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Aufzählung

Zweck, Wesen und Aufgaben einer Terminbörse

Im unternehmerischen Sinne stellen "Terminbörsen" ("derivatives exchanges") sich dar als besondere Dienstleistungsgesellschaften*, die geschäftsmäßig geordnete, hochorganisierte, zentralisierte Handelsmärkte ("trading venue"; "organised exchanges") für standardisierte Rechte betreiben. Instrumente des Verkehrs sind vertretbare Finanzkontrakte von einheitlicher Beschaffenheit, Finanzderivate, also in erster Linie fungible Termin- und Optionskontrakte auf Waren sowohl als auf Finanzinstrumente. Im markttechnischen Sinne dagegen lassen sich Terminbörsen auffassen als ökonomischer (jüngst vermehrt auch "virtueller") Zusammenkunftsort, an dem Handelsgeschäfte in den vorbezeichneten Terminmarktinstrumenten in regelmäßig abgehaltenen Veranstaltungen nach einheitlicher Geschäftsordnung zwischen zugelassenen Personen angebahnt und abgeschlossen werden ("derivatives marketplaces", "contract markets", "board of trade", namentlich für Futures auch als "future-exchange" bezeichnet).

[* Den einzelnen Terminbörsen sind herkömmlich Clearing-Organisationen angegliedert, deren erstes Amt die finanzielle Aufrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus Termingeschäften und deren Garantierung ist ("clearing" und "settlement").]

Oberster und höchster Daseinszweck jeder Terminbörse ist die zeitliche und örtliche Zusammenziehung des Handelsverkehrs durch Bündelung von Angebot und Nachfrage, vorrangig im Verkehr mit Handelsgegenständen vom Muster standardisierter Rechte*. Hiervon leiteten sich wieder Aufgaben ab, deren weiterer Zweck darauf gerichtet ist, die Märkte in einem funktionstüchtigen Zustand zu halten, sie vor unlauterem Gebaren zu schützen, die Marktliquidität zu steigern, alles mit der Endabsicht, in ununterbrochener Folge überhaupt und andauernd die jeweils angemessenen Preise zu finden (Preisfindungsfunktion) und sie zu allgemeiner Kenntnis zu bringen. Der im Weltmaßstab ausgetragene Wettbewerb unter den einzelnen Derivatebörsen sorgt hierbei für eine spürbare Senkung von Transaktionskosten. Über diesen Vorzug hinaus führt ein geregelter Wettbewerb unter den Marktteilnehmern bei weltweiter Publizität des Marktgeschehens von sich aus zu einem Abbau von Informationsasymmetrien, was im Ganzen eine nachhaltige Verbesserung der Markttransparenz zum Schlusserfolg hat. Die Rechts- und Planungssicherheit bei der Wirtschaftsführung wird auf diese Weise in erheblichem Maße gesteigert, die Bereitschaft, tätig am Handel mit Finanzderivaten teilzuhaben, befördert.

[* Grundlage hierfür bildet regelmäßig die mustergültige Vereinheitlichung und Regelung, die sog. Standardisierung der Produktpalette durch die Terminbörsen. Die Verdichtung des Handels auf einige wenige Märkte bewirkt einen allgemein hohen Bekanntheitsgrad der dort im Angebot stehenden Produkte mit dem Erfolge einer drastischen Verringerung von Such- und Informationskosten. Sie dient damit in letzter Linie der Zusammenführung und Koordination der ansonsten sehr ungleichartigen Transaktionsmotive Einzelner auf einen Konzentrationspunkt, dem zentralisierten Markt für Finanzterminkontrakte.]

 

