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Die Geschichte der Börsen reicht durch der Jahrhunderte Lauf in eine recht frühe Zeit zurück. Auf dem europäischen Festland beginnt sie auf holländischem Boden mit der Errichtung größerer Markt- und Handelsplätze im Zeitalter der Renaissance, also etwa von 1350 n.Chr an. Zwar gab es an festliegenden Plätzen bei zahlreichen Gelegenheiten immer wieder Versammlungen in zwangloser Folge; die erste Wertpapierbörse indessen, die diesen Namen wahrhaft verdient, entstand erst eine reichliche Zeit später, nämlich im Jahre 1611 in Amsterdam (Niederlande). Die ersten Gesellschaftsanteile, die dort den Börsenvorschriften gemäß umgesetzt wurden, waren Anteile der United East India Company. Auch gab es in dieser geschichtsträchtigen Vergangenheit am Börsenort Amsterdam bereits frühe Ansätze eines geregelten Terminhandels. Die älteste und bis in die Gegenwart hinein geschäftige Warenterminbörse der USA, der unlängst in die CME Group aufgegangene Chicago Board of Trade (CBOT), wurde nachmals im Jahre 1848 gegründet. Die nämlich Börse begann ihren Betrieb mit dem Handel in sogenannten Forwards, denen unentbehrliche Agrarerzeugnisse zur Auswahl zugrunde lagen.

In den Vereinigten Staaten von Amerika trifft man gegenwärtig auf neun größere und nebst ihnen auf zahlreiche kleinere Börsen, die elektronische Handelsplattform der einstigen Händler am "Over-the-Counter-Markt" (OTC), NASDAQ, mit einbezogen. Der US-amerikanische Kapitalmarkt gilt bereits seit vielen Jahren damit als der größte und am weitesten verzweigte Kapitalmarkt der Welt.

  •    Die New York Stock Exchange (NYSE)

Zur Geschichte der NYSE

Schon um das Jahr 1700 wurden in der Weltstadt New York in den Vereinigten Staaten von Nordamerika Wertpapiere in Umlauf gebracht. Zu jener Zeit schuf eine Gruppe von freiem Unternehmungsgeist beseelte Händler die ersten wohl geordneten, geregelten Wertpapiermärkte für Emissionen von Schuldtiteln der amerikanischen Bundesregierung. Daneben betrieben sie Märkte für neu gegründete Unternehmungen, die dank dem durchschlagenden technischen Fortschritt zumal bei der Verfertigung von Sachgütern so auch im Transportwesen in diesem Zeitalter in gehäufter Zahl aufkamen.

Die altehrwürdige Geschichte der New York Stock Exchange begann, ohne großes Aufsehen zu erregen. Am 17. Mai 1792 fand sich in Manhattan (zu New York) eine kleine Gruppe von anfangs bloß zwei Dutzend Geschäftsleuten gewohnheitsmäßig unter freiem Himmel an einem gemeinschaftlich gewählten Geschäftsplatz vor einem aufgesuchten Plantanenbaum zusammen. An diesem mittlerweile geschichtsträchtigen Zusammenkunftsort gelobten sie, nach Maßgabe einer vorab handschriftlich beurkundeten Vereinbarung (Buttonwood-Abkommen) von nun an den regelmäßigen Handel mit Aktien und Anleihen zu den vorher festgesetzten Spesen (Kommissionen) aufzunehmen. In der Folgezeit blühte der freie Handel allmählich empor, und durch den sich einstellenden Erfolg bestärkt gründete die Gruppe zur besseren Regelung des Verkehrsablaufs am 8. März 1817 alsdann einen eigenständigen Brokerverband. Dessen Mitglieder verpflichteten sich dazu, als rechtmäßige Veranstalter des Marktes in regelmäßiger Folge zu ganz bestimmten Zeiten den dortigen Sammelplatz aufzusuchen, um fortan einen auf allgemein verbindliche Vorschriften beruhenden geordneten Handel in Wertpapieren zu treiben. Zu dessen Festigung fassten die teilnehmenden Händler eine eigens darauf zugepasste Satzung ab, nach deren Bestimmungen im weiteren Verlauf der New York Stock and Exchange Board (das zuständige Börsenaufsichtsgremium) hervorging. Durch diesen wurde der Wertpapierhandel endlich zu einer ständigen Einrichtung erhoben.

