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   Marktorganisationsformen im Futures-Handel

Die Form der Organisation* eines Marktes als solche umschreibt beides, seine spezifische Beschaffenheit als auch seine bleibende innere Ordnung. Dies gilt von jedem organisierten Markt, nicht zum wenigsten von dem der Börsen ("organised exchanges"). Jede einzelne der unter den vielschichtigen, an den internationalen Terminbörsen wahrhaft anzutreffenden Marktorganisationsformen, soll sie so sachgerecht als möglich zur Wirkung gelangen, beruht darum ganz bewusst auf einem wohl definierten Marktmodell. Das Institut eines Marktmodells selbst legt die Gesamtheit an formalisierten Verfahrensregeln und Verfahrensweisen (die Marktstruktur) inhaltlich fest, auf welchem Wege Aufträge (Ordres) verschiedenster Auftragsformen an den Börsen zusammengeführt werden und auf welche Weise die Preisermittlung vonstatten geht einschließlich Art und Umfang der Verbreitung entscheidungsrelevanter Informationen. Unter einem zweckentsprechenden Marktmodell soll insbesondere ein ungetrübtes und ungehindertes Markthandeln erreicht werden in der Art, dass sich die Pläne der einzelnen Marktakteure auf kostengünstige und zugleich bestmögliche Weise laufend aufeinander abstimmen lassen. Im Kern verwirklicht wird dies an den Präsenzbörsen unter der Organisationsform des Rufhandels, an den Computerbörsen durch Rückgriff auf das zentrale Orderbuch der Börse.

[* Wissenschaftlich genauer besehen kennzeichnet die Marktorganisationsform die Mikrostruktur des Marktplatzes Börse, speziell die unterschiedlichen Handelsverfahren, welche die Modalitäten der Verhandlungen in einem Markt charakterisieren, um zu einer Marktaustauschhandlung zu kommen, fernerhin die hierbei erzeugten Wissensänderungen bei den verschiedenen Interessensgruppen und Reflektanten (Koordinationsmechanismus).]

Eine Reihe von Futuresarten, zumal solche auf Waren des Massenbedarfs ("commodities"), werden auch in der gegenwärtigen Gegenwart noch, wie am Beispiel der vorstehenden Seite des Genaueren erläutert, in der altüblichen Marktkoordinationsform des "open outcry"-Systems verhandelt: ein bei vor Ort physischer Präsenz von Brokern und berufsmäßigen Börsenhändlern periodisch wiederkehrender, fortdauernder und ordergeleiteter Auktionsmarkt* (Präsenzbörse, Parkettbörse), auf dem während der festgesetzten Abhaltungszeiten (Börsenzeiten) dem Händler auf dem Parkett die jederzeitige Möglichkeit offensteht, durch Zuruf oder auch durch Handzeichen Abschlüsse mit anderen Händlern herbeizuführen (Matching-System).  Die Letztgenannten können dabei grundsätzlich ebenso gut als "floor broker"**, "floor trader" wie auch als "scalper" auftreten. Voraussetzungsbasis für die Unterhaltung eines "open outcry"-Systems, unter welchem ein Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage durch Mitwirkung zahlreicher "floor broker" an einem Ort überhaupt erst möglich wird, ist ein kontinuierlicher Auftragseingang von in ununterbrochener Folge praktisch zeitgleich eintreffenden unbedingten bzw. vorab eingereichten bedingten Orders. Da eine notwendige Vorbedingung für einen Handelsabschluss ("trade") wieder das rasche Ausfindigmachen eines passenden Transaktionspartners ist, kommt das kontinuierliche Auktionatorprinzip mit Rufhandel hauptsächlich an solchen Finanzplätzen zum Einsatz, die von einem mehr oder wenig breiten und stetigen Orderfluss geprägt sind und die sich damit i. d. R. gleichzeitig auch durch eine durchweg hohe Liquidität und Transparenz auszuzeichnen pflegen. – Es ist unverkennbar, dass der weltumspannende Terminhandel an den alteingesessenen Präsenzbörsen in Gestalt des Rufhandels gegenwärtig im Begriffe ist, gewaltig an Bedeutung einzubüßen. Er wird nachgerade verdrängt, ja scheint angesichts der umwälzenden Fortschritte der Neuzeit auf dem Gebiet des computerisierten Börsenhandels fast schon altmodisch. So kann der elektronische Handel über Globex® an der weltgrößten Derivatebörse, der CME Group, mittlerweile deutlich mehr als 80% des Handelsvolumens auf sich vereinen. Gar mancher mag diese Entwicklung wohl in romantischer Verklärung bedauern; denn fürwahr ist das große Marktgeschehen nur auf dem "trading floor" in seiner ganzen Unmittelbarkeit zu verspüren.

