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Aufzählung

Futureskurse und "bid-/ask"-Spreads im Börsenterminhandel

 

Sobald und sooft ein Händler den freien Finanzmarkt betritt, trifft er im dortigen Handelsverkehr unausbleiblich auf zwei ganz unterschiedliche Arten von Preisofferten:

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Der Preis, zu dem die Besucher eines Marktes bestimmte Mengen der zu Markt gebrachten Handelsgüter – seien es nun Devisen, Aktien, Anleihen oder die davon abgeleiteten Finanzmarktinstrumente – bei sofortigem Abschluss kaufen können, heißt "ask-price" (in der fachlichen Sprache oft auch als "offer price" bezeichnet; zu Deutsch: Briefkurs, Angebotpreis);

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der Preis, zu dem die Marktteilnehmer bestimmte Mengen der zu Markt gebrachten Handelsgüter bei sofortigem Abschluss verkaufen können, heißt "bid-price" (deutsch: Geldkurs, Nachfragegebot, Nachfragepreis).

Im Bank- und Börsenwesen bringt der Zusatz "bid" zum Ausdruck, dass der Kurssteller ("price maker"), der seinen Kurs mit dieser Kennzeichnung versieht, den betreffenden Marktgegenstand zum genannten Kurs begehrt; umgekehrt gibt der Zusatz "ask" äußerlich zu erkennen, dass der Kurssteller den Marktgegenstand zum verkündeten Kurs anbietet.* Kurzgefasst: "bid" gibt die Kaufabsicht, "ask" die Verkaufsabsicht des kursgebenden Händlers zum gestellten Kurs zu verstehen.

[* Kursmakler, die für die von ihnen betreuten Werte am Markt laufend sowohl Kauf- als auch Verkaufsofferten stellen, müssen bereit und in der Lage sein, gleichzeitig bestimmte Quantitäten des fraglichen Markgegenstandes zum formulierten "bid-price" zu nehmen als auch bestimmte Mengen davon zum angesagten "asked-price" abzugeben. Wollen sie dabei Gewinne erreichen und Verluste vermeiden, so muss der "ask-price" der angetragenen Kursquotation ein Stück weit höher gesetzt werden als der "bid-price". Wenn überhaupt je, so wird sich der "bid-price" nur äußerst selten über den "ask-price" stellen. Falls so, spricht man von einer invertierten Kursstellung ("inverted"), bei Gleichstellung von "choice".]

Für alle Kursangaben, die den "bid"- und den "ask"-Kurs zu einem Ausdruck zusammenfassen, d.h. die jeweils paarweise zur Erscheinung kommen, hat sich die Bezeichnung beidseitige Quotation (Quotierung, "two-way", "quotation", "quote") ausgebildet. Die Nennung von Quotationen erfolgt gemäß der vorstehenden Deutung immer aus der Sicht desjenigen, der eine solche zu Markt stellt. Zu jenem Kreis zählen hauptsächlich Geldhäuser, wie Banken, Broker und Makler. Bei beidseitigen Kursquotationen wird sprachüblich zuerst der (niedrigere) "bid-price", dann der ihm zugeordnete (höhere) "offer"-Preis angeführt. Aus förmlicher Sichtweise geht demnach der "bid"-Preis dem "offer"-Preis stets voran. Wer am Markt eine Quotation aufnimmt ("price taker"), kann aussuchen, ob er zum vorliegenden "bid"-Preis verkaufen oder zum "offer"-Preis kaufen möchte ("two-way"). Wem es allerdings einfällt, auf der Grundlage einer marktgerecht gestellten Kursquotation ("proper quotation") gleichzeitig zu kaufen und zu verkaufen, wird, wenn er im Ernst darauf eingeht, einen sofortigen Verlust in Höhe des bestehenden Preisunterschieds zwischen "bid" und "ask" zu verschmerzen haben. – Den Preisunterschied zwischen "bid" und "ask" überhaupt heißt man ganz allgemein Geld-Brief-Spanne ("bid/ask spread", "bid/offer spread"; Marge).

Eine an die Terminbörse herantretende (außenstehende) Person, die Termin- oder Optionskontrakte (Futures, "traded options") zu handeln entschlossen ist, wird, ehe sie einen Auftrag (Order) erteilt, sich über die gegenwärtige Marktlage unterrichten wollen. Sie wird neben anderem insbesondere den auf dem Markt herrschenden Börsenpreis (Quotation des Futures bzw. der Optionsprämie) als Grundlage für ihre erwogene Transaktion zu erkunden trachten. Die beanspruchten Informationen kann sie den verschiedensten Datenquellen entnehmen. Im Börsenleben sind solche auf kürzestem Wege zu erlangen z.B. durch eine Anfrage bei einem "floor broker" oder bei einem zugelassenen Market-Maker ("request for quote RFQ, "quote-request", "price request"), ferner "indikativ" via elektronischer Kursinformationssysteme, z.B. über einen Bildschirmterminal einer Börse, oder sonst an einem beliebigen Ort mithilfe der modernen vernetzten Verkehrsvehikel, die die verlangten Informationen eigens durch einen Marktdatenlieferanten ("quote vendor") oder frei über das Internet "online" auf die heimische Computeranlage vermitteln.

So mag beispielsweise eine der gegenwärtigen Lage entnommene Markt-Quotierung für den an der europäischen Terminbörse Eurex aufgeführten September16-DAX®-Futures lauten: 9830,0 "bid" 9830,5 "offer".* Aus der vorstehend erfragten Quotation ersieht der sachkundige Händler, dass der September16-DAX®-Futures bei sofortiger Einwilligung in eine Long-Position (Kaufposition) zu 9830,5 Indexpunkten von dorther käuflich ist. Ebenso gut aber könnte er gleich jetzt auf Ausführung seiner Order zu 9830,0 Indexpunkten rechnen, um eine Short-Position (Verkaufsposition) in diesem Terminkontrakt aufzubauen. Wem es dawider in den Sinn kommt, diese Offerte auszuschlagen, sei es weil er weniger zu bieten geneigt ist als der "ask"-Preis fordert, sei es weil er mehr verlangt als der "bid"-Preis hergibt, kommt augenblicklich nicht zum Zuge. Er muss entweder auf einen ihm genehmen Kursstand für seinen Kontraktschluss geduldig warten oder schließlich sich fügen und unverrichteter Dinge vom Markt zurückweichen ("pass").

[* Dem außenstehenden, beschauenden Reflektanten erscheinen Quotierungen sohin als durch die Marktlage gegebene Größen, denen er sich anzupassen hat ("price taker"). – Hinweis: Auskunft über die Folge der gegenwärtigen Lage entnommenen Quotierungen ("tick-by-tick") ist für jedermann allzeit erhältlich von diversen Brokern, Nachrichtenagenturen ("quote vendors", Datenanbieter, Datenvendor), über spezielle Informationsdienste im Internet, und als ergänzende Dienstleistung natürlich auch von den Terminbörsen selbst.]

 

 

 