Mehr als hundert Jahre später, und gut fünf Jahre nach dem "Wall Street Crash" vom 24. Oktober 1929, wurde diese Körperschaft schließlich durch die Securities Exchange Commission (SEC, die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde über den Wertpapierhandel) abgelöst, die seither nun verantwortlich zeichnet als die Anstalt für die Regulierung des Wertpapierhandels nicht nur an der Wertpapierbörse zu New York, sondern für sämtliche der in den Vereinigten Staaten ansässigen Börsen.

Heute ist die NYSE mit ihren rund 8000 vertretenen Titeln, darunter etwa 2800 eingetragene Aktiengesellschaften mit einem verkörperten Aktienkapital im stattlichen Gesamtwert von mehr als 10 Billiarde US-Dollar bei einem täglichem Handelsvolumen von durchschnittlich 4,5 Mrd. Anteilsscheinen unter den Präsenzbörsen die größte Aktienbörse der Welt. Die NYSE war bis zum 2. März 2006 eine (non-profit) juristische Person mit 1366 festbestimmten Mitgliedern, und zwar wie folgt: Sie hat eine Satzung und ein fest umrissenes Regelwerk (Marktmodell), worauf ihre Wirkungsweise beruht und dem ihre Mitglieder verpflichtet sind. Der aus 27 Personen bestehende Aufsichtsrat wird von den Mitgliedern gewählt und soll sämtliche Börsenaktivitäten überwachen. Der personellen Zusammensetzung nach sind zwölf der Direktoren Mitglieder, zwölf weitere sind sogenannte öffentliche Direktoren, jedoch keine Mitglieder. Die übrig bleibenden drei Direktoren sind der "chairman", der "executive vice-chairman" und der Präsident.

Nach 213 Jahren endlich ging die NYSE unter der Aufschrift NYSE Group, Inc. am 7. März 2006 selbst an die Börse. Ihre Aktien (die nach Akquisition von Archipelago Holdings Inc. einschl. ihrer elektronischen Handelsplattform nunmehr auch deren Werte enthielt und mit dem Tickersymbol "NYX“ notierte) ging nach Börseneinführung am 8. März 2006 mit einer Schlussnotierung von 67 US-$ aus dem Handel. Nach dem Zusammenschluss mit der Mehrländerbörse Euronext am 4. April 2007 firmierte die Börse alsdann unter dem Namen NYSE Euronext. Die NYSE, zu der die New York Stock Exchange, dazu Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon sowie die Terminbörse NYSE Liffe gehören, war auch im Jahre 2015 mit einem Marktwert der notierten Gesellschaften von rund 20 Billionen US-Dollar die größte Börse der Welt. Gegenwärtig wickelt die NYSE an ihren Aktienmärkten, der New York Stock Exchange, der NYSE Euronext, NYSE MKT, NYSE Alternext sowie der NYSE Arca, rund ein Drittel des Welthandels in Aktien und Eigenkapital verkörpernden Wertpapieren ab. Heute gehören die NYSE und die Euronext der Holding-Gesellschaft Intercontinental Exchange, wo diese seit 2013 selbständige Abteilungen bilden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Funktionsweise der NYSE

Um Mitglied der NYSE zu werden und in den Genuss der damit verbundenen Privilegien zu kommen, muss einer der begehrten Sitze ("seat", vergleichbar mit einem (elitären) Mitgliedsausweis) von einem derzeitigen Mitglied und Inhaber eines Sitzes erworben werden, der hierbei unter Vorbehalt der Übertragung allein auf natürliche Personen übertragen werden kann. Zudem muss der Applikant um einen Sitz einen guten Leumund vorweisen, von mindestens zwei aktiven Mitgliedern gesponsert sein und vom Börsenvorstand der NYSE für würdig befunden werden, diesen Sitz zu übernehmen. Darüber hinaus muss der Erwerber eine spezielle schriftliche Prüfung erfolgreich ablegen.