[* Alternative Bezeichnungen für einen fortdauernden ordergeleiteten Auktionsmarkt sind: "order-driven continuous auction market", "continous trading", auftragsgetriebener Markt, kontinuierliches Auktionsverfahren, variabler Handel, laufende Notierungen, fortlaufender oder Fließhandel; das Pendant hierzu ist das nicht-kontinuierliche Preissetzungsverfahren: die "Auktion zu einem festem Zeitpunkt" ("call auction", "batch auction", Gesamtkursermittlung, Ermittlung von Einheitskursen). Das kontinuierliche Auktionsverfahren trifft man sowohl auf ordergeleiteten Märkten wie in Market-Maker-Systemen an.]

[** Ein solcher "floor broker" fungiert hierbei in einer Vertragsvermittlerfunktion als Beauftragter (Makler, Agent) für den Investor (Principal), ohne dabei aber selber als Vertragspartei aufzutreten. Floor-Broker erhalten als Bonifikation für ihre Dienste im Gegenzug eine Vermittlungsprovision ("commission"). Die Vermittlungstätigkeit des "floor brokers" kann sich erstrecken auf das Ausfindigmachen einer Gegenpartei im Handel als auch auf das Aushandeln eines Kurses. Berufsmäßige Market-Maker, oder etwa "specialists" wie an der New York Stock Exchange (NYSE Euronext), sucht man auf dem "trading floor" einer Präsenzbörse für Futures jedoch vergebens.]

 

 

 

Mit Eintritt in das Informationszeitalter hält, wie soeben erwähnt, an den weltweiten Derivatebörsen der ordergesteuerte elektronisch geregelte Handel über Datenleitungen und Bildschirmterminals ("electronic trading system") allerorten Einzug ("Computerbörsen"). Anfangs noch kämpften an vielen Börsen die Händler lebhaft gegen die Errichtung des computergestützten Handels an und versuchten ihn zu Fall zu bringen. Doch die technische Entwicklung ließ sich nicht mehr aufhalten, und so wurde der Widerstand allmählich aufgegeben. Unterdessen kann der Computerhandel nicht nur bei den Financial-Futures, sondern selbst auf den Warenterminmärkten die Hauptmasse des Börsenverkehrs in Futures auf sich vereinen. Stellt man die Wesensmerkmale beider Handelsplattformen miteinander in Vergleich, so ist trotz allen technisch-organisatorischen Verschiedenheiten im Einzelnen unverkennbar, dass der elektronische Handel vieles mit dem Parketthandel teilt: Die eine wie die andere Handelsplattforme baut im Wesentlichen auf dem kontinuierlichen Auktionsprinzip auf. Beide Male sind es einheitliche Börsenregeln (wie Börsengesetz, Börsenordnung in Verbindung mit Handels- und Clearingbestimmungen), die den rechtlichen-institutionellen Rahmen für die Organisation und die Abwicklung des Marktprozesses verbindlich abstecken. Die Hauptaufgabe eines jeden Systems, dem traditionellen eines öffentlichen, kontinuierlichen "auction market" gleichwie dem eines vollelektronisch organisierten Marktes, erschöpft sich bekanntermaßen darin – wie weiter oben anhand eines Beispiels "Wie entstehen Futures?" in seinen Grundzügen skizziert – auf der Grundlage eines fairen*, lebhaften Handels unter Berücksichtigung der jeweils bestehenden Angebots- und Nachfrageverhältnisse den jeweils bestmöglichen ("markträumenden") Preis für alle unmittelbar am Geschehen Beteiligten mit der größtmöglichen Transparenz dauerhaft sicherzustellen.