Eine tiefere Einsicht in die herrschende Orderabstufung einer Börse, bestehend aus den jeweils besten, d.i. der gerade höchste "bid"- und der gerade niedrigste "ask"-Preis einer Quotation, als auch aus einer gewissen Streubreite nachrangiger "bid"- und "ask"-Preise eines Marktes ("behind") im Verein mit der jedes Mal handelbaren Kontrakt-Stückzahl (Kurs- und Mengenofferten) sowie ggf. den Namen der derzeit tätigen Market-Maker, gewährt ein Blick in das zentrale Auftragsbuch der Börse, das sogenannte Orderbuch ("quotations-book"), das bisweilen auch als Eingangsbuch oder »Skontro« bezeichnet wird ("inside market"). In das zentrale Auftragsbuch einer Börse, das an Computerbörsen aus naheliegenden Gründen in rein elektronischer Form als Datei ("file") vorliegt, fließen reguläre Handelsaufträge einschließlich Quotes jeglicher Art mit ihren dazugehörenden Handelsvolumina ein. Präsent gewordene Aufträge werden zunächst aufgeschlüsselt nach den Gesichtspunkten Ordertyp, Preis und Zeit der Einhändigung. Illimitierte Orders gelangen zu sofortiger Ausführung. Jene Orders, die vom Auftraggeber vorher eigens mit einer besonderen Ausführungsbeschränkung ausgezeichnet wurden (z.B. jede an der Börse einlaufende preislich limitierte Order), aber aufgrund der gegebenen Angebots- und Nachfrageverhältnisse sich im ersten Anlauf nicht unmittelbar zusammenführen lassen, werden ins Orderbuch einsortiert und bleiben dort einstweilen zur späteren Erledigung vorgemerkt (Orderbuchbildung)*. Stimmen nun im weiteren Laufe des Marktganges Handelsmenge und Kurs zweier unerledigter Aufträge zusammen, so werden die korrespondierenden Orders aus dem Orderbuch ausgelesen und nach ganz bestimmten Prioritätskriterien durch die Technik des Börsensystems automatisch zusammengeführt ("order precedence"; "matching"). Den am Abschluss beteiligten Parteien geht im Anschluss eine Note über die Ausführung ihrer Aufträge zu (Schlussnotiz; "purchase and sale statement P&S").

[* Hinweis: Die Einstellung von Orders in das Ordersystem von Terminbörsen erfolgt insofern anonym, als die Identität jedes ursprünglichen Auftraggebers dem außenstehenden Kontraktpartner wie Dritten gegenüber absichtlich ungenannt bleibt und somit niemand außer der Börse selbst angezeigt wird. Das angegliederte Clearinghaus der Terminbörse schaltet sich selbstwirkend in jeden von außen her zustande gekommenen Geschäftsabschluss ein, wodurch dieses von demselben Augenblick an selbst zum Kontrahenten jeder ursprünglichen Partei wird. Die gegenseitige Anonymität bleibt mithin bei alledem auch nach Zusammenführung einer Order und Einschaltung der Clearingstelle weiterhin aufrecht.]

Allgemein unterscheidet man nach der Zugänglichkeit offene und geschlossene Orderbücher sowie deren Mischformen, wobei im letztgenannten Fall – je nach Grad der beabsichtigten Markttransparenz – die gesamte Tiefe der Orderstruktur* nicht für jedermann ersichtlich ist. An der Terminbörse Eurex z.B. ist den Marktakteuren der Einblick in die Stopp- und Marktorders Dritter verwehrt. Darüber hinaus bleibt, wie in der Note angesprochen, die persönliche Identität der einzelnen Marktteilnehmer anderen gegenüber unbedingt verborgen, so dass niemand vom anderen etwas weiß. Schließlich sei noch erwähnt, dass außerbörslich durchgeführte Termingeschäfte (OTC) keinen Eingang ins zentrale Orderbuch finden.

[* Die Orderbuchtiefe bildet überhaupt eine Schlüsselgröße zur Beurteilung der Marktliquidität (s.u.).]

 

Aufzählung

Market-Maker, "bid-/ask"-Spread und Preisbildungsprozess

Grundsätzlich können die an den Finanzmärkten öffentlich gemachten Handelsspannen fungibler Marktinstrumente (Aktien, Terminkontrakte, "traded options", "Forex", CFDs, "Zertifikate" und sonstige umstrukturierte Produkte usw.) in zwei verschiedenen Erscheinungsformen auftreten:

1.) als Quotationen, wie sie in steter Folge dem Handelsfluss einzelner spezieller Marktteilnehmer entspringen* – so z.B. verbindlich ausgebotene Quotes vonseiten eines ganz bestimmten Market-Makers, der unter einem preisgeleiteten "monopolistischen (reinen) Market-Maker-System" seiner Tätigkeit nachgeht, indem er während der Abhaltungszeiten für die von ihm betreuten Werte einen selbst gestellten Kaufpreis (Geldkurs, "bid") zusammen mit einem Verkaufspreis (Briefkurs, "ask", "offered") gegenüber der Allgemeinheit (fortlaufend oder wann immer man möchte auf Anfrage) offenlegt, oder aber

2.) in Form einer Preisspanne, wie sie beispielsweise dem Publikum in einem ausgebreiteten, ordergeleiteten Markt einer Börse der Beobachtung unmittelbar zugänglich ist. Das im laufenden gegenwärtigen Augenblick beste "bid" zusammen mit dem besten "ask" spiegelt alsdann die gegenwärtige Marktlage in dem bezüglichen Instrument in der Gesamtbilanz wider.

[* Anmerkung: In einem altherkömmlichen Auktionsmarkt ("continuous auction market") mit Rufhandel ("open outcry") auf dem Parkett einer Terminbörse stammen "bid-/ask-Spreads" vornehmlich von sog. "Pit-Trader" und von "Scalper" (= "freiwilliges Market-Making" durch "locals"). Gerade in hektischen Marktabschnitten kann es mitunter problematisch sein, hierbei die tatsächliche Lage auf dem Parkett zu überblicken. Anders steht es im Falle elektronischer Handelseinrichtungen: Hier ist die jeweilige Geld-Brief-Spanne vom Handelsbildschirm sogleich ablesbar.]

Analog spricht man im ersten Fall von einer Geld-Brief-Spanne ("bid-/ask-spread", "dealer spread"), im zweiten von der Marktspanne ("market spread"), wie sie regelmäßig unter Mitwirkung zahlreicher Marktakteure während einer offiziellen Handelsphase in einem "ordergeleiteten kontinuierlichen Auktionsmarkt" (auftragsgetriebener fortlaufender Handel) entsteht und sich Außenstehenden der Beobachtung darbietet.

Gleichviel indes, ob Marktspannung oder Geld-Brief-Spanne: Gegebene Kursquotierungen leiten sich in gerader Linie ab von den aktuell auf dem Markt vorliegenden als auch von den sich im gleichen Augenblick anmeldenden höchstlimitierten Kauf- bzw. niedrigstlimitierten Verkaufsofferten*. Da jeder der am Marktprozess Mitwirkenden streng auf seinen persönlichen wirtschaftlichen Vorteil bedacht ist, wird der "ask"-Preis von Quotationen in regelmäßigen Verhältnissen sich um eine Kleinigkeit höher stellen als der ihm beigeordnete "bid"-Preis. Dieser Erfahrungstatbestand ist unabhängig von der Marktorganisationsform, und man findet ihn dementsprechend sowohl in einem ordergeleiteten Auktionsmarkt als auch in einem Market-Maker-Markt vor. Durch die Spanne zwischen "bid" und "ask" wird zugleich der Einigungsbereich auf einen nächsten noch zu ermittelnden Börsenkurs eingegrenzt. Jede parat gehaltene verbindliche Quotation ("firm quote") ist im geregelten Marktverkehr der Börse grundsätzlich ebenso wohl auf einen maximalen Gültigkeitszeitraum (Haltefrist) wie auf eine annehmbare Transaktionsgröße ("size") zugepasst. Daneben gibt es an den Börsen einschlägige Richtlinien im Hinblick auf bestehende Mindesttransaktionsgrößen (Mindestquotierungsmenge, "minimum quotation size", MQS), an die sich alle mitwirkenden Market-Maker ohne Ausnahme genau zu halten haben.

[* Dies impliziert, dass Limitorders die Marktliquidität c. p. erhöhen, während Marktorders diese c. p. vermindern.]

In jenen Futures- und Optionsmärkten, die nach dem Market-Maker-Verfahren organisiert sind ("quote-driven-markets"), verschaffen Market-Maker durch Nennung verbindlicher Quotierungen ihresgleichen sowohl als den übrigen Mitwirkenden Kenntnis davon, zu welchen Kursen sie kurzfristig welche minimalen resp. maximalen Kontrakt-Mengen zu handeln bereit sind. In Falle eines ordergeleiteten Auktionsmarktes dagegen lässt die Geld-Brief-Spanne sich auffassen als Kompensation für die Abschlussbereitschaft zu den Limitkursen im Markt bestehender Orders*.

[* Ein zeitgleich eintreffender illimitierter Auftrag ("market order") würde schließlich unmittelbar zum vorliegenden Limitkurs von preislich limitierten Aufträgen zusammengeführt werden.]

Der quotierte "ask"-Kurs eines Market-Maker legt offen, zu welchem Preis dieser zu verkaufen geneigt ist, sein "bid"-Kurs dagegen zeigt auf, zu welchem Kurs er zu kaufen willens ist. Normalerweise wird er das, was er zum niedrigeren "bid"-Preis ersteht, zum höheren "ask"-Preis zeitig wieder loszuschlagen suchen. So gesehen versieht der Market-Maker in erster Linie die Funktion eines Hedgers oder Arbitrageurs, statt jene eines Spekulanten. Gleichzeitig sorgt er durch seine permanente Handelsbereitschaft für einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage. Der Überhang an Derivaten zwischendurch und am Schluss einer Handelsphase wird regelmäßig durch kompensatorische Maßnahmen im Wert gesichert.

In der Weite, die eine Spreizung zwischen "bid" und "ask" durchmisst, kommt der Hauptsache nach ein Doppeltes zum Ausdruck: erstens, das vom kursstellenden Market-Maker übernommene (ungedeckte) Risiko* aus offenen Posten, die er in Ausübung seiner Tätigkeit in wechselndem Umfang vorzuhalten hat, und zweitens, die eigenen "Betriebskosten" aus laufenden Geschäften, die für die Leistungsabgabe "jederzeitige Handelsbereitschaft ("immediacy") gegenüber anderen Marktteilnehmern" anfallen. Da Market-Maker nicht nur ihre Subsistenzkosten zu decken, sondern überdies an der Spanne von "bid" zu "ask" zu verdienen hoffen (Gewinnmarge, Bruttoverdienstspanne), werden sie je nach geschäftspolitischer Handelsabsicht und Einschätzung der Lage ihr Quotierverhalten anpassen und ihre jeweiligen Quotationen markt- und risikogerecht darauf ausrichten. Beispielsweise werden sie bei erhöhtem Risiko, also auf volatileren Märkten, breitere Spannen stellen als bei mäßigem Risiko und gemäßigter Volatilität. Wird indessen das Risiko als allzu groß empfunden, etwa angesichts drohender Markt-Illiquidität, so kann solch ein Umstand dazu führen, dass entweder vereinzelt Market-Maker sich vorderhand zurückhalten, wodurch diese einstweilen vom Markte ausbleiben, oder er führt gar im Extremfall eines auf Zeit hinaus dauernden Zustandes unkalkulierbarer Risiken dazu, dass letztgenannte den Markt satt sind und ihm unaufgeforderter Dinge für immer den Rücken kehren – insofern sie nicht durch zwingende Börsenregeln zur Fortführung ihrer Handelstätigkeiten verpflichtet sind.

[* Dies geht insbesondere sog. unsystematische Risiken an (d. h. objektspezifische Risiken, im Gegensatz zu marktspezifischen Risiken), nebstdem aber auch solche Risiken, die sich aus der Verpflichtung zum Handel mit allen möglicherweise besser Unterrichteten ergeben ("adverse selection").]

