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Zusätzlich qualifizierte Orders

 

  •    OB-Order ("Limit-or-Better"-Order)

Im Zuge der Erledigung einer Limitorder, die zur Weiterleitung an eine Präsenzbörse bestimmt ist, wird sich der Broker vor Ort zu Gunsten des Auftraggebers beeifern, zum Mindesten zum vorformulierten Kurs abzuschließen, wenn irgend möglich aber einen besseren ("or better") für ihn auszuhandeln suchen. Ein Gleiches gilt sinngemäß auch für die Orderabwicklung über vollelektronische Handelsplattformen (Computerbörsen), wo der inneren Technik des Börsensystems diese Aufgabe übertragen ist. "Besser" heißt im Falle von Kauf-Limitorders einen niedrigeren, im Falle von Verkaufs-Limitorders einen höheren Ausführungskurs als der in der betreffenden Order vom Auftraggeber als Limitkurs benannte.

Zur Erteilung einer gültigen Limitorder bedarf es im Allgemeinen des ausdrücklichen Zusatzes "or better" nicht (allein durch die Beifügung "or better" wird der Broker nicht härter arbeiten). Eine gelegentliche Ausnahme davon zeigt der nachstehende Beispielsfall auf: Es sei angenommen, der Kurs der YZA-Aktie notiert aktuell 30,50US-$. Ein Kunde eines Wertpapierhandelshauses, der dieses Kursniveau für den Augenblick für überzogen hoch hält, gibt daraufhin eine Limitorder auf, die YZA-Aktie zu 30US-$ "or better", also äußerstenfalls auch klar unter dem herrschenden Marktpreis zu verkaufen. Der Broker, der den Auftrag zu verrichten sucht, ist nach Erhalt der Order gefordert, den Markt zunächst auf bessere Kurse als den vom Kunden festgelegten Limitkurs zu prüfen und diese anschließend erst dann im Markt zusammenzuführen.

Machen Sie von der Ergänzung "or better" also nur in solchen Fällen Gebrauch, wenn der Markt wahrhaftig "besser" ist, da es ansonsten zu Klärungsbedarf darüber kommen kann, ob es sich bei der fraglichen Order in Wahrheit nicht doch um eine Stopp-Order handelt, wodurch sich am Ende die Ausführung der Order unnötigerweise verzögern könnte.

 

Bei jenen Markt- oder Limitorders, die eigens mit der Orderbeschränkung "Fill-or-Kill" (FOK-Order, "quick order") ausgezeichnet werden, handelt es sich um einen Ordertyp, dessen Bestimmung darin liegt, an der Börse unverzüglich und dabei in vollem Umfange ausgeführt zu werden. Wird eine Preislimitorder mit dem Requisit FOK-Order versehen, so ist sie also in vollem Umfange zum benannten Limitkurs oder, wo angängig, zu einem für den Auftraggeber vorteilhafteren Kurs an der Börse zusammenzuführen. Gelingt dies im ersten Anlauf nicht, wird die betreffende "Fill-or-Kill"-Order auf der Stelle von selbst heraus storniert. Eine FOK-Order kann daher auch niemals Eingang in das Orderbuch einer Börse finden.

Der Limitkurs einer FOK-Order wird sich aus Gründen der Zweckmäßigkeit am vorliegenden Marktpreis des Zeitpunktes der Ordergabe orientieren, wie das folgende Beispiel illustriert: "Sell 500 CDE-Shares at 50, fill-or-kill.", bei einem hier supponierten Kursstand der CDE-Aktie von 49,90 US-$. An Präsenzbörsen wird der Broker auf dem Börsenparkett nach Entgegennahme der Order i. d. R. drei Mal hintereinander – aber in einer Aktion – die FOK-Order zum gesetzten Limit (oder besser) auszuführen suchen. Sollte ihm das auf Anhieb nicht gelingen, wird er die FOK-Order sogleich und zur Gänze streichen. Dabei ist es belanglos, ob kurz darauf oder später ein Handelsumsatz zum Order-Limitkurs doch noch möglich werden sollte oder nicht.

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Die Abwicklung der FOK-Order erfolgt insgesamt sehr rasch, so dass es sich bei telefonischer Ordererteilung für den Investor lohnen kann, während die Order zur Ausführung gebracht wird am Telefon auf eine Ausführungsbestätigung ("a fill") zu warten.