[* Fairness im Handel nimmt aus ethischem Blickwinkel die Vermeidung von Machtmissbrauch Einzelner und, unter dem Regime rein wirtschaftlicher Transaktionsmotive, auch die Wahrung von Chancengleichheit auf einen Handelsabschluss in sich auf. Ein fair ausgehandelter Börsenpreis spiegelt damit die tatsächliche Marktlage im Zeitpunkt der Preisfeststellung unmittelbar wider.]

Über die technische Grundlage hinaus trennt Computerbörsen von Parkettbörsen noch ein ganz anderer Wesenszug. Das Charakteristische aller Derivatebörsen, die mit einer elektronischen integrierten Handelsplattform ausgestattet sind, ist nämlich darin zu sehen, dass neben das Auktionsverfahren fallweise Elemente des Market-Maker-Prinzips zum Zwecke der fortlaufenden Preisbildung unterstützend hinzutreten können. Es geschieht dies in der Absicht, durch zusätzlichen Wettbewerb, der von Seite der im Wettstreit stehenden Market-Maker ausgeht, sich die Vorteile beider Verfahren auf flexible Weise gleichzeitig nutzbar zu machen. Jedem Futures-Produkt werden hierbei zur Kursstabilisierung üblicherweise gleich mehrere Market-Maker zugeteilt. Durch Rückgriff auf das Market-Maker-Prinzip, also durch Einschaltung von Market-Makern, soll insbesondere in geschäftsstillen Zeiten der Gefahr einer nur unzulänglichen Liquidität als auch der einer mangelnden Transparenz samt den damit einhergehenden Verzerrungen in den Märkten wirkungsvoll begegnet* werden. So lässt sich bspw. das Handelsorganisationssystem der vollständig computerisierten Terminbörse Eurex in der praktischen Anschauung als Mischform von ordergeleitetem kontinuierlichen Auktionsmarkt ("order-driven-market", jedoch ohne Kursmakler) und Market-Maker-Verfahren ("quote-driven-market") auffassen, wobei je nach anzutreffendem Grad der Orderbuchliquidität im Handel mit bestimmten ("designierten") Produkten durch Einschaltung von Market-Makern das Market-Maker-Prinzip durchaus das Vorherrschende sein kann (sog. "hybrides System", "quote-and-order-driven-market").

[* Statistische Untersuchungen deuten allerdings zu wiederholten Malen darauf hin, dass Preisspreizungen (Geld-/Brief-Spannen) und die damit einhergehenden impliziten Börsenhandelskosten in "quote-driven-markets" gegenüber jenen in "order-driven-markets" tendenziell größer ausfallen können. Andererseits lässt sich feststellen, dass die Geld-/Brief-Spannen sich tendenziell verengen, wenn der Markt sich durch eine zunehmende Zahl geschäftig teilnehmender Market-Maker verbreitert.]

Zumal an den elektronischen Terminbörsen (so auch an der Eurex) wird der fortlaufende Handel üblicherweise ergänzt um von Zeit zu Zeit stattfindende "call auctions" ("call market", "Gesamtkursermittlung"). Letzteren fällt das Amt zu, auf der Bestandsgrundlage der zu den betreffenden Zeitpunkten vorliegenden Kauf- und Verkaufaufträge (Quotes und Orders) nach dem Meistausführungsprinzip* besondere Einheitskurse, wie beispielsweise offizielle Eröffnungs- und Schlusskurse, vielfach aber auch andere regelmäßig ermittelte untertägige Referenzkurse, förmlich hervorzubringen. Das Verfahren der Gesamtkursermittlung ist somit neben dem der kontinuierlichen Auktion und des Market-Maker-Prinzips das dritte wesentliche Verfahren zur Preissetzung an den Börsen. Alle drei skizzierte Methoden zur Preisbildung dienen dem Zweck eines regelgebundenen, ordnungsmäßigen, liquiden Handels auf organisierten Märkten und kommen dabei in Marktmodellen der Praxis nicht selten als Kombinationsformen parallel zum Einsatz.

[* Dem Meistausführungsprinzip gemäß wird derjenige Kurs ermittelt, der zum höchstmöglichen Umsatzvolumen führt.]

Aufzählung

Elektronischer Handel über Computerbörsen

Kein Zweifel, seit der Wende vom 20. ins 21. Jahrhundert sind elektronisch betriebene Börsen (Computerbörsen) klar im Vormarsch. Waren es zum Auftakt des geregelten Computerhandels Anfang der 1990er Jahre mit der Deutsche Terminbörse (DTB), der SOFFEX (Schweiz) und 1992 im nachbörslichen Handel der Chicago Mercantile Exchange (CME) der Globex® nur eine Handvoll Futuresmärkte*, auf denen Kontrakte sich auf elektronischem Wege umsetzten, so sind Letztere gegenüber jenen der klassisch ausgehandelten Futures mittlerweile in der weitaus überwiegenden Mehrzahl. Selbst eine alteingeführte Terminbörse des Präsenzhandels, wie der jetzt zur IntercontinentalExchange (ICE) gehörende New York Board of Trade (NYBOT), stellte im März 2008 nach Jahr und Tag den Parketthandel ganz ein und wendete sich in allen Stücken dem ganz in Zeitgeist liegenden vollelektronischen Handel zu ("electronic trading").

[* Auch der Verkehr in Futures-Optionen ("futures options") konnte dem Zug der Zeit nicht widerstehen und hat, mit einiger Verzögerung zwar, derweil den Sprung auf die elektronische Handelsplattform ("electronic venue") vollzogen oder sitzt dazu bereits in den Startlöchern. Der verspätete Einzug desselben ist in erster Linie zurückzuführen auf die für Optionen bezeichnende Vielzahl von Ausübungspreisen ("strike prices") in den Optionsklassen der einzelnen Märkte und den daran hängenden tausendfältigen Schwerfälligkeiten.]

Computerbörsen kommen ganz ohne Börsensaal und Parkett aus. Es kann das angesichts des technischen Forschritts nicht im Mindesten befremden; denn der Umstand, dass die einzelnen zur Herbeiführung von Börsengeschäften aufgestellten Handelsaufträge (Quotes, Orders) bloß noch ortsfern (dezentralistisch) per Datenfernübertragung in das System einer Computerbörse eingespeist zu werden brauchen, bringt es mit sich, dass auch die Akteure an den Börsenmärkten, obzwar nach wie vor ökonomisch präsent, es nicht mehr notwendig haben, jeder für sich den Markt physisch aufzusuchen, um gegenwärtig vor Ort selbst operieren zu können. Stattdessen stehen sie durch modernste Korrespondenzmittel via Internet oder gar Standleitung "online" mit dem Zentralrechner der Börse, so auch mit einem "electronic communications network" (ECN) oder gegebenenfalls einer "electronic execution platform" (EEC), entweder direkt oder indirekt in Verbindung. Die direkte Verbindung leitet ohne Zwischenschaltung von Finanzintermediären geradewegs zu einem Knotenpunkt an die Handelsplattform der Börse. Die indirekte Verbindung, mit der sich die Mehrzahl der Privathändler begnügen muss, führt über die Zwischenstation eines Brokers (FCM), eines Clearinghauses oder eines Datencenters an die Börse. Der Zentralrechner der Börse übernimmt für alle hier eintreffende Handelsaufträge stellvertretend für die Handlungsvermittler (Broker, Dealer, Market-Maker) die Aufgabe der Vermittlung zwischen Käufern und Verkäufern von Derivaten, wodurch er sie der lokalen Gebundenheit überhebt. Dieser Zug – gekoppelt mit einer für elektronisch organisierte Börsen typischen Integration von Matching, Clearing, Settlement und Abwicklung unter ein und derselben Systemplattform – ermöglicht im Betrieb von Computerbörsen zum einen erhebliche Kosteneinsparungen durch Ausnützung von Synergieeffekten und zum anderen ungleich raschere Transaktionsgeschwindigkeiten* im Handelsverkehr selbst wie auch bei der nachherigen Abwicklung von Terminkontrakt- und Optionsgeschäften. Dies und die damit verbundene technische Erleichterung der Geschäftsabschlüsse zusammen haben im Börsenterminhandel im jüngsten Zeitabschnitt zu einer beträchtlichen Vermehrung der Handelsverkehrsziffern ("total volume") beigesteuert.