Nur über einen derartigen Sitz steht neuen Börsenmitgliedern der Zugang zu den umfangreichen Vorrichtungen des Handelssystems offen, die die NYSE ihren Mitgliedern zum Zwecke der Orderabwicklung und der Durchführung des Handels anbietet. Da der größte Teil an Transaktionen in Wertpapieren, und zwar sowohl im Hinblick auf Marktkapitalisierung als auch auf Zahl der gehandelten Werte, an der NYSE abgewickelt wird, besitzt dieses Privileg nicht selten einen beachtlichen Vermögenswert. Der bisherige Spitzenpreis, den ein Sitz an der New Yorker Börse erzielte, beträgt immerhin 3,25 Mio. US-Dollar.

Angesichts der erheblichen Vorteile, die eine Mitgliedsstelle an der Börse bietet, überrascht es nicht, dass weitaus der größte Teil der rund 500 amerikanischen Brokerhäuser zugleich auch zu den Mitgliedern der NYSE zählen. Manche Brokerfirmen sind sogar mehrfach Mitglied der Börse und sie alle nennen sich übereinstimmend "member firm".

Mitglieder der NYSE lassen sich jeweils einer der folgenden Kategorien zuordnen, abhängig davon, welche Funktionen sie ausüben:

  1. Commission- oder Floor-Broker: Diese nehmen Orders entgegen, die Kunden den Brokerfirmen, für die sie tätig werden, erteilen und und richten ihre Bemühungen darauf, diese in eigenem Namen, aber auf Rechnung des Kunden am Parkett dem Vorhaben gemäß ganz in deren Sinne auszuführen. Für ihre Dienste erhalten sie von den jeweiligen Auftraggeber eine Provision, z.B. einen vorab festgelegten Promillesatz am Umsatz, evtl. zudem einen Mindestbetrag sowie einen nach der Umsatzhöhe gestaffelten Promillesatz. Die Brokerfirmen, in deren Auftrag sie arbeiten, erhalten darüber hinaus von ihren Kunden für ihren Service eine Maklergebühr ("commission", "brokarage fee", "fee"), welche i. d. R. sämtliche auflaufende Kosten des Hauses abdeckt. Floor-Broker dürfen jedoch keinesfalls für eigene Rechnung handeln.

  2. Floor-Trader ("competitive trader", "registered trader"): Natürliche Personen, die einen Börsensitz käuflich erworben haben und ausschließlich für eigene Rechnung handeln dürfen.

  3. Sog. 2$-Broker (auch Floor-Broker): Sie unterstützen andere Mitglieder bei hohem Orderfluss und erhalten dafür einen Anteil der von Kunden zu entrichtenden "commissions".

  4. Spezialisten ("specialists"), die seit neuem unter dem Namen "designated market makers" bekannt sind: Ihnen kommt die Aufgabe zu, einen fairen und ordentlichen Handelsablauf zu gewährleisten.  Je nach Marktlage können sie zur Erledigung dieser Aufgabe wahlweise entweder die Funktion eines Floor-Brokers oder die eines Floor-Traders ausüben. Als Gegenpartei für andere Akteure bewirken sie durch ihre ständige Transaktionsbereitschaft einen insgesamt stabilen, kontinuierlichen Handel im betreuten Handelsinstrument ("Marktpflege") und sorgen so für einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage.

Von den 1366 Mitgliedern fielen rund 700 auf Floor-Broker, 400 auf Spezialisten, 225 auf 2$-Broker und der Rest auf Floor-Trader. Im Zuge des Trends hin zu einem immer schnelleren elektronischen Handel hat sich indessen ihre Zahl heutigentags mehr als um die Hälfte verringert.