Nicht auf jedem Terminmarkt haben Market-Maker völlig freie Hand, ihre quotierten Preisspreizungen beliebig breit zu stellen. Ungewöhnlich breite Preisspreizungen lassen sich im Allgemeinen deuten als Indiz für eine unausgesprochen geforderte Risikoprämie (Wagnisprämie). An fast allen Terminbörsen, so etwa auch an der Eurex, bestehen dezidierte börsenseitige Regelungen im Hinblick auf die größtmögliche numerische Differenz in den "bid-/ask"-Spreads. Die Geschäftsführungen der Börsen befinden für jede Kontraktart besonders über die präzise Höhe ihres maximal erlaubten "bid-/ask"-Spreads, wodurch diese zu einer berechenbaren, bindenden und aufs Genaueste zu beachtenden Direktive für die Händlerschaft werden ("maximum spread")*. Market-Maker, die gegen die Letztere oder gegen sonstige Handelsvorschriften verstießen, müssten mit disziplinarischen Sanktionen, wie beispielweise Abmahnungen, im Wiederholungsfall mit einer befristeten Sperre durch zeitweilige Aufhebung der Handelszulassung ("suspension"), oder in letzter Instanz auch mit der Entziehung der Lizenz und sonach mit dauerndem Ausschluss vom Markte rechnen ("exclusion").

[* Bei der Bestimmung einer angemessenen Höhe für die vorzugebende maximale Preisspreizung ist mit Augenmaß vorzugehen. Sie darf weder zu groß noch zu klein ausfallen. Überzogene Preisvorgaben wären angesichts der damit einhergehenden erhöhten Kosten und Risiken abträglich für den Handelsfluss; zu geringe dagegen ließen die Gewinnmargen der Market-Maker schrumpfen mit der nicht gern gesehen möglichen Folge einer offiziellen Einstellung ihrer Handelsaktivitäten.]

Ein förmlicher Abschluss (Umsatz, "trade") gelangt unter den im Börsenterminhandel gebräuchlichen Marktmodellen zur Realisierung, sooft der geforderte Terminpreis den bewilligten deckt. Die auf dem Markt auftretenden Käufer und Verkäufer sind sich in jenem Augenblick der Deckung über einen ganz bestimmten Kontrakt-Preis handelseinig geworden. Die eben noch durch beiderseitigen Wettbewerb vorgegebene Spanne zwischen "bid" und "offer" schrumpft damit naturgemäß für eine logische Sekunde des Abschlusszeitpunktes auf null zusammen ("matching"). Man kann auch sagen, sie verschmälert sich für den Moment des Marktaktes zu einem gleichgewichtigen Punkt. Die Verständigung auf einen Preis mit Verwirklichung eines Geschäftsabschlusses setzt notwendig eine gegensätzliche Markterwartung voraus. Die geforderte Kursobergrenze des Nachfragers (Long) liegt damit über der bewilligten Kursuntergrenze des Anbieters (Short). Innerhalb der duchsetzbaren Grenzen wird der Preis seinen Platz dort einnehmen, wo Angebot und Nachfrage sich quantitativ ins Gleichgewicht stellen. Der Kurs des letzten getätigten Abschlusses gilt fortab solange als Richtmarke für den tatsächlichen Marktpreis ("current price", "last traded price"), bis weitere Orders sich ausführbar gegenüberstehen und zu den gestellten Bedingungen einen erneuten Abschluss in diesem Kontraktmarkt auszulösen vermögen. Ob ein nachfolgend festgestellter Börsenterminpreis sich auf einen höheren oder tieferen Punkt fixiert oder diesen stationär behauptet, ist wieder abhängig allein von Intensität und Umfang von Angebot und Nachfrage.