[* Das gesamte Börsenhandels- und Abwicklungssystem von Computerbörsen ist schon aus sich heraus auf höchstmögliche Beschleunigung angelegt. Hohe Transaktionsgeschwindigkeiten stellen somit ein Gütesiegel gerade von elektronischen Börsen unter Wettbewerbsbedingungen dar. Im computerisierten Futures-Handel ("e-trading") liegen die Latenzzeiten ("order latency") heutigentags gehäuft im unteren Bereich von 2 bis 35 Millisekunden. Im Strom der Fortentwicklung der Technik (Glasfaserkabel, Lasertechnik) werden diese auf Zeiträume von geringster Dauer bis an die Grenze der Lichtgeschwindigkeit mehr und mehr abgekürzt.]

Der Umstand, dass der Zugang zum Zentralcomputer einer Computerbörse nicht mehr an einen bestimmten Standort fest gebunden ist, sondern allen Berechtigten gleichermaßen allerorten in technisch einheitlicher, standardisierter Form offensteht, stellt einen der gewichtigsten Pluspunkte von elektronischen Börsenhandelssystemen prinzipieller Art dar. Eine permanente datenmäßige Anbindung der Nutzer durch vernetzte Computeranlagen an das System zu den gleichen offenen Bedingungen auf verschiedene Plätze verteilt leistet die Gewähr dafür, dass der Zugang auf komfortable und transparente Weise für jedermann praktisch standortunabhängig erfolgen kann und damit auf das möglichste erleichtert wird. Zu verdanken ist dies dem gescheiten Aufbau von Computerbörsen. Über die ihnen eigenen Benutzerschnittstellen sind weltweit eine Vielheit von Handelsterminals (Frontend-Systeme*, "front-end trading applications", "user devices") angeschlossen, die allesamt nach einheitlichen technischen Grundformen arbeiten. Überdies erlauben Computerbörsen die Nutzung und Vermarktung von Software von Drittanbietern über eben diese gleichgesetzten offenen Standards (Application Program Interface, API). So lassen sich etwa mittels einer ganzen Reihe von vernetzten Ein- und Ausgabeeinheiten, die allesamt mit sinnvoll in Zonen unterteilten Handelsbildschirmen ausgestattet sind, im Dialogbetrieb Quotierungen und Orders bequem einspeisen, ändern und löschen als auch aktuelle Preis- und Marktinformationen abfragen, ohne dazu persönlich an einem Börsenplatz körperlich präsent sein zu müssen. Sämtliche Datenoperationen werden per Datenfernübertragung praktisch synchron am Ort des Zentralcomputers zusammengeführt und daselbst mit Hilfe der hauseigenen inneren Technik EDV-mäßig verarbeitet. Erstes Ziel eines solchen Systems ist es, mit möglichst geringen Transaktions- und Anbindungskosten allen Börsenteilnehmern gleichermaßen ein Höchstmaß an Wirksamkeit (Effizienz), Fairness und Markttransparenz im Handel zuteil werden zu lassen. Wendet man den Blick auf das Ganze, so kommt man zu der Erkenntnis, dass die fortschrittlichen Terminbörsen der Jetztzeit schon längst keine reinen Handelsplattformen ("electronic trading systems", "matching platform") mehr vorstellen, sondern obendrein hoch effiziente Abwicklungs- und Informationssysteme umspannen (multilaterale Handelssysteme). Der elektronische Börsenhandel ist dadurch zu einem der modernsten Verkehrsmittel kosmopolitischer Natur geworden.

[* Der Börsenort einer Computerbörse ist immer der Standort des Zentralcomputers. Der Zugang zum Standort des Zentralrechners der Terminbörse Eurex in Frankfurt/Main z.B. ist derzeit möglich über Zugangspunkte ("access points") an weltweit rund 700 verzweigten Standorten. Ihr Zugang zur Handelsoberfläche @X-ceed erfordert dabei aus Sicherheitsgründen selbstverständlich zuerst die Eingabe eines persönlichen Identifizierungscodes ("access code"). Auch der Zentralrechner selbst ist gegen technischen Ausfall hinreichend redundant gesichert.]

Als Handelsobjekte für an Computerbörsen gelistete Futures und Optionen kommen grundsätzlich alle gängigen Marktinstrumente gleich welcher Art infrage, Commodities so gut wie Finanztitel wie sonstige Variablen von wirtschaftlichem Interesse. Heutzutage läuft der Terminhandel mit Finanzkontrakten (Financial-Futures) weit mehrheitlich über Computerbörsen ab. Selbst die Warenterminkontrakte, die bislang noch nach alter Mode vorzugsweise im Rufhandel an den Präsenzbörsen umgesetzt wurden, holen in dieser Hinsicht gegenwärtig mächtig auf. Manch jüngere Terminbörse, wie z.B. die 1998 gegründete Eurex, kennt mittlerweile gar keinen traditionellen Rufhandel mehr ("electronic-only"). Und selbst dort, wo der Handel während der üblichen Börsenzeiten immer noch durch Zuruf auf einem Börsenparkett nach dem "open outcry"-System abläuft, stellt in jüngster Zeit fast jede Terminbörse entweder parallel dazu ("side-by-side", "hybrid") oder zwecks Verlängerung der Abhaltungszeiten gleich anschließend ("after-hours electronic") die Möglichkeit zum elektronischen Handel bereit, von der die Händlerschaft nunmehr auch verstärkt Gebrauch macht. So werden beispielsweise an der weltgrößten Terminbörse, der CME Group, heutigentags mehr als drei Viertel des dortigen Handelsumsatzes auf elektronischem Wege herbeigeführt.

Vielerorts schließt sich, wie soeben angedeutet, zur Ausweitung der zeitlichen Verfügbarkeit der Computerhandel ungesäumt an einen altherkömmlichen Rufhandel an bzw. begleitet ihn ("dualer Handel"), sodass in den meisten, wichtigsten Futures ("key contracts") sich Geschäfte auch jenseits der regulären Handelszeiten ("regular trading hours", RTH) im elektronischen Verfahren durchführen und abwickeln lassen; also selbst dann noch, nachdem der Parketthandel für den betreffenden Tag bereits zum Abschluss gebracht worden ist ("extended trading hours", ETH). Faktisch steht der Computerhandel ("electronic trading") – abgesehen von jedesmaligen kurzen Haltepausen an der Trennungsmarke zwischen den Handelsphasen (an der Globex® bei Aktienindizes und NYMEX-Produkten börsentäglich von 16:00 bis 17:00 Uhr CT; "maintenance") – somit wochentags durchgehend zur Verfügung ("electronic trading hours", ETH). Einige jüngere Futures-Produkte wurden sogar eigens für den elektronischen Handel geschaffen ("electronic only"), wie beispielsweise die E-miniTM-Futures-Gruppe der Chicago Mercantile Exchange mit dem gegenwärtig nach Zahl der abgeschlossenen Kontrakte bedeutendsten Index-Futures überhaupt: dem E-mini S&P 500®. Nebst diesem zählen hiezu auch der E-mini NASDAQ-100® und der E-mini S&P MidCap 400*. Die letztgenannten gehören heute mit zu den Umsatzspitzenreitern unter allen in Verkehr stehenden Equity-Terminkontrakten weltweit.