Die Terminbörse ist die zentrale Stätte, wo zu geregelten Zeiten das Handelsinteresse an Terminkontraktgeschäften im freien Wettbewerb in regelmäßiger Folge zusammentrifft. Im gleichen Zuge, nur in umgekehrter Richtung, gehen von ihr die entscheidenden Anstöße aus für unsere moderne, auf die Zukunft bedachte Wirtschaft. Von hier aus empfängt Letztere gewissermaßen ihren Pulsschlag. Insofern kann es nicht fehlen, dass die Einrichtung einer Terminbörse den natürlichen Hort bereitet, wo alle Fäden für eine zukunftsgerichtete Wirtschaft wie an einem Knotenpunkt zusammenlaufen und ihre Einheit finden. Sie übernimmt insbesondere eine wichtige Rolle bei der Durchführung des Risikomanagements, das vonseiten größerer Unternehmungen fast aller Wirtschafts- und Gewerbezweige als vorsorgliche Maßnahme im allgemeinen Marktverkehr ergriffen wird. Das gesamte Börsengefüge erlangt somit eo ipso die Stellung eines Grund- und Eckpfeilers in der Wirtschaftsordnung, der für eine gedeihliche Fortentwicklung unserer freien Verkehrswirtschaft kaum zu entbehren wäre. Die auf funktionstüchtigen Terminmärkten laufend frei ausgehandelten und einschlägig verbreiteten Börsenkurse legen als empirische Markterscheinung Informationen offen und werten Wissen aus, über das der Einzelne in seiner Gesamtheit niemals sonst würde verfügen können. Diese in regelmäßiger Folge bekanntgemachten Marktpreise, die als Resultierende aus der an den Terminbörsen unter Wettbewerbsbedingungen ausgetragenen Zusammenführung von hundertfältig verschiedenen Eigeninteressen Einzelner hervorgehen, leisten insoweithin einen nützlichen Dienst im Hinblick auf eine faire und angemessene Wertfestsetzung von Zukunftsgütern ("price discovery"; Informationsgewinnung). Ein wohl ausgeprägter Marktverkehr bringt eine spürbare Steigerung der Risikotransfer- und Informationseffizienz auf und zwischen den Terminmärkten mit sich, die ihrerseits anregend auf die Gütererzeugung wirkt und ihre Früchte damit selbst bis weit in den realwirtschaftlichen Bereich hineinträgt. Nicht zuletzt stellt eine marktgerechte Bewertung von Finanzderivaten eine höchst schätzbare Größenklasse dar, die zu einer Lenkung von Risikokapital in die volkswirtschaftlich besonders schlagkräftige und nachhaltige (effiziente) Verwendung von Ressourcen einen gewichtigen Beitrag zu leisten vermag (Grundfunktion der Allokationseffizienz).

Seite an Seite mit den unaufhaltsamen Fortschritten in der Entfaltung der Informationstechnologie hin zu immer höheren Informationsverarbeitungskapazitäten und ihrer Ausbreitung auch auf das Börsenwesen, Hand in Hand mit neuen Einsichten einer zeitgemäß fortgebildeten Finanzierungsforschung im Verein mit einem wahrhaft erstaunlichen Ideenreichtum in der Produktgestaltung haben sich die Terminbörsen in ihren wesentlichen Strukturmerkmalen schnellen Schrittes gewandelt: Tatbestände, wie fast durchgehende Handelszeiten, verbesserte Marktzugangsbedingungen, eine schrittweise Ausdehnung der Märkte durch innovative Produkte und Strategien mögen ein bündiges Belegmaterial dafür abgeben. Weiteren Rückenwind auf ihrem Weg zur Erfüllung des eingangs umrissenen Kreises von Aufgaben und Zielen erfahren die Derivatebörsen durch die anhaltende Tendenz zur Schaffung und Vervollkommnung von vollelektronischen Börsen ("Computerbörsen"). So sind diese Letzteren allesamt von Anbeginn ausgestattet mit einem fein integrierten Clearing- und Settlement-System, wodurch sich nicht nur Synergie- und Kosteneinsparungseffekte, sondern auch höhere Transaktionsgeschwindigkeiten im Börsenverkehr ebenso wie bei der Abwicklung der Börsengeschäfte erwirken lassen. Für den Personenkreis der legitimierten Nutzer von elektronischen Handelsplattformen ("electronic venue") selbst ist die Ermöglichung eines vereinheitlichten (standardisierten), standortunabhängigen, entmitteten (dezentralisierten) Zugangs zum Markt, der seine praktische Verwirklichung online durch die weltweiten Netzwerke hindurch über gesonderte Bildschirmterminals findet, von ganz besonderem Vorteil. Dank modernsten Verkehrsmitteln bedarf es einer für Präsenzbörsen mit Rufhandel ("open outcry") erforderlichen andauernden persönlichen Anwesenheit von Händlern auf einem zentralen Börsenparkett an den elektronischen Börsen gar nicht mehr. In immer steigender Zahl übernehmen hochtechnologisierte Computereinheiten deren Aufgaben. Angesichts dieses Entwicklungsgangs kommt man wohl nicht umhin, die vorgeschrittenen Terminbörsen der Neuzeit, statt sie wie vorlängst mehr nur als reine Zweckgebilde des unmittelbaren Handelsverkehrs aufzufassen, diese ausnahmslos und wahrlich nicht am wenigsten als hochfeine (effiziente) Steuerungs-, Regulierungs- und Informationssysteme aus einem Guss zu begreifen.