Eine zweckdienliche Organisationsform des börsenmäßigen Terminhandels ("Marktmodell") legt sowohl Art als auch Wirkungsweise des Mechanismus fest, nach dem sich reguliert, wie Geschäftsabschlüsse an der Börse hergestellt werden. Ein anerkannt brauchbares Marktmodell der Derivatebörse bürgt zumal dafür, dass auf diesem Platz ein regelgebundener Preisbildungsprozess durch das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage fortgesetzt und ungehindert stattfinden kann ("price discovery", Preisbildungsfunktion). Im Falle von Störungen, bspw. durch eine geminderte Liquiditätslage infolge eines schwach besetzten Marktes, werden geeignete Gegenanstrengungen unternommen, und zwar so, dass Market-Maker zur Verbesserung der angespannten Lage hinzutreten. Insbesondere soll durch die Entfaltung eines ausgebildeten, lebhaften Handels ("Preiswettbewerb") erreicht werden, dass jeder Futures-Kauf durchweg zum niedrigsten aller fertig spezifizierten "offer"-Kurse, jeder Futures-Verkauf in ebensolcher Weise zum höchsten aller fertig spezifizierten "bid"-Kurse im Markt zum Abschluss kommt. Getreu diesem Leitgedanken lässt sich unter Wahrung gleicher Chancen auf einen Geschäftsabschluss beständig der bestmögliche ("marktgerechte") Preis für alle am Geschehen unmittelbar beteiligten Parteien im Marktverkehr mit Finanzderivaten ökonomisch verwirklichen ("Marktintegrität", Steigerung der Liquidität und Markttransparenz). Letzterer spiegelt damit idealerweise die wirkliche Geschäftslage an der Börse wieder.

Nahezu alle für den Handel maßgeblichen Börsenregeln ("Matching-Regeln") sehen zu diesem Zweck vor, dass unter sämtlichen der im Auftragsbuch gesammelten Aufträgen – ohne Ansehen der Person des Auftraggebers – der jeweils höchste "bid"-Preis die Vorhand vor allen übrigen "bid"-Preisen, der jeweils niedrigste "offer"-Preis die Vorhand vor allen anderen "offer"-Preisen hat (Prioritätssteuerung). Liegen identische Preise vor, so ist gewöhnlich der Zeitpunkt der Einstellung ("time stamp") der betreffenden Orders in das Handelssystem ausschlaggebend für die Reihenfolge, in der diese abgewickelt werden (Preis-Zeit-Priorität als Kriterium der Ausführungspriorität), wobei gemeinhin gilt: "first-in/first-out". Als ein weiteres Prioritätskriterium käme hierbei ggf. der Orderumfang in Betracht.*

[* Die Terminbörse Eurex kennt nächst diesen noch das sog. "pro rata-Matching", das für einige partikuläre nur wenig volatile Instrumente, wie z. B. Geldmarkt-Futures, vorzügliche Anwendung findet. Hierbei wird ungeachtet des Eingabezeitpunktes für die im Orderbuch vereinigten besten "bid"- bzw. "ask"-Kurse abgestellt auf Abschlüsse im proportionalen Verhältnis zum vorliegenden Gesamtordervolumen.]

Ein vermehrter Handelsverkehr führt unter regelmäßigen Verhältnissen an den Börsen zu verengerten Geld- zu Brief-Spannen. Je schmaler die Spanne von Geld- zu Brief-Kursen sich im Verkehr des Marktes andauernd zu stellen vermag, desto glatter und geradliniger lassen sich an dem betreffenden Platz in stetiger Folge selbst umfangreichere Orders zum Kursniveau des jeweils letztausgehandelten Marktpreises ausrichten. Inwieweit ein Markt diesem Qualitätsmerkmal fortdauernd zu genügen imstande ist, spiegelt sich gewöhnlich im Maß seiner Markttiefe ("depth") wider. Einem "tiefen Markt" wohnt die nutzbringende Eigenschaft inne, die Zone für den Preisspielraum tendenziell eng zu halten, während er sich selbst von erhöhtem Orderaufkommen größtenteils unberührt zeigt. Durch diese seine besondere Eigenschaft erweist er sich erkennbar widerstandsfähig gegenüber der Entstehung eines allgemein als höchst unliebsam empfundenen "slippage"-Effekts*. Überdies zeichnet sich ein "tiefer Markt" dadurch aus, dass die einzelnen Notierungssprünge von einer Kursnotiz zur nächsten verhältnismäßig nah aneinander stehen mit dem Effekt, dass der jeweils zuletzt ausgehandelte Kurs einen verlässlichen Anhalt vorgibt für den Höhengrad, auf dem sich der darauf folgende festsetzen wird. Ein "tiefer Markt" macht somit einen ebenso schnellen Positionsaufbau als eine im Bedarfsfall rasche und bequeme Loslösung von einem bestehenden Engagement wahrscheinlich, ohne hierbei merkliche Nachteile im Preise, verursacht durch selbstgemachte oder fremde Handelsaktivitäten ("market impact"), hinnehmen zu müssen. Ein "tiefer Markt" fördert insoweit nach Kräften die Kontinuität des Marktverlaufs.

[* Unter einem "slippage"-Effekt versteht man den Umstand einer unerwünschten, zuweilen recht heftigen Änderung des Kurses zwischen dem Zeitpunkt der Einreichung einer mit höchster Dringlichkeit auszuführenden Order (z.B. einer Marktorder) und ihrer schlussendlichen Ausführung im Markt ("matching").]

Grundvoraussetzung für eine genügende Markttiefe ist ein beiderseits von einer hinreichend großen Anzahl von Marktteilnehmern beschickter Markt, auf dem der Idee nach all ihre unterschiedlichen Handlungsmotive in freier, ausgiebiger und vollwirksamer Konkurrenz aufeinandertreffen (= Marktbreite, "market width"). Erst im Zustand einer ausgedehnten Marktbreite bei entsprechender Tiefe vermag der laufende Marktpreis sich auf eine solide, dem Verkehrswert angemessene Basis zu fixieren ("fair value"). Sonach kommt der Erfahrungssatz zu seinem vollen Recht: Je breiter ein Markt und je ausgeprägter auf ihm der Tauschverkehr (Umsatz, "trades") sich zu entfalten vermag, und je geringer die Volatilität und das erwartete Risiko auf diesem Markt, desto enger rückt die Geld-Brief-Spanne zusammen, in der der Marktpreis sich feststellen wird. Enge Geld-Brief-Spannen (verstanden als "market spreads") sind Ausdruck und unmittelbarer Ausfluss eines funktionstüchtigen, aufnahmefähigen und liquiden Marktes*. Liquide Märkte sind wünschenswert, weil nur in einem liquiden Markt mit entsprechend schmalen Geld-Brief-Spannen sich individuelle Anpassungsentscheidungen an neu eintreffende marktrelevante Zeitereignisse über situationsgerechte Transaktionen, d.h. durch Aufbau, Beibehalten, Umgestalten, Drehen, Absichern oder Schließen von Positionen, geräuschlos und ohne Reibungsverluste umsetzen lassen. Das Liquiditätsmoment leistet insofern einen ganz gehörigen Beitrag zur Vervollkommnung des Marktgebietes.

[* Plausibel erscheint hiernach, dass häufig auftretende größere Schwankungen in der Liquidität eines Futures-Marktes sich mitunter in Form einer Liquiditätsprämie auf die Futureskurse manifestieren können. Messen lässt sich der Liquiditätsgrad eines Marktes an der benötigten Transaktionsgröße, die ihn reagieren lässt.]

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

"bid-/ask"-Spreads und Transaktionskosten

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Was sind Futures?

Aufzählung

Wie entstehen Futures?

Aufzählung

Der Handel mit Futures

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

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2017 Bert H. Deiters
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Stand: 14. April 2017. Alle Rechte vorbehalten.