[* Es wäre ungereimt, diese mit einer Klasse von Hebelzertifikaten zu verwechseln oder zusammenfallen zu lassen, die zwar von ihren Schöpfern mit dem Rufnamen "Mini-Futures" beehrt wurden, die ihn aber beileibe nicht würdig sind. Die mit der Äquivokation "Mini-Futures" originell bedachten Gebilde sind aus völlig anderem Geist geboren. Sie alle stellen sich dar als Erzeugnisse eigener Faktur der Banken, die den Gattungsbegriff Futures kennzeichnenden Merkmalen nicht einmal die Spur genügen und darum auch keinen Anspruch auf ihn erheben dürfen. Im Gegensatz dazu gelten sowohl der oben erwähnte E-mini S&P 500®, gleichwie der E-mini NASDAQ-100®-Futures, als rechte und eigentliche Futures auf Aktienindizes in des Wortes buchstäblichster Bedeutung mit der einzigen Besonderheit, dass diese in einem gegenüber landläufigen Index-Futures quantitativ nachstehenden Kontraktumfange daherkommen, was eben durch den Zusatz "E-mini" auch sprachlich zum Ausdruck gebracht wird.]

Wer die Entwicklungsbahnen der börsengeschichtlichen Entfaltung in den letzten Jahren aufmerksamen Blickes verfolgt hat, wird nicht verkennen, dass die Märkte eine staunenswerte Wandlung vollzogen haben, und noch erfahren. In Anbetracht des Emporkommens der allgemeinen Technisierung und des computertechnischen Fortschritts im Besonderen, der sich gerade in der neuesten Zeit in einem geradezu atemberaubenden Tempo vollzieht, Hand in Hand mit einer schwungvollen Fortentwicklung auf dem Gebiet der Informationstechnologie hin zu immer leistungsfähigeren Kommunikationsmitteln bei blitzschneller Nachrichtenübermittlung, ist bereits heute absehbar, dass das gegenwärtige Gefüge örtlich getrennter Börsenhandelsplätze von größerer oder kleinerer Bedeutung in nicht allzu ferner Zukunft sich tendenziell bewegen wird in Richtung auf einen weltumspannenden Terminmarkt, auf dem Mitwirkende aus allen Nationen – ungeachtet verschiedener Zeitzonen – in der Lage sein werden, über dezentrale Terminals ("access point", AP) standortunabhängig mit Hilfe eines ausschließlich auf Computerbasis arbeitenden Kommunikationssystems, und einem dadurch ermöglichten unkomplizierten Marktzugang, ganz ohne Schließzeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit Handel zu treiben ("virtuelle Finanzzentren"). Ob daneben für einen Parketthandel noch ein Winkel bleibt, um fortzuleben, oder ob diese Form des Handels bald ein längst überholte Einrichtung, gleichsam eine Reminiszenz an eine Zeit sein wird, die sich schon längst überlebt hat, darüber wird in letzter Linie nichts mehr und nichts minder als der Markt befinden.

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

Zweck und Aufgaben des Clearing-Systems im Terminhandel

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Was sind Futures?

Aufzählung

Der Handel mit Futures

Aufzählung

Der Futureskurs

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

 

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Arthur Schopenhauer (1788-1860), Philosoph

 

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2016 Bert H. Deiters
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Stand: 14. November 2016. Alle Rechte vorbehalten.