Eine FOK-Order erweist sich oftmals dann als zweckvoll, wenn der Kauf oder Verkauf einer ganz bestimmten, vorgegebenen Zahl von Wertpapieren beabsichtigt ist, aufgrund der gerade gegebenen Markverhältnisse indes im Voraus zu erkennen oder zu vermuten ist, dass eine Ausführung zum vorgesehenen Kurs lediglich in einer unerwünschten, womöglich geringeren Stückanzahl zustande kommen wird. Durch den Gebrauch einer FOK-Order können Teilausführungen und die meistenteils hierdurch verursachten zusätzlichen Handelskosten unter Kontrolle gehalten oder sogar ganz vermieden werden.

Eine Teilausführung ist bei der Erledigung einer FOK-Order somit grundsätzlich nicht zulässig. Leider findet dieser Leitgedanke einer FOK-Order nicht durchweg bei jeder Wertschriftenbörse resp. bei jedem Brokerhaus seine rückhaltlose Beachtung. Daher empfiehlt es sich im hohen Maße, vor Gebrauch des FOK-Orderzusatzes verlässliche Informationen über deren Handhabung im Marktprozess einzuholen. Auf das obige Beispiel gemünzt wird der Broker jedoch im Regelfall der Praxis seine Mühe daran wenden, alle 500 CDE-Aktien zusammen auf einen Schlag zu verkaufen. Gelingt ihm dies nicht, wird die betreffende Order auf der Stelle gestrichen. Das Gesagte findet natürlich ganz analog auch für Aufträge an den Computerbörsen seine Entsprechung.

 

  •    IOC-Order ("Immediate-or-Cancel-Order")

Die IOC-Order ("Immediate-or-Cancel-Order", auch "Immediate and Cancel Order" oder kurz IC-Order genannt) wird in Verbindung mit den Limitorders verwendet und beansprucht ebenso wie die "Fill-or-Kill"-Order eine sofortige Orderausführung, aber nur soweit als möglich ist. Der unausgeführte Teil wird daraufhin sogleich gelöscht. Der Unterschied zur "Fill-or-Kill"-Order besteht mithin darin, dass die IOC-Order Teilausführungen ermöglicht. Was ihre Bestimmung angeht, so findet die IOC-Order gehäuft bei Kauf- und Verkaufaufträgen von "round lots" in größerer Zahl Verwendung.

Beispiel: Ein Investor ordert 800 DEF-Aktien zu 19 US-$/Aktie, "Immediate-or-Cancel". Die Order gelangt nur wenige Augenblicke später auf das Parkett der Börse. Es kommt ein Handel über lediglich 400 DEF-Aktien zu 19US-$ zustande, dann steigt der Kurs auf 19,20US-$. Der übrig gebliebene Teil der Order wird daraufhin sofort gestrichen, und der Auftraggeber erhält eine Ausführungsbestätigung über 400 DEF-Aktien zu 19US-$/Aktie. Auch bei der IOC-Order ist es unerheblich, ob im Anschluss hieran ein Handel zum Order-Limitkurs von 19 US-$ nochmals möglich gewesen wäre.

 

AON-Orders ("All-or-None-Orders") sind dadurch charakterisiert, dass sie ihrem Zweck nach stets in einem Handelsakt und dabei in vollem Umfange zusammenzuführen sind; lässt sich dies unter den an der Börse herrschenden Marktverhältnissen nicht im ersten Anlauf und im vorgesehenen Maße einrichten, so bleibt die fragliche Order im Orderbuch vermerkt, solange bis ein "matching" gegebenenfalls später ermöglicht wird. Ähnlichkeit zu einer FOK-Order findet die AON-Order insofern als sie Teilausführungen keinesfalls zulässt. Der Unterschied zur FOK-Order liegt indessen in der Zeitkomponente: AON-Order werden gewohnheitsmäßig nicht storniert, wenn sich eine vollumfängliche Orderausführung nicht sogleich und unmittelbar erzielen lässt. Durch den Einsatz einer AON-Order vermeidet der Börsenhändler, dass seine Order zu verschiedenen Zeitpunkten, und oftmals damit einhergehend, zu unterschiedlichen Kursen zu seinem Nachteil ausgeführt wird.

Die grundsätzliche Schwäche, die einer AON-Order anhaftet, ist darin zu sehen, dass sie gewöhnlich nur einen sehr geringen Prioritätsrang aufweist. Sie steht erst dann zur Ausführung an, nachdem alle sonstigen Orderarten, vorrangig Markt- und Limitorders, im laufenden Marktprozess vollständig bedient werden konnten. Außerdem werden nicht selten Handelsvolumina von mindestens drei "round lots" (i. d. R. = 300 Aktien) für ihre Verwendung vorausgesetzt.

