahren zu stützen und zu befördern. In letzter Instanz trägt die Clearing-Zentrale Sorge dafür, dass das gesamte Clearingsystem auf einem soliden Boden verankert und sein gesamtes Wirken durchsichtig gemacht wird.

Gleich wenn ein Börsentermingeschäft durch Zusammenführung zweier Aufträge oder Quotes zum Abschluss kommt, schaltet sich die Clearingstelle der Terminbörse als rechtlich selbständiger Regulator selbstwirkend in das Geschäft ein. Ihr Hineingreifen jedes Mal im Moment eines Geschäftsabschlusses führt nun dazu, dass die eigentlichen Vertragsverhältnisse im börslichen Terminverkehr allein und ausschließlich zwischen der Clearingorganisation und den assoziierten Clearingmitgliedern zur Begründung gelangen, – und nicht etwa, wie man leicht meinen könnte, geradewegs zwischen den ursprünglichen Parteien. An ihrem Orte laufen alle Fäden zusammen. Die Clearinganstalt wird daraufhin zum übergeordneten, unmittelbaren Vertragspartner ("central counterparty", CCP) aller am Terminverkehr ursprünglich beteiligten Parteien, und damit über die Zwischenstation eines Clearing-Mitglieds zugleich auch derjenigen Personen, die zur Vermittlung von Börsenaufträgen die Dienste der Letzteren in Anspruch nehmen. Die Clearingorganisation der Börse verfolgt mit ihrer Dazwischenkunft den ausgesprochenen Zweck, anstelle einer unbekannten und vielleicht weniger vertrauenswürdigen Person ihre eigene allseits bekannte, über allen Zweifel erhabene Vertrauenswürdigkeit treten zu lassen. Das Clearinghaus verbürgt sich in seiner Funktion als unmittelbarer und zentraler Vertragspartner der aktiv beteiligten Parteien am Futureshandel für die vorschriftsmäßige Erfüllung der unternommenen Termingeschäfte, sobald ihr Abschluss einmal perfekt ist (Kontrahentenfunktion der Clearingorganisation). Für die Erfüllung sämtlicher der begründeten, aber noch schwebend ausstehenden Terminkontraktgeschäfte ist durch das Garantieversprechen des Clearinghauses zuverlässig Gewähr geleistet. Erst eine derartige dauerhafte und offene Garantiezusage von Seite des Clearinghauses zu allenthalben bekannten Bedingungen verschafft in letzter Hand das nötige außerordentlich hohe Maß an Rechtssicherheit im tagtäglichen Verkehr in Finanzderivaten.

Jeder Terminbörse hängt ein Clearinghaus an. So gehört bspw. zum Betreiber der weltgrößten Terminbörse, der CME Group, das Clearinghaus CME Clearing. Umgekehrt kann eine Clearingorganisation sich gleich mehreren Terminbörsen beiordnen. Im Hinblick auf die sie verbindenden Rechtsverhältnisse, worin die einzelnen Derivatebörsen und die sich an diese anschließenden Clearinghäuser* zueinander stehen, handelt es sich bei Letzteren in aller Regel um rechtlich selbständige Institutionen. Grundsätzlich ebenso gut aber können die Clearinghäuser integraler Teil ("division"; "in-house clearing") der Börsenunternehmung sein. Der Kreis der Mitglieder der Clearing-Organisationen setzt sich im Allgemeinen zusammen aus finanzkräftigen Geschäftsbanken, marktmächtigen wie angesehenen Investment- und Brokerhäusern sowie aus anderen reputierlichen Adressen von erstklassigem "Standing". Von sämtlichen der Finanzmarktunternehmungen, die des Zeithandels teilhaft zu werden willens sind, wird erwartet, dass sie neben den rechtlich-organisatorischen, personellen und technischen Erfordernissen nachweislich und ohne allen Zweifel auch den notwendigen Bonitätsvoraussetzungen uneingeschränkt Genüge leisten. Allen Nicht-Clearingmitgliedern dagegen, Privatanlegern so gut wie den außenstehenden Institutionellen, bleibt die unmittelbare Nutzung der Börseneinrichtungen versagt. Zur Durchführung ihrer Börsengeschäfte ist der letzterwähnte Kreis von Händlern sohin auf die Dienste eines der Börse angeschlossenen anerkannten Clearing-Mitglieds angewiesen. Dies geschieht im förmlichen Wege der Kommission.

[* Trotz seiner Wortbildung, die eher die Vorstellung eines realen physischen Objekts weckt, trifft der Begriff von Clearinghaus vielmehr jene einer der Terminbörse zugeordneten Körperschaft.]

Des Weiteren wird von Gesetzes wegen verlangt, dass jedes Clearinghaus der Vorsicht halber über einen hinreichend belegten finanziellen Rückhalt verfügt, der so satt mit Kapital versehen ist, um damit einen gesonderten Einlagen-Sicherungsfonds* (Barfonds, "Garantiefonds", "guarantee fund", oftmals auch als "surplus fund" bezeichnet) zu bilden und auf Dauer zu unterhalten, auf den im Bedarfsfall jederzeit zurückgegriffen werden kann. Er wird etwa dann in Anspruch genommen, falls ein Margin die sich aus einem Termingeschäft erhebenden Verluste nicht oder nicht vollständig aufzufangen vermag. Ein derart umfassendes Bündel an hoch emporgeschraubten Vorbedingungen und strikt einzuhaltenden Vorsichtsmaßnahmen ist ein hochwichtiges, unverzichtbares Erfordernis, um Vertrauen an den Märkten zu schöpfen, ihr Ansehen zu heben und die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit an einen ordnungsmäßigen Ablauf des Börsenterminhandels anhaltend zu festigen.

[* Zweck eines "guarantee fund" ist die Sicherung der Deckung verbleibender Auszahlungsüberhänge nach Liquidation aller Positionen eines Clearingmitglieds. Der "surplus fund" i. e. S. dagegen wird üblicherweise aus eigenen Mitteln der Clearing-Organisation gespeist und dient dem Zweck, gegebenenfalls auch die nicht durch den "guarantee fund" gedeckten Auszahlungsüberhänge abzudecken. Jede der großen Clearing-Organisationen verfügt gegenwärtig über Deckungsmittel in Höhe von mehreren hundertmillionen US-Dollar.]

Das "clearing house" einer Börse unterhält seine Existenz primär durch Kostendeckung, finanziert großenteils durch Erhebung von Gebühren seiner Mitglieder ("clearance fees"). Clearinggebühren werden von den einzelnen Häusern ganz unterschiedlich berechnet und gehandhabt. Die von der Börse abschließend in Rechnung gestellten Gebühren können sonach Entgelte für Handel und Clearing jeweils einzeln oder auch zusammengenommen umfassen. Die Gebühren variieren wieder je nach Produkt oder Produktgruppe. Die Höhe der Clearinggebühren kann überdies abhängig sein von der genutzten Handelsplattform als auch von der Art der Börsenmitgliedschaft. Ferner gibt es bei den Gebühren zahlreiche Sonderregelungen in Bezug auf das Settlement, dann für Broker in bestimmten Funktionen, bei Block Trades, Exchgange for Physicals (EFPs), das Handelsvolumen an Terminkontrakten usw.