Aufzählung

Ordnungsregeln der Terminbörsen

Ein zuverlässiger, beständiger und ordnungsgemäßer Verkehr in Futures und anderen Derivaten an den weltweiten Terminkontraktmärkten ("futures markets"; allg.: "contract market", "exchange market", "paper market") ist untrennbar verknüpft mit dem Anspruch eines tiefen, grundlegenden Vertrauens der Marktteilnehmer in die Gesamtheit der Handelsanordnungen. Zur Sicherstellung geregelter Geschäftsabläufe wie auch zur Stärkung des eben notwendigen Vertrauens erlässt jede Terminbörse im Rahmen der durch gesetzliche Bestimmungen (Börsengesetz) und obrigkeitliche Aufsicht vorgegebenen Ordnung ihr eigenes einheitliches Regelwerk ("rulebook"). Dessen ausgesprochener Zweck ist zuvörderst die Kodifizierung wohl definierter Richtlinien zur Betriebsweise einer Terminbörse (Börsenordnung*, "exchange rules", "rules and regulations" einschl. "market regulation advisory notices"). Den Richtlinien stehen allerlei ins Einzelne gehende, ergänzende Klauseln und Untervorschriften zur Seite, nach denen sich das Tun und Lassen der Börsen regelt. Damit verschafft es Aufschluss, welchem Personenkreis Zugang zur Börse gewährt und auf welchem Wege der Handel mit Finanzmarktinstrumenten getrieben und abgewickelt wird. Das Regelwerk der Börse bestimmt ferner, welche der um Aufnahme ringenden derivativen Erzeugnisse wirklich in den Handelsverkehr eingebracht werden dürfen, dazu Art und Form des Handelsablaufs sowie die ihrer Preisbildung. Zur Hebung der sittlichen Normen findet selbes seine schließliche Ergänzung im Kodex von alteingeführten, bindenden Platz-Usancen (Börsen-Usancen: das sind gut eingebürgerte Gebräuche und Gewohnheiten an den Börsen, "bye-laws"; "organised exchanges").

[* Ausgangs- und Stützpunkt für eine Börsenordnung bildet regelmäßig das jeweilige Marktmodell der betreffenden Börse.]

Darüber hinaus verbürgt sich eine i. d. R. rechtlich selbständige, über einen guten, achtbaren Leumund (Standing) verfügende Institution: die Abrechnungsstelle der Terminbörse (Liquidationskasse, "clearing house"), für die genaue Einhaltung von Verträgen, sodass eine vorschriftsmäßige Abwicklung und Erfüllung von Futures- und Optionsgeschäften unter Beachtung von Börsengesetz und Börsenordnung zu keiner Zeit infrage stehen. Gefahrenquellen, die in der Person des Marktpartners begründet sind (Gegenparteienrisiko, "counterpart risk"), werden durch strengstens zu befolgende Regeln und durch Festschreibung von Musterverträgen betreffend den Terminhandel so weit als möglich hinweggeräumt, Manipulationsspielräume durch immer wieder verfeinerte Kontrollsysteme ("monitoring")* gegen unredliches, unbotmäßiges, verborgenes oder gar schwindelhaftes Schaffen (z.B. rechtswidrige Handlungen "per nefas", d.i. Handlung auf eigene Rechnung, statt auf Rechnung des Kunden, "front running", d.i. Orders nur zum Schein, sowie "spoofing", d.i. unter Verschleierung der wahren Identität ein Vortäuschen von Handelsaufträgen, und andere Auswüchse) eingedämmt. Eine vorherige Bonitätsprüfung der einzelnen Marktbeteiligten wird mithin entbehrlich, obwohl sich die eigentlichen vertragschließenden Parteien in den wenigsten Fällen persönlich bekannt sein dürften ("Prinzip der Entpersonalisierung", d.h. der Identität der eigentlichen Gegenpartei kommt keine besondere Bedeutung mehr zu weder für die Unterhandlung selbst noch für die Eignung als Marktpartner von Futures- und Börsenoptionsgeschäften).