Eine zum Handel an der NYSE ("The Big Board") zugelassene Aktie wird als "listed stock" bezeichnet. Jede Aktiengesellschaft, die ihre Aktien an der NYSE notiert sehen will, muss dazu vorher einen entsprechenden Antrag auf Börseneinführung bei der zuständigen Zulassungsstelle der Börse einreichen. Die in dieser Angelegenheit erstmalige Kontaktaufnahme mit Vertretern und Mitgliedern der NYSE ist im Allgemeinen zunächst mehr nur informeller und vertraulicher Art. Hierbei wird insbesondere die Frage geprüft, ob eine Zulassung zum Handel überhaupt mehrheitsfähig ist. Wenn Letzteres feststeht, folgt in aller Regel kurze Zeit später die interne Billigung durch die Börse nach. Im Anschluss daran wird die Unternehmung ihren Antrag auf Zulassung zum Handel nun auch in der Fachpresse förmlich veröffentlichen. Aufgrund der bereits stillschweigend erfolgten Sanktionierung des vertraulichen Antrags ist die Genehmigung der Börsenzulassung in diesem Abschnitt nichts weiter als eine reine Formsache.

Die Zulassungskriterien richten sich insonderheit nach 1.) dem Grad des nationalen Interesses an dem neu zu listenden Unternehmen, 2.) seine relative Position und Stabilität innerhalb seiner Branche, und 3.) danach, ob Aussicht besteht auf zum Mindesten eine Aufrechterhaltung der relativen wirtschaftlichen Stellung und Bedeutung innerhalb einer sich entwickelnden Gewerbezweiges.

Die gelisteten Aktiengesellschaften verpflichten sich außerdem, jährlich pekuniäre Beiträge von gewisser Höhe zu entrichten sowie ganz bestimmte unternehmerische Informationen, fallweise und auf regelmäßiger Basis, vor die Öffentlichkeit zu bringen.

Wie aber, wenn das Kaufverlangen der Anleger nach der notierten Aktiengesellschaft mit einem Male schwindet, in der Art, dass ihre Anteile kaum noch umgesetzt werden? Nun, in diesem Falle kann die NYSE die betreffende Aktie wieder streichen. Sobald dies einmal beschlossene Sache ist, wird die Aktie ganz einfach außer Kurs gesetzt und steht damit dem Handelsverkehr auch nicht mehr zur Verfügung ("delisting"). Gleiches gilt sinngemäß für Fusionen bzw. Übernahmen. Davon strikt zu trennen ist das zeitweilige Aussetzen der Notierung im laufenden Handel an der Börse (= "trading halt") infolge wichtiger Neuigkeiten oder veranlasst durch selbsttätig wirkende "circuit breaker".

Aktiengesellschaften können grundsätzlich an mehreren nationalen und internationalen Börsen parallel notieren. Das ist insbesondere bei nicht-US-amerikanischen Aktiengesellschaften oft der Fall, die nicht allein für den börsenmäßigen Handelsverkehr in ihrem jeweiligen Heimatland bestimmt sind. Doch handelt es sich bei jenen Anteilsscheinen dabei nicht immer um "echte" Aktien der Aktiengesellschaft, die dann an der NYSE Euronext notieren, sondern normalerweise um sog. "American Depository Receipts" (ADRs). Dies sind von US-Banken emittierte Finanzierungsvehikel, die indirekte Eigentümeransprüche an einer bestimmten Anzahl von Aktien einer ausländischen Kapitalgesellschaft verbriefen. Die eigentlichen Aktien werden bei einer Bank im Heimatland der Gesellschaft fest unter Verschluss gehalten.

 

Der Handelsablauf an der NYSE

Es gibt an der NYSE grundsätzlich zwei unterschiedliche Handelsformen (Marktkoordinationsformen): Den sogenannten Auktionsmarkt und den Dealer-Markt (Market-Maker-System). Hierzu ein Beispiel:

Ein geerbtes Gemälde von gewissem Kunstwert soll verkauft werden. Das Bild wird zu einem Auktionshaus gebracht, wo der Auktionator Angebote dafür akzeptiert. Wer das höchste Preisangebot abgibt, erhält den Zuschlag. Eine hierzu alternative Möglichkeit besteht nun darin, das besagte Gemälde zu einem Kunsthändler zu bringen, der es ankauft mit dem Plan, es gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Der Handelsablauf an der NYSE wird vorwiegend bestimmt vom Prinzip des kontinuierlichen Auktionsmarktes. Dieser vollzieht sich dabei ganz konkret an einem physischen Ort, dem sog. Parkett ("trading post", in einer Gesamtgröße von 27000 square feet), wo die im Verkehr stehenden Wertpapiere von zahlreichen persönlich anwesenden Brokern und Händlern fortlaufend gehandelt werden.

Jedem eingetragenen Wertpapier wird einer von 20 verschiedenen Posten, das ist einer jener bestimmten physischen Orte auf dem Parkett, zugewiesen (dieser ist in seiner Form meist oval oder sechseckig). Gewöhnlich werden mehr als eine Aktiengattung an diesem zugeteilten Platz gehandelt, niemals aber werden Aktien einer Aktiengattung gleichzeitig an mehreren Orten auf dem Parkett gehandelt.

An der NYSE stehen die Spezialisten ("specialists", "designated market makers") im Mittelpunkt des Handelsgeschehens. Jede dort gelistete Aktie wird einem bestimmten vom Börsenvorstand beauftragten Spezialisten unmittelbar zugeordnet. Diese Zuordnung schließt Vorzugsaktien bzw. Optionsanleihen der betreffenden Aktiengesellschaften mit ein. Industrieanleihen ("bonds") werden von den Spezialisten jedoch nicht betreut. Es gibt aber auch einige bestimmte Aktien, die von zwei oder mehr Spezialisten geführt werden: So kommen auf Konto der 400 Spezialisten ungefähr 1600 Stammaktien.

Bis in die neueste Zeit hinein wurde im Zuge des Orderflusses jede einzelne Kauf- bzw. Verkauforder physisch zu jenem Orte transportiert, der dieser Aktie von der Börse explizit zum Zwecke ihrer Zusammenführung im Handelsverkehr zugeteilt worden ist, d.i jener Ort auf dem Parkett, wo der Spezialist während der Handelszeit an der NYSE durchgehend präsent ist. Diese Aufgabe wird heutzutage vollständig auf elektronischem Wege über ein multilaterales Handelssystem erledigt. An der Präsenzbörse wird jede von außen her eintreffende Order entweder an ihrem zugewiesenen Ort eines der beiden großen Handelsräume auf der Stelle ausgeführt oder verbleibt – soweit eine sofortige Ausführung im Markt nicht möglich ist – im Orderbuch des zuständigen Spezialisten zur späteren Ausführung vermerkt.

Die Funktionsweise der NYSE lässt sich am treffendsten anhand eines Beispiels erläutern: Herr K. fragt seinen Broker telefonisch nach dem aktuellen Aktienkurs von General Motors. Der Broker prüft daraufhin die aktuelle Kursstellung auf einem Handelsbildschirm und stellt fest, dass der Geldkurs bei 61 US-$ ("bid") und der Briefkurs bei 61,25 US-$ ("ask") liegt. Er erkennt zudem, dass der Spezialist auf dem Parkett gewillt ist, bei diesem Geldkurs mindestens 100 Aktien zu kaufen und nicht weniger als 400 Aktien zum genannten Briefkurs zu verkaufen. Nachdem Herr K. diese Informationen von seinem Broker erhalten hat, erteilt er einen Auftrag, 300 General Motors Aktien bestens – "at the market" – zu kaufen. Sofort übermittelt der Broker diese Kauforder an seine Hauptgeschäftsstelle in New York, von wo aus die Order geradewegs an den Stand der Brokerfirma am Börsenparkett weitergeleitet wird. Der für die Brokerfirma örtlich gegenwärtige Commission-Broker befördert die Order sodann zu jenem festen Handelsplatz, wo General Motors Aktien regelmäßig gehandelt werden.

Eine im Markt wirkende, indessen derzeit nicht ausführbare Kauforder zu angenommen 61US-$ zeigt auf, dass gegenwärtig niemand zum oder zu einem unter diesem Kurs zurückbleibenden Kurs zu verkaufen bereit ist; eine noch nicht ausgeführte Verkaufsorder zu angenommen 61,25US-$ gibt zu erkennen, dass kein höherer Kaufpreis bezahlt zu werden braucht, um jene Aktie gleich jetzt zu erstehen. Falls ein solcher Spread – also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs – nur genügend groß ist, führt dies zu einer Preisspanne möglicher "Trades" (Einigungsbereich) und es beginnt naturgemäß eine Auktion zwischen den einzelnen Commission-Brokers, wobei es zu Umsätzen zu allen Kursen kommen kann, die zwischen den vom Spezialisten vorgegebenen Geld- und Briefkursen liegen. Allein durch die Marktmacht (Marktprozess und Anpassungshandlungen) wird hierbei der tatsächliche Kurs festgesetzt. Diese Art von Auktion bezeichnet man als "doppelseitige Auktion", da Kauf- und Verkaufsinteressenten gleichermaßen an ihr beteiligt sind.

Aber würde geschehen, wenn Herrn K.s Order auf keine Resonanz stieße? Nun, in diesem Falle hätte der Spezialist die Gegenposition eingenommen und 300 General Motors Aktien zu einem Stückpreis von 61,25 US-$ an Herrn K.s Broker verkauft. Der tatsächliche Verkäufer in diesem Beispiel kann einmal der Spezialist selbst oder ein dritter Verkäufer sein, dessen Limitorder im Buche des Spezialisten zwischenzeitlich zur Ausführung offen stand.

Ist die Geld-Brief-Spanne ("spread") verhältnismäßig schmal, so dass diese nur schwerlich einen Gestaltungsspielraum einräumt, wird der Spezialist die betreffende Order als Marktorder (Bestens- bzw. Billigst-Order) unmittelbar selbst ausführen.

Seit der Übernahme von Archipelago Holdings Inc. arbeitet die NYSE nunmehr neben dem traditionellen Parketthandel auch über deren elektronische Handelsplattform.

 

  •    Leerverkäufe ("short selling")

Eine triviale Börsenweisheit lautet: "Kaufe billig und verkaufe teuer!". Der weit überwiegende Teil der Geldanleger spekuliert auf Gewinne, indem sie Aktien zunächst kaufen in der Hoffnung, sie später wieder teurer verkaufen zu können. Bei Leerverkäufen wird dieser Prozess indes umgekehrt: Der Investor verkauft zuerst, nachher kauft er (hoffentlich mit Profit zu billigeren Kursen) zurück.

Leerverkäufe in Wertpapieren werden an den Kassa-Börsen regelmäßig eingeleitet durch Verkauf geschuldeter Stücke, zu deren Verschaffung die Vornahme einer Wertpapierleihe grundsätzlich Voraussetzung ist. Ein daraus hervorgegangener Kredit in Wertpapieren wird zu einem gelegen Zeitpunkt wieder getilgt durch Erwerb und Rückstellung von Wertpapieren gleicher Art und Menge. Der Unterschied von einem herkömmlichen Kredit liegt darin, dass es sich bei der ausgeliehenen Sache nicht um Geld, wie es Euro oder Dollar usw. sind, handelt, sondern um besondere Urkunden. Diese Vertragsurkunden sind es, die nach außen einen bestimmten Eigenwert verkörpern, der sich wiederum in Euro, Dollar usw. genau beziffern lässt. Oder was in anderer sprachlicher Einkleidung dasselbe sagen will: Der Kreditnehmer stellt den Kredit dadurch zurück, dass er dem Kreditgeber die gleichen (nicht zwangsläufig dieselben, da vertretbare) Urkunden in gleicher Zahl zurückstellt. Damit einher geht jedoch notwendig der Verzicht auf den Anspruch auf die in den Urkunden verbrieften Zins- und Dividendenzahlungen.

 

  •    American Stock Exchange (AMEX)

Im Jahre 1921 fand sich in zweiter Generation eine Gruppe junger Börsenhändler zusammen. Diese verlegte sich auf Transaktionen in solchen Aktien und Anleihen, die sich aufgrund ihres eher geringen Marktaufkommens nicht für eine Notierung an der NYSE qualifizieren konnten. Hierauf gründeten sie eine eigens ausgerichtete Organisation. Diese Organisation, die seit 1953 den Namen "American Stock Exchange (AMEX)" trägt, stieg schnell empor zu der zweitwichtigsten Präsenzbörse für Aktien und Optionen in den Vereinigten Staaten. Seit Anfang 2009 gehört die American Stock Exchange der NYSE Euronext an, die sie übernahm. Ebenso wie die New York Stock Exchange ist auch die AMEX ein zentraler Finanzplatz, an dem ihre Mitgliedsfirmen vor Ort tätig sind, jede von ihnen spezialisiert auf den Handel mit bestimmten Emissionen unter gleichzeitiger Wahrnehmung von "market-maker"-Funktionen. Rund 25 solcher Firmen handelten in mehr als 900 Aktien und Optionen einschließlich einer beträchtlichen Anzahl ausländischer Wertpapiere. Einige dieser Papiere wurden gleichzeitig auch an der NYSE notiert. Da die Zulassungsbestimmungen an der AMEX großzügiger gehandhabt wurden als an der NYSE, wurden hierdurch vor allem verhältnismäßig junge Unternehmungen zu einem Gang an die Börse ermutigt. Insbesondere machte die AMEX Firmen aus dem Bereich technologischer Produktinnovationen den Weg zu einem Börsengang frei. Die Funktionsweise der AMEX war von Anbeginn der der NYSE gut zu vergleichen, abgesehen von kleineren Unterschieden in der technischen Ausstattung und in der Rolle der Spezialisten.

 

  •    Das NASDAQ-System

Das elektronische Kursnotierungssystem der Wertpapierhändler (NASDAQ = National Association of Securities Dealers Automated Quotation System) der National Association of Securities Dealers, hat die USA zum größten elektronischen OTC-Markt (Over-the-Counter-Market = Freiverkehrsmarkt) der Welt gemacht. An der inzwischen zur zweitgrößten US-amerikanischen Börse ausgereiften NASDAQ sind derzeit ungefähr 3200 verschiedene Aktiengesellschaften eingetragen. Nach der Marktkapitalisierung ist sie nach der NYSE weltweit ebenfalls an zweiter Stelle. So manch betrachten NASDAQ sogar als Vorläufer eines weltumspannenden Aktienmarktes der Zukunft, auf dem Investoren aus aller Welt rund um die Uhr mit Hilfe eines durchweg auf Computerbasis arbeitenden Systems Handel treiben können. Das NASDAQ-System nahm am 8. Februar 1971 den Handel auf mit dem Ziel, die Wirkungskraft und Nachhaltigkeit des OTC-Marktes zu stärken. Zum Einsatz kam dabei die für damalige Verhältnisse modernste Technologie, die seinerzeit dem neuesten Wissensstand entsprach. Sie kann damit als die erste wirkliche "Computerbörse" der Welt angesehen werden. NASDAQ gilt inzwischen als größtes elektronisches Börsenhandelssystem in den USA.

NASDAQ wurde mit der Absicht entwickelt, kleineren Firmen, die wegen strengerer Zulassungsbestimmungen sonst nicht an den großen Börsen notiert werden könnten, den Zugang zum OTC-Markt zu öffnen. Das gleichnamige System wird von den NASDAQ-Händlern (ein sich selbst verwaltender US-Wertpapierhändlerverband) betrieben, dem rund 3000 Händler, 500 Brokerhäuser sowie die angesehnsten Investmentbanken (Spekulationsbanken) angeschlossen sind. Das weltweite Kommunikationsnetzwerk der NASDAQ ermöglicht den angeschlossenen Brokern die sofortige Kenntnis sämtlicher Kursinformationen aller teilnehmenden Dealer (Market-Maker) in allen einbezogenen Wertpapieren. Zusätzlich zur Steuerung des Handels durch Pensionskassen und durch große Versicherungsunternehmungen, die normalerweise recht umfangreiche Aktienpakete halten, werden Angebot und Nachfrage von solchen Privatfirmen zusammengeführt, die beabsichtigen, durch den Einsatz von Computerterminals Stückelungen in größerem Maßstab umzusetzen. In gleichem Zuge konnten die Provisionen deutlich gesenkt werden. Auch ließ sich eine höhere Geschwindigkeit bei der Abwicklung einzelner Transaktionen erzielen ohne andere Folge, als dass viele namhafte Firmen – wie z.B. Apple Computer oder MCI Communications, die sich sicher ohnedies für eine Zulassung zur NYSE oder zur AMEX qualifiziert hätten – sich dazu entschlossen, dem OTC-Markt treu zu bleiben. Tendenziell wuchs die Zahl der Unternehmungen, die zum NASDAQ-System überwechselten, weil ihnen die Notierung im Freiverkehr, der mitunter durch einen recht scharfen Wettbewerb der einzelnen "market-maker" gekennzeichnet ist, im Hinblick auf ihre eigentlichen Bedürfnisse vorteilhaft erschien.

 

  •    Anderweitige US-Börsenplätze

  1. In den USA gibt es noch eine dritte, kleinere Börse: Die National Stock Exchange NSX handelt Wertpapiere kleinerer Firmen ausschließlich auf vollelektronischem Wege.

  2. Chicago entwickelte sich in den letzten Jahren zum zweitwichtigsten Finanzzentrum der USA. Hier war einst die Midwest Stock Exchange beheimatet, die 1882 unter dem Aufschrift Chicago Stock Exchange gegründet wurde und nach dem Zusammenschluss mit Börsen aus St. Louis, Cleveland, Minneapolis – St. Paul und New Orleans so umbenannt wurde.

  3. Ebenfalls in Chicago liegt der weltweite Mittelpunkt für den Handel mit Futures-Kontrakten und börsengemäß vereinheitlichte Optionen. Diese sogenannten "Derivativen Instrumente" werden schwerpunktmäßig unter einem Dach, aber an zwei unterschiedlich Bezeichnungen tragende Terminbörsen ("commodity exchanges") gehandelt: An der Chicago Mercantile Exchange (CME) und am Chicago Board of Trade (CBOT). Beide haben sich unlängst zusammengeschlossen zur CME Group Inc.

  4. Weitere Börsenplätze gibt es noch in Boston, Cincinnati und San Francisco (Pazifik).

Wenngleich die großen, bedeutenden Börsenplätze allesamt getrennt voneinander und eigenständig arbeiten, stehen diese dennoch über ein elektronisches Computer-Kommunikationssystem direkt miteinander in Verbindung. Letzteres wird überdies von der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC, die prinzipiell auch als Mitbetreiberin verstanden werden kann, laufend gewissenhaft überwacht. Alle Börsenplätze unterstehen mithin unmittelbar der Kontrolle der SEC. Jede Börse, an der Handel über die Grenzen eines US-Bundesstaates hinaus betrieben wird, muss dazu bei der SEC registriert oder im Besitze einer entsprechenden Sondergenehmigung sein (die momentan einzig die Börse von Honolulu besitzt). In jedem Falle aber ist jede Börse in den USA an gesetzliche Bestimmungen gebunden, die an anderer Stelle noch näher beleuchtet werden sollen.

 

  •    US-Anleihemärkte

Obwohl der US-Anleihemarkt sich nur schwerlich als eine in sich geschlossene Einheit betrachten lässt, weist er heute einen Gesamtwert von mehr als 9000 Mrd. US-Dollar auf und ist damit unangefochten der größte der Welt. Die wachsende Flut an Emissionen soll der Übersichtlichkeit halber drei Gruppen zugeordnet werden:

  1. Obligationen auf  Bundesebene (zu denen die Treasury-Bonds, Treasury-Notes und ähnliche Schatzpapiere und -obligationen gehören),

  2. Emissionen bundesstaatlicher und lokaler Behörden ("municipal bonds" genannt – gut mit unseren Kommunalobligationen vergleichbar) und

  3. Anleihen von privaten Unternehmungen und von auswärtigen Emittenten.

Vgl. darüber auch: Bond-Rating und Ratingagenturen.

 

 

 

Siehe auch:

Aufzählung

Orderarten an den Terminbörsen

Aufzählung

Wirtschaftskalender

Aufzählung

Die Goldseite

Aufzählung

Devisenkurse in Echtzeit

Aufzählung

Vergleich von Depots der Banken

Aufzählung

Vergleich von Girokonten

Aufzählung

Vergleich von Festgeldanlagen

Aufzählung

Vergleich von Versicherungen

Aufzählung

Börsengeschäfte und Girokontoverwaltung über einen Anbieter

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2017 Bert H. Deiters
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Stand: 28. Januar 2017. Alle Rechte vorbehalten.