Als mögliche Finanzierungsquelle ausgeschlossen ist der Handel auf eigene Rechnung. Der Eigenhandel ist und bleibt dem Clearinghaus ebenso wie auch der Börse selbst mit gutem Bedacht versagt. Mit Blick auf ihre Integrität kann und wird es nirgends und niemals offene (ungedeckte) Terminmarktpositionen irgendwelcher Art im Eigenbestand führen. Zu den wichtigsten administrativen Funktionen einer Clearing-Organisation gehören die Erfassung der gemachten Börsentermingeschäfte, deren ordentliche Verbuchung, der Umschreibeverkehr, die Überwachung der einzelnen Positionskonten, die Abwickelung der Besicherung ("margining") als endlich die Erledigung derjenigen Aufgaben, die im Zusammenhang mit der Belieferung von endfälligen Terminkontrakten und der Ausübung von Optionsgeschäften stehen. Überdies erstellt und veröffentlicht sie in regelmäßiger Folge Handelsstatistiken und sorgt so für die nötige Markttransparenz. Der oberste Zweck der Clearingstelle als der des zentralen Kontrahenten aller beteiligten Parteien am Terminhandel ist die Verpflichtung zur Herbeiführung eines geregelten Börsenhandels sowie die Gewährleistung sämtlicher an der Börse getätigter Geschäftsabschlüsse durch Schaffung hochwirksamer technisch-organisatorischer Vorkehrungen. Eine ordnungsgemäße Erfüllung jedes begründeten, aber noch ausstehenden Terminkontrakts ("open position") kann auf diese Weise als gesichert gelten (Wegfall des Bonitätsrisikos).

Damit die Clearing-Organisation auch materiell im Stande ist, die vorstehenden Kernfunktionen im Terminhandel in jedem Augenblick zweifelsfrei und vollinhaltlich auszufüllen, sind adäquate finanzielle Vorkehrungen zu treffen. So ist die am Derivatehandel teilhabende Kundschaft der auf diesem Geschäftsfeld tätigen Bank- und Brokerhäuser aufgefordert, wann immer es zum Aufbau eines Engagements am Börsenterminmarkt kommt, dafür eine risikogerechte Margenzahlung als Sicherheitsleistung in der jeweils erforderten Höhe zu entrichten ("inital margin"). Aber nicht allein die Handel betreibende Öffentlichkeit, sondern ausnahmslos jedes Clearingmitglied selbst muss, um am Terminverkehr teilnehmen zu dürfen, ebenso der Anforderung Folge leisten, bei der Abrechnungsstelle der betreffenden Terminbörse ein eigenes Margin-Konto als Treuhandkonto zu führen (sog. "clearing margin"). Die hierbei fälligen Einschüsse – und unter Umständen auch Nachschüsse ("variation margin") –, deren Umfang die Terminbörsen im Einzelnen festlegen, sind in Form von Bareinlagen, Obligationen (vom Typ "investment-grade") oder teilweise auch in Aktien ("blue-chips") zu hinterlegen. Auf diese Weise rückversichert sich die Clearingstelle zuverlässig gegen abträgliche finanzielle Folgen etwaiger spekulativer Schieflagen durch einzelne ihr angegliederte Marktteilnehmer (Schutz gegen Kreditrisiken).

 

Aufzählung

Clearing und Abwicklung von Terminkontraktgeschäften

Wann immer an einer Terminbörse ein Geschäftsabschluss durch Zusammenführung inhaltlich übereinstimmender Handelsaufträge (oder übereinstimmende Quotationen) zustande kommt ("matching"), tritt das ihr angeschlossene Clearinghaus als neutraler Selbstkontrahent zwischen die ursprünglichen Vertragsparteien* und wird durch diesen autonomen Akt selber zum unmittelbaren Vertragspartner der eigentlichen Käufer und Verkäufer von Terminkontrakten. Die Zentralverrechnungsstelle der Terminbörse wird jedes der an der Börse neu registrierten Termingeschäfte zunächst auf Ordnungsmäßigkeit und Richtigkeit hin überprüfen, und – sofern dies außer Zweifel steht** – sodann offiziell und fiduziarisch die Marktgegenseite dafür übernehmen mit dem Erfolg, dass sie nunmehr selbst die Garantie für die Erfüllung aller aufrechten (einschl. der am gleichen Börsentage neu eröffneten) Terminkontrakte leistet. Auch vom Rechtsstandpunkte steht das Clearinghaus nach erfolgtem Selbsteintritt für jeden Terminkäufer fortan in der Stellung des unmittelbaren Verkäufers, für jeden Terminverkäufer in der des unmittelbaren Käufers. Erst diese Vorgangsweise der Clearingorganisation führt zu der erwünschten Verselbständigung der einzelnen Futures-Geschäfte, die die Voraussetzungsbasis für einen flüssigen Handelsablauf an der Börse bildet. Sie führt ferner dazu, dass sich die ursprünglichen, initiierenden, der Börse gewöhnlich außenstehenden Kontrahentenpaare von Futuresgeschäften weder einander als Persönlichkeiten zu kennen brauchen noch mit ihrem Namen vor die Öffentlichkeit treten müssen ("Anonymität der Futuresmärkte").

[* Rechtstechnisch begründet die Clearingstelle der Börse mit jeweils beiden Teilen an einem Futureskontrakt ("clearing member firms") im gegenseitigen Einverständnis gleich zu Zeit des Geschäftsabschlusses separate Vertragsverhältnisse, wodurch alle bezweckten Lieferansprüche und -verpflichtungen bzw. Ansprüche auf Ausgleichszahlungen aus dem offenen Futureskontrakt gegenüber den ursprünglich am Terminkontraktsverhältnis beteiligten Parteien augenblicklich auf das Clearinghaus übergehen ("novation"). Man beachte wohl, dass als direkte Vertragsparteien der Clearingstelle hierbei alleinig die angeschlossenen Clearingmitglieder infrage kommen, und nicht etwa einzelne Kunden eines vermittelnden Brokerhauses, auch wenn Letzteres selbst als Clearingmitglied fungiert.]

[** Ist dies nicht der Fall, so werden die einzelnen Orderbogen zur Korrektur an die betreffenden Parteien zurückgesandt ("out trade"). Lassen sich in einer einzelnen Angelegenheit die strittigen Punkte noch nicht ganz ausräumen, so ist zur Beilegung der Zwistigkeiten hiernach ein Börsenkomitee anzurufen.]

Da die Clearingstelle bei jedem an der Börse vollzogenen Geschäftsabschluss also immer von neuem selbst als Käufer und Verkäufer gleichzeitig auftritt, ist ihre hauseigene Gesamtposition infolgedessen allemal notwendig ausgeglichen*. Außerdem schützt die Clearingorganisation sich in ihrer Funktion als Garant für die Erfüllung der bei ihr registrierten offenen Kontrakte vor einem potenziellen Erfüllungsausfall, indem sie von jedem der beiden originären Vertragschließenden ein "initial margin" und, wenn und sobald nötig, ein "maintenance margin" in angemessener Höhe als Sicherheit erhebt. Indem sie sämtliche der aus schwebenden Terminmarktpositionen sich erhebenden Forderungen und Verbindlichkeiten gegeneinander aufrechnet ("netting", "offsetting"), lässt sich das Erfüllungsrisiko des Clearinghauses endlich auf ein Minimum reduzieren.

[* Es sei darauf hingewiesen, dass diese Aussage nicht zwingend auch für die einzelnen angeschlossenen "clearing member firms" gilt: Ein Brokerhaus (FCM) – ob unmittelbar Clearing-Mitglied oder nicht – wird im Regelfall sehr wohl eigene Netto-Long- bzw. Netto-Short-Positionen in Finanzderivaten ausweisen und dafür "clearing margin" zu hinterlegen haben.]

Zur Erhöhung der Sicherheit im Börsenterminhandel und Ausschaltung des Kreditrisikos wird sowohl der Selbsteintritt als unmittelbarer Vertragspartner gegenüber den ursprünglichen Parteien eines jeden zuwege gebrachten Termingeschäfts als auch der nachgelagerte Prozess der Positionsbewertung und -saldierung (das sogenannte "marking to market") von der Verrechnungsstelle jedes Mal nach Ablauf einer Börsenhandelsphase erneut durchgeführt. An jenen Börsenplätzen, die werktags vollkontinuierlich ("rund um die Uhr") geöffnet sind, setzt der Prozess des "marking to market" ein an der Nahtstelle zwischen der jeweils planmäßig zu Ende gegangen Börsenperiode und dem Anfang der nächsten Börsenperiode – und kann deshalb in praktischen Fällen (wie z. B. an der CME) durchaus auch zwei Mal täglich statthaben (vgl. hiezu: das Margin-System und "marking to market").

Die Terminbörsen selbst wie auch die ihnen angeschlossenen Clearingstellen verhalten sich im fortlaufenden Handel gleichermaßen passiv; sie führen weder Termingeschäfte jemals im Eigenauftrag aus, noch nehmen sie einen irgendwelchen Einfluss auf die Marktpreisbildung. Vielmehr gehört es zu ihren vornehmsten Aufgaben, die notwendige räumliche und technische Ausstattung ebenso wie die organisatorisch-administrativen Rahmenbedingungen bereitzustellen und aufrechtzuerhalten, welche die Wahrung eines vorschriftsmäßigen und geregelten Börsenterminhandels notwendig voraussetzen. Überdies legen die Börsenregeln unmissverständlich fest, dass der Kursbildungsprozess nach einheitlichen Richtlinien durchweg öffentlich stattzufinden hat, sodass dieser von den Marktbeteiligten selbst wie auch von der breiten Öffentlichkeit jederzeit überblickt werden kann. Dieser ist dabei zusammen mit dem Umsatzprozess von einer Handelsüberwachungsstelle fortlaufend zu überwachen (Markttransparenz).

Sollte im Beispiel der Seite "Wie entstehen Futures?" der Verkäufer des September-Kaffee-Futures aus welchen Gründen immer seiner Verpflichtung aus dem Futures-Kontrakt nicht nachkommen wollen oder können, so brauchte sich unser Investor aus Berlin als sein ursprünglicher Gegenpart darüber keine Sorgen zu machen: Die Clearingstelle bürgt und leistet stellvertretend mit ihrem gut ausgestatteten Einlagesicherungsfond Gewähr für die unverzichtbare Erfüllungssicherheit aller noch ausstehenden Kontrakte. Sie schützt sich damit zugleich selbst vor den Auswirkungen jeder potenziellen Nicht-Erfüllung anderer Börsenteilnehmer.

Fazit: Die Clearingstelle einer Terminbörse verkörpert diejenige marktordnende Verrichtungsinstitution, die typische am Markt bestehende Unsicherheiten mannigfacher Art (Bonitätsrisiken, Rekontrahierungsrisiken, Insolvenzrisiken, Adressenausfallrisiken, Settlementrisiken etc.) auf sich nimmt und ihre eigene unzweifelhafte Bonität an deren Stelle setzt. Auf diese Weise verschafft sie dem allgemeinen Erfordernis einer regelrechten, rechtssicheren und verbürgten Abwickelung von börslichen Termingeschäften volle Geltung. Mit Einbringung ihrer ganzen Kapitalkraft wie auch dem haftenden Vermögen der ihr angeschlossenen Finanzinstitute, Hand in Hand mit zwingenden Geboten, vermag sie selbst die leisesten Zweifel an der Makellosigkeit des Terminkontrakthandels zu beseitigen. Zugleich stellt die über Standardisierung erreichte vereinfachte Dokumentation als auch die fortlaufende Überwachung der Abwicklung von Geschäften ein hohes Maß an Rechtssicherheit und Stabilität her, sodass mit gutem Grund zu jeder Zeit in einen ordnungsgemäßen Handel mit Futures vertraut werden darf.

 

 

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

Der Handel mit Futures

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Was sind Futures?

Aufzählung

Der Handel mit Futures

Aufzählung

Der Futureskurs

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

 

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"Hindernisse überwinden ist der Vollgenuss des Daseins."
Arthur Schopenhauer (1788-1860), Philosoph

 

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Stand: 21. April 2017. Alle Rechte vorbehalten.