[* Zu den zentralen Instrumenten zählen hierbei das sog. "marking-to-market" als Teil des Margen-Systems sowie die Instanz einer Handelsüberwachung ("Intensität der Marktregulierung").]

Terminbörsen handeln weder je auf eigene Rechnung ("Eigentransaktionen"), noch greifen sie oder ihre Träger jemals eigenmächtig in den Preisbildungsprozess der vor Ort umgesetzten derivaten Produkte ein. Vielmehr überlassen sie den Handelsverkehr in Ausübung und Umgang ganz sich selbst. Zu den vornehmsten Aufgaben jeder Derivatebörse gehört stattdessen die Bereitstellung und Unterhaltung sowohl einer dem Zweck angemessenen räumlichen und technischen Ausstattung als Operationsbasis für den Terminhandel als auch die eines flankierenden organisatorisch-administrativen Überbaus, der nach den Maßgaben aufsichtsrechtlicher Instanzen zur Wahrung eines vorschriftsmäßigen und geregelten Terminhandels notwendig ist und erforderlich wird. Auf der unerschütterlichen Grundlage dieser fest umrissenen institutionellen Rahmenbedingungen aufbauend kann der Marktprozess sich fortan ungetrübt entfalten. Die Preise der gelisteten Futures und Optionen können sich sonach durch das bloße Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage der einzelnen Akteure an den Derivatebörsen fortlaufend frei von jedem auf ihre Regelung gerichteten störenden Einfluss bilden ("price dicovery", Preisbildungsfunktion; Bewertungsfunktion).

Der Betrieb einer Terminbörse hat in der Börsenordnung eine sehr eingehende Regelung erfahren. Die vom Börsenrat von obenher erlassene Börsenordnung prägt sich aus in einer Gesamtheit von festen, durchgreifenden Maßregeln, die der Gesetzgeber in Gemeinschaftsarbeit mit den zuständigen Börsenaufsichtsbehörden erschaffen hat und deren Befolgung für alle Börsenbeteiligten verbindlich ist. In den Vollzugsvorschriften der Börsenordnung wird unter anderem ganz unmissverständlich verordnet, dass der Preisbildungs- und Abwicklungsprozess unter Einhaltung von bindenden Usancen* des Handelsverkehrs vom Aufsichtsgremium der jeweiligen Börse (der Handelsüberwachungsstelle, "market surveillance") lückenlos zu überwachen ist. Etwaige Verstöße gegen die Satzung oder eben gegen jene Anhangssatzungen und Usancen werden umgehend einem besonderen Börsenorgan: dem Sanktionsausschuss der Börse ("disciplinary committee"), gemeldet und nötigenfalls auch durch besondere Verwaltungsakte, wie z.B. durch Verhängung von Ordnungsgeld, Ausschluss o.dgl., geahndet. Überdies schreiben die Börsenregeln als zusätzliches institutionelles Erfordernis gemeinhin die Bildung einer Schiedsgerichtsregulierung ("arbitration"; Einigungsstelle) vor, die der Aussöhnung der Parteien und der Beilegung von Streitigkeiten zu dienen berufen ist.

[* Usancen im Handel sind verbindliche Gebräuche und Berufsgewohnheiten (Verhaltensnormen), die zwar nicht durch Gesetz und Rechtssprechung vorgeschrieben sind, wohl aber von den von Mitgliedern gebildeten Gremien einer Börse gefordert und befolgt werden.]

Terminbörsen waren mit Blick auf ihre Rechtsform bis in die neueste Zeit hinein allesamt nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtete Vereinigungen ("non-profit association"). Doch auch in diesem Betracht vollzieht sich derzeit unverkennbar ein Wandel. Seit Anfang dieses Jahrtausends drängen immer mehr Terminbörsen aus freien Stücken an die Börse ("demutualization"). Sie treten sodann auf in der Rechtsform einer sich selbst steuernden privatwirtschaftlichen Körperschaft. Diese Form der kapitalgeleiteten Körperschaft ermöglicht der privaten Börsenunternehmung vor allem die Gewinnerzielung für ihre Eigentümer unter Wettbewerbsbedingungen, wobei Kapitalbeschaffung durch Außenfinanzierung einen breiten Rückhalt gewährt. Nebst der hierbei gebräuchlichen Ausgabe von gleichlautenden Beteiligungstiteln beschaffen sich die Börsen außerdem die nötigen Mittel von innen, und zwar aus mehreren verschiedenen Quellen: zu einem großen Teil fließen ihnen Gelder zu aus Börsen- und Clearing-Gebühren ihrer Mitglieder ("exchange fees", "clearance fees") sowie aus sonstigen Gebühren – die Höhe derselben ist in der Gebührenordnung festgelegt –, fernerhin aus Zinseinnahmen aus unverzinslich gehaltenen Bareinlagen, darüber hinaus regelmäßig aus dem Verkauf von Echtzeit-Kurs- und sonstigen statistischen Marktdaten ("quotation data fees") wie auch aus markttechnologischen Dienstleistungen sowie endlich aus Nebeneinnahmen geschäftsfremder Bereiche (wie etwa Mieteinnahmen usw.).

Der Betrieb einer Terminbörse in jeder Art bedarf der obrigkeitlichen Bewilligung (Börsenzulassungsrecht). Er steht hierdurch notwendig unter der Oberaufsicht des Staates und seinen Staatsgesetzen, d.h. er ist der Börsengesetzgebung ebenso wie der Börsenaufsicht des jeweiligen Landes untergeordnet (subordiniert). Besondere Geltung kommt ferner den hauseigenen Ordnungsregeln der Börsen zu, die die gesetzlichen Bestimmungen noch einmal ausformen und konkretisieren. Darum unterliegt zugleich auch der Kreis der Börsenmitglieder selbst zwangsläufig der strengen Reglementierung durch die öffentliche und private Rechtsgewalt. So setzt die Teilnahme am Börsenverkehr mit unmittelbarem Zugang zur Infrastruktur einer (Parkett- oder Computer-) Terminbörse während der Börsenzeiten durchweg eine Mitgliedschaft zur Börse voraus ("exchange membership"). Zwar wird ein solches ausschließendes Recht von Vielen begehrt: Doch ist die Zahl der Mitglieder einer Derivate-Börse aus naheliegenden Gründen immer nur eine streng limitierte, wonach der Zugang allein einer stets begrenzten Zahl von Berechtigten offenstehen kann.

Die besonderen Geschäftsregeln der Börsen legen den Kreis der zur Betreibung von Handel Befugten auf eine fest geschlossene Mitgliederzahl fest. Dieser kann ebenso gut private Personen wie Unternehmungen und deren Vertreter umfassen. Allein diese erhalten Zugang zum Börsenparkett wie auch zu den elektronischen Einrichtungen einer Computerbörse. Alle Börsenvertreter ohne Unterschied müssen überdies von Gesetzes wegen sowohl fachlich lizenziert als auch an der Börse registriert sein. Dem Wirkungskreis der Letzteren gehören vornehmlich Vertreter von Geschäftsbanken, Brokerfirmen und von sonstigen Handelshäusern an, zum Teil zählen ihm aber auch private Händler mit bekannter persönlicher Rechtschaffenheit zu, denen es in die Hand gegeben ist, in fachlicher, wirtschaftlicher und technischer Hinsicht sämtliche der dafür notwendigen Bedingungen den Anforderungen gemäß zu erfüllen. Allen übrigen Interessentenkreisen dagegen – Privatanleger ebenso wie Institutionelle –, die nicht über eine Börsenzulassung für sich verfügen, ist der direkte Zutritt und die Nutzung der Börseneinrichtungen verwehrt; sie sind zur Durchführung ihrer Börsengeschäfte füglich auf die Dienste eines der Börse angeschlossenen Clearing-Mitglieds (also eben jene ausgewählte Banken, Broker und sonstige Handelsmakler und Finanzdienstleistungsunternehmungen) angewiesen*. Personen und Vereinigungen, die den aufgetragenen strengen Zulassungsvoraussetzungen zweifelsfrei zu genügen vermögen und die zugleich als eingetragenes Mitglied der Börse geführt werden, verfügen damit über das Privileg eines ungehinderten Zugangs zur Terminbörse. Man spricht in dieser Beziehung gewöhnlich von einem "Sitz an der Börse", der nicht selten einen beachtlichen Vermögenswert verkörpert. Im Falle von Terminbörsen, die als kapitalgeleitete Unternehmungen selbst an der Börse gelistet werden, sind die Sitze regelmäßig durch frei handelbare Anteilscheine ("shares") verbrieft.

[* An der Terminbörse Eurex beispielsweise sind all jene Börsenteilnehmer, die eine Clearing-Lizenz nicht in ihrem Besitze haben, gehalten, ihre Handelsgeschäfte über den Kreis derjenigen besonderen Mitglieder abzuwickeln, die über eine solche verfügen. So dürfen General-Clearing-Mitglieder (GCM) hierbei sowohl eigene als auch Kunden- sowie Aufträge sog. Nicht-Clearing-Mitglieder (NCM) einer Börse abwickeln, während sog. Direct-Clearing-Mitglieder (DCM) zwar eigene und Kundengeschäfte, aber grundsätzlich keine Geschäfte für Nicht-Clearing-Mitglieder abwickeln dürfen (Ausnahme: konzernverbundene Nicht-Clearing-Mitglieder).]

Aufzählung "Futures-Broker"

"Futures-Broker" sind besondere Handelsunternehmungen des Terminmarktes. Das Haupttätigkeitsfeld eines ordentlichen Futures-Brokers (allg.: Kommissionshandelshaus, Maklergeschäftsfirma, im Englischen verschiedentlich als "commission house", "wire house", bei Wertpapiergeschäften "brokerage house", "securities broker", bei Aktien "stockbroker" und speziell bei Futures-Brokern im US-amerikanischen Raum vielfach auch als "futures commission merchant" FCM bezeichnet) umfasst im Außengeschäft die getreue Besorgung von Börsengeschäften im Auftrag seiner Kundschaft ("retail clients"; "flow trading") gegen Vergütung einer Vermittlungsprovision (Courtage, Provision, Sensalie, "commission", "brokerage", "fee"; Börsenkommissionsgeschäft). Demgemäß besteht die erste Aufgabe der auf diesem Geschäftsgebiet tätigen Handelshäuser der Hauptsache nach in der autorisierten Besorgung einer ordnungsgemäßen Ausführung der von ihren Kunden in Aussicht gestellten Kauf- und Verkaufaufträge (Kommissionsorders) durch Weiterleitung derselben an die Börse. Aus Gründen der Vorsicht sind sämtliche der dem Broker zu diesem Zweck auf den Kundenkonten überantworteten Gelder, vergleichbar mit Fonds, grundsätzlich getrennt und gesondert von den eigenen Konten des Hauses zu unterhalten ("segregated accounts"), sodass selbst im Konkursfall des Brokers dessen Klienten einen wirtschaftlichen Schaden nicht zu besorgen haben. Unabhängig davon sind die auf den geführten Kundenkonten gehaltenen Einlagen in aller Regel von Gesetzes wegen bis zu einer gewissen Höchstsumme (in Deutschland: bis 100000 Euro) gegen Ausfälle versichert.*

[* So z. B. bei der Securities Investor Protection Corporation, SIPC.]

Maklergeschäftsfirmen können ebenso wohl als eigenständige Unternehmungen wie als Tochtergesellschaften von Banken auftreten. Sie vermitteln als Kommissionäre gewerbsmäßig zwischen ihren außenstehenden Kunden, den Kommittenten, und dem Markt. Zu diesem Zwecke bitten sie öffentlich um Zuwendung von Handelsaufträgen. Die entgegengenommenen Aufträge effektuieren sie ordentlicherweise nach außen hin in eigenem Namen, aber für Rechnung der betreffenden Kommittenten. Durch diese ihre ordentliche Tätigkeit ergeben sich von selbst sowohl eine Berechtigung als zugleich auch eine rechtliche Verpflichtung zur Leistung aus ihren Geschäften. Nichtautorisierten Dritten gegenüber sind sie bei alledem zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ihr Auskommen suchen sie hauptsächlich von den hierbei erwirtschafteten Kommissionen (Finanzkommissionsgeschäft). Die elementare Funktion eines Futures-Brokers ist demnach eine vermittelnde, die er sich durch Brokergebühren ("commission", "brokerage fee") belohnen lässt.

Die Finanzdienstleistungsunternehmungen sind emsig bestrebt, ihrer Kundschaft die Vornahme von Börsentermingeschäften in der verlangten Weise so spielend einfach und so bequem zu gestalten, als es irgend möglich ist. Darum stehen sie auch nicht an, eine Vielzahl von zusätzlichen Pflichten, Aufgaben, selbst die von Bankiersgeschäften zu übernehmen, die im Zusammenhang mit ihrer Vermittlungstätigkeit stehen, freilich alles zum Wohlwollen und Gefallen ihrer Kunden. So leisten etwa diejenigen Brokerfirmen, die einen vollständigen Dienst anzubieten gewillt sind ("full-service brokers"), auf Wunsch nützliche Beratungsdienste zur Vorbereitung wie auch zur eigentlichen Durchführung von Termingeschäften bezw. übernehmen, wofern der Kunde nicht willens oder dazu außerstande ist, auf Verlangen zeitweise oder ganz die Kontoverwaltung ("account management"; "assisted trading"). Voraussetzung für die Versehung dieser besonderen Verwaltungsfunktionen ist die Erteilung einer Handelsvollmacht an das Handelshaus von Seite des Kunden für sein Trading-Konto ("full discretionary account"). Als ergänzende Leistungen eines "full-service brokers" hinzutreten können Aufgaben, wie die Bereitstellung augenblicklicher Kursdaten und Marktinformationen*, ferner die Herausgabe hauseigener Handelsempfehlungen ("research", "investment advice") sowie endlich noch die ungesäumte Vermittlung von Nachrichten über beachtenswerte Ereignisse aus der Wirtschaftswelt.

[* Dienstleistungsunternehmungen, deren Haupttätigkeitsfeld sich auf die Lieferung von Finanzmarktdaten, Nachrichten und Analysen bis hin zu allumfassenden Software-Lösungen erstreckt, werden als Datenvendor ("data vendor", "quote vendor") bezeichnet.]

Zu den begleitenden administrativen Aufgaben und Leistungen eines Kommissionshandelshauses zählen: die Überwachung von offenen Posten, die Regelung des Zahlungs- und Dokumentenverkehrs, die Führung von Büchern, die regelmäßige Erstellung von Auftragsbestätigungen für den Kommittenten, wobei aus den selbigen sämtliche Einzelheiten der durchgeführten Transaktionen eindeutig hervorgehen müssen ("account maintenance"), sowie darüber hinaus erforderlichenfalls auch die einer Kontoeröffnung vorausgehende sachkundige Beratung und die damit einhergehende Unterstützung und persönliche Betreuung von Anlage suchenden Kunden durch geschultes, kundiges Personal. Manche Brokerhäuser bieten, um sich von den Mitstrebenden abzuheben, des Weiteren die Möglichkeit der Nutzung von Kreditkarten, Girokonten und sonstigen bankmäßigen Geschäften. Andere Brokerfirmen hinwieder, die auf diesem Gebiet lediglich eine gewisse Grundaufwartung gegen Erhebung einer schmalen Gebühr bereitzustellen gewohnt sind, heißt man "discount brokers". Darunter spricht man diejenigen Brokerhäuser, die die wesentlichsten und wichtigsten Dienste nur über das Internet ("electronic brokarage service", Internet-Brokering, Neobroker; "e-brokers", "online brokerage") oder das Telefon anzubieten gewillt sind, häufig und gern als "Direktbanken" an. Der gewandte Händler, der nach dem Motto "every man is his own broker" selber Hand ans Werk legt und seine Handelsgeschäfte selbständig zu betreiben sucht, dem an weitere Betreuung oder Beratung nichts liegt (Aktivhändler, "Self-directed-Trader"), kann als Kunde eines "deep discount brokers" auf diese Weise seinen Kommissionsaufwand leicht um bis zu 80 Prozent mindern.

Lesen Sie auf der nächsten Seite:

Arten von Futures: die verschiedenen Kontraktformen

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Wie entstehen Futures?

Aufzählung

Der Handel mit Futures

Aufzählung

Der Futureskurs

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

Aufzählung

Vergleich von Depotbanken mit deutschsprachigem Service

 

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"Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun."
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter

 

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Stand: 16. Januar 2021. Alle Rechte vorbehalten.