Praktisch finden AON-Orders vorwiegend an US-amerikanischen Börsenplätzen Anwendung, speziell im Zusammenhang mit größeren Limitorders, die über mehrere "round lots" lauten. Marktorders indes, die mit dem Requisit "AON" versehen sind, werden von den Börsen regelmäßig zurückgewiesen.

Noch weitere darüber hinausgehende Varianten sind: a) die sogenannte Scale Order und b.) die Eisberg-Order ("iceberg order"). Eine Scale Order legt bestimmte Preisintervalle fest und ordnet diesen jeweils bestimmte Mengen an Wertpapieren zu, die zu den verschiedenen abgestuften Preisen ge- bzw. verkauft werden sollen; Eisberg-Orders (auch "hidden-size order" genannt) dagegen werden häufig von institutionellen Marktteilnehmern zum Kauf wie auch zum Verkauf größerer Stückzahlen verwendet. Um unliebsame Einflüsse auf den Gang der Kurse durch selbstgemachte Handelsvorgänge ("price impact") zu vermeiden, falls eine übergroße Order auf einmal an den Markt gelangt, wird das ins Auge gefasste Gesamtvolumen nicht in einem Gusse am Markt untergebracht, sondern mithilfe der Eisberg-Order zuerst in einzelne getrennte Abschnitte heruntergebrochen, die dann anschließend als Teilorders verpackt etappenweise zur Ausführung gebracht werden. Eine Eisberg-Order als solche bleibt im Markt aufrecht, bis das von ihr umschlossene kumulative Transaktionsvolumen vollständig abgewickelt werden konnte. Für Dritte erkennbar wird dabei in der Regel immer nur der Umfang der im Augenblick gerade zur Ausführung anstehenden Teiltransaktion ("die Spitze des Eisberges"), nicht jedoch der Gesamtumfang der Eisberg-Order.

 

Eine sog. Alternativ-Order ("alternative order", auch OCO-Order, "one cancels other order" genannt) besteht zwar aus zwei separaten Teil-Orders, die aber zusammen auf einem Orderticket vermerkt und damit als ungeteilte Einheit auch gehandhabt werden. Durch Einhändigung einer Alternativ-Order wird der Broker angewiesen, sobald eine der beiden Teil-Orders am Markt Erledigung finden konnte, die übrig gebliebene Order umgehend zu stornieren. Alternativ-Orders zählen zu den strategisch kombinierten Aufträgen ("strategy orders"), die zwar nicht an allen, doch an vielen Wertpapierbörsen ausdrücklich statthaft sind. Strategisch kombinierte Orders tragen zur Erhöhung der Planungssicherheit bei, indem sich sämtliche ihrer Teil-Orders konzeptionell aufeinander zupassen lassen.

Wiewohl grundsätzlich alle möglichen Arten von Orders miteinander kombiniert werden können, handelt es sich bei der einen Teil-Order einer Alternativ-Order typischerweise um eine Limitorder, bei der anderen regelmäßig um eine Stopp-Order. In Erwartung steigender Kurse ("bullish strategy") liegt auch hier der Stopp-Kurs der Kauf-Stopp-Order über dem laufenden Marktpreis, während der Limitkurs der Kauf-Limitorder unter dem laufenden Marktpreis gesetzt wird. Für eine Spekulation auf fallende Kurse ("bearish strategy") gilt hingegen: Der Stopp-Kurs der Verkauf-Stopp-Order liegt unter dem aktuellen Marktpreis und der Limitkurs der Verkauf-Limitorder über dem aktuellen Marktpreis.

Ein Beispiel einer Spekulation à la Hausse-("bullish"): Die CDE-Aktie notiert 25US-$. Ein Kapitalanleger erwartet, dass die CDE-Aktie zwar kurzfristig im Kurse noch etwas nachgeben, auf lange Sicht jedoch nachhaltig anziehen wird. Der Anleger könnte nun einfach eine Limitorder mit einem Limitkurs von knapp unter 25US-$ einreichen. Allerdings birgt dies die Gefahr, dass die CDE-Aktie zu steigen beginnt, ohne dass der Limitkurs vorher noch einmal erreicht wird. Um dieser Möglichkeit entgegenzuwirken, kommt eine OCO-Order in Betracht. Entsprechend könnte unser Investor nun die folgende OCO-Order erteilen: "Either Buy 500 CDE-Shares at 24,50 or Buy 500 CDE-Shares at 26,50, Stop". Auf diese Weise gelingt es ihm zuverlässig, auch im Falle unmittelbar steigender Kurse Position zu beziehen.

Zur Erläuterung: Fällt nun im Anschluss daran die CDE-Aktie im Kurse auf 24,50 US-$ oder noch darunter, so gelangt hierdurch die Limitorder zur Ausführung; gleichzeitig aber wird die dazugehörige Stopp-Order gestrichen. Steigt hingegen die CDE-Aktie, ohne vorher nochmals im Kurs auf 24 US-$ zurückzufallen, über 26,50 US-$, so führt dies zur Ausführung der Stopp-Order und die Limitorder wird im selben Zuge gecancelt.

Doch Achtung: Wie es bei Limitorders gängige Praxis ist, wird stillschweigend unterstellt, dass der Anleger sich auch zu einer Teilausführung seiner Limitorder versteht! Was von Limitorders selbst, gilt freilich auch von Limitorders als Bestandteil von OCO-Orders. Kommt es nun tatsächlich zu einer Teilausführung der Limitorder, die Teil einer OCO-Order ist, so wird üblicherweise ihr Stopp-Order-Teil gleichzeitig um die Anzahl der bereits georderten Wertpapiere herabgesetzt.

Der Einsatz einer OCO-Order ist im Allgemeinen dann zweckmäßig, wenn zwei zwar in enger Beziehung zueinander stehende, sich aber in ihrer Umsetzbarkeit gegenseitig ausschließende Orders erteilt werden sollen. Eine ordnungsgemäße Ordergabe einer OCO-Order, die vom Broker korrekt gehandhabt wird, bietet beste Gewähr dafür, dass beide Orders nicht ungewollt gleichzeitig auf dem Markt ausgeführt werden.

 

DNR-Orders ("Do-not-Reduce-Orders") sind besondere Order-Anweisungen an den "specialist" der NYSE, am Ex-Dividende-Tag Verkaufs-Stopp- bzw. Kauf-Limit-Kurse nicht, wie sonst üblich, eigenständig um den Dividendenbetrag zu reduzieren.

 

Mit Einreichung einer "discretionary order" überträgt der Kunde, sowie es sich dazu entschlossen hat, vorübergehend oder auf Dauer verbindlich Handelsvollmacht auf seinen Kontenbetreuer. Das mag z.B. dann am Platze sein, wenn der Kunde für irgend eine Zeit nicht willens oder außerstande ist, sich selbst seiner Börsengeschäfte anzunehmen (etwa wegen Urlaub, Krankheit usw.), während er rückhaltlos Vertrauen in die gründlichen und umfassenden Handelsfähigkeiten der Mitarbeiter seines Brokerhauses setzen kann.

Bei den "discretionary orders" unterscheidet man "full discretionary orders", auf deren Grundlage der Bevollmächtigte vollständige Handelsvollmacht über das Kundenkonto erhält, und "limited discretionary orders" ausgestattet mit lediglich eingeschränkter Handelsvollmacht. Letztere wieder kann sich beziehen auf individuelle Einzelvereinbarungen mit dem bevollmächtigten Broker von unterschiedlichster Art, z.B. auf das Volumen der zu handelnden Wertpapiere, oder darauf, ob einzig gekauft ("buy order") oder verkauft ("sell order") werden soll. Befindet der Kunde selbst über sämtliche der Spezifikationen seiner Order bis auf den Preis bzw. das Preisintervall und die Zeitwahl ("timing") – also den vorteihaftesten Zeitpunkt der Orderplatzierung, so handelt es sich nach den NYSE- und NASD-Regeln allerdings nicht mehr um "discretionary orders".

Andererseits können "limited discretionary orders" auf der Grundlage spezieller Konti, sog. "limited dicretionary accounts", erteilt werden. "Limited dicretionary accounts"  charakterisieren sich dadurch, dass der Kundenbetreuer des beauftragten Brokerhauses zwar uneingeschränkte Handelsvollmacht besitzt, jedoch die Befugnis nicht hat, Geld vom Kundenkonto abzuheben bzw. darauf einzuzahlen.

Eine gänzlich andere Art von Handelsvollmacht stellt die "market not held order" dar. Mit deren Verwendung gewähren Sie dem "floor broker" einen gewissen Ermessensspielraum, zu welcher Zeit genau während der Börsensitzung Ihre eingereichte Order ausgeführt werden wird. Die Qualität der Orderausführung  einer "market not held order" ist damit unweigerlich mit der höchst persönlichen Fähigkeit eines Brokers verknüpft, den gelegenen Zeitpunkt für ihre Ausführung adäquat einzuschätzen.

 

 

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"Das Grundvermögen desjenigen, der eine Kunst oder Handwerk zu betreiben versteht, ist seine eigene Person."
Nicolas François Canard, (1750-1833), französischer Finanzwissenschafter
 

 

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Stand: 14. April 2017. Alle Rechte vorbehalten.