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    Börsengehandelte Optionen

 

Optionen werden an den Optionsbörsen in gleicher Weise wie Aktien gehandelt: Sie werden gekauft und verkauft. Eine Option des Finanzmarktes Börse ("exchange-traded option", "listet option"; Optionskontrakt), sofern es sich um eine Kaufoption (Call) dreht, gibt ihrem Halter das Recht auf Bezug, im Falle einer Verkaufsoption (Put) auf Veräußerung des dem Optionsgeschäft zugrunde gelegten Gegenstandes ("underlying asset", "underlier"). Dieses Recht muss der Optionsinhaber jedoch nicht beanspruchen. Er wird es nur dann beanspruchen, falls ihm das einen Vorteil einbringt. Der Halter einer börsengehandelten Option hat ferner das Recht, nach eigenem Gutbefinden sein Recht aus der Option während bestimmter Tagesstunden zur Börsenzeit zum laufenden Marktpreis weiter zu übertragen, soll es am Ende nicht ungenützt vergehen. Auf diese Weise lässt sich das bis dahin erreichte finanzielle Ergebnis aus dem Optionsgeschäft unter den gegebenen Marktbedingungen geradewegs verwirklichen. Um beim Kauf und Verkauf von börsengehandelten Optionen allemal einen angemessenen Optionspreis zu erlangen, bedarf es mit Notwendigkeit eines streng geregelten, möglichst flüssigen (liquiden) Börsenverkehrs in Optionen.

Ein wohl ausgebildeter Börsenhandel in Optionen von hoher Liquidität setzt eine zweckerfüllende Standardisierung der Ausstattungsmerkmale von Optionen voraus. Eine vorgelagerte Normung der Optionskontrakte durch die Börse bewirkt, dass alle Optionen von gleicher Ausgestaltung ("option series") im Börsenverkehr fortan als untereinander vertretbar (fungibel) gelten, d.h. jeder einzelne Optionskontrakt aus einer bestimmten börslichen Optionsserie schließt stets auch die gleichen Rechte und Verpflichtungen ein wie alle übrigen dieser Serie sonst (Standardisierung als Voraussetzung für Fungibilität von Optionen). Für den Händler von Optionen hat dies insbesondere den Effekt, dass Positionen in börsennotierten Optionen sich innerhalb der festgelegten Börsenzeiten auf Wunsch jederzeit mit leichter Mühe aufbauen und bei Geneigtheit wieder schließen lassen, ohne die betreffende Gegenpartei erst um Erlaubnis ersuchen zu müssen. Die gesamte Konstruktion einer börsennotierten Option ist letztlich darauf angelegt, um der einfachen und bequemeren Handelbarkeit willen eine derartige Entpersönlichung zu schaffen, in deren Mitte die Optionsbörse und das ihr angeschlossene Clearinghaus steht. Durch einen börsenmäßigen Handelsverkehr wird nicht nur das Ziel der leichten und kostenersparenden Handelbarkeit erreicht, sondern er vereinfacht die Geschäfte auch außerordentlich und trägt überdies für die nötige Rechts- und Planungssicherheit Sorge.

Börsengehandelte Optionen sind, anders als etwa Optionsscheine, nicht durch Wertpapiere verkörpert; sie sind zertifikatlos*. Sie treten an den Optionsbörsen ("options exchanges") in Form von normierten Verträgen in Verkehr. Um einen geregelten und fungiblen Börsenhandel, eine hohe Markttransparenz und einen leichten Marktzugang bei gleichzeitig niedrigen Transaktionskosten für Optionsgeschäfte zu erreichen, legen die Optionsbörsen die einzelnen Options-Kontraktspezifikationen, bis auf den Preis, endgültig mit allen Einzelheiten im Vorhinein haarklein fest: Art, Menge und Güte des zugrunde liegenden Vermögenswertes, Fälligkeit der Optionskontrakte, Ausübungsbedingungen und eine Menge andere. Insoweit ist eine börsengehandelte Option mit einem zuvor festgelegten Standardvertrag vergleichbar, für den allein der Preis (die Optionsprämie) fortlaufend börslich ausgehandelt wird. Letzte wird selbständig in derselben Weise festgestellt, wie es von Aktienkursen her bekannt ist.

[* Optionsscheine  ("warrants") dagegen sind durch Urkunden verbriefte Optionsrechte, die in aller Regel auch an Börsen gehandelt werden. Aktienoptionen werden nicht von der betreffenden Aktiengesellschaft geschaffen und herausgegeben, sondern zwischen den Börsenteilnehmern individuell an der Börse ausgehandelt.]

Neue Optionskontrakte entstehen ganz einfach durch Zusammenführung ("matching") von eingebrachten Kauf- und Verkaufsofferten des Börsenpublikums (Orders). Ebenso leicht lassen sich bestehende Optionskontrakte durch entsprechende Kauf- oder Verkauforders wieder schließen. Börsengehandelten Call- und Put-Option ("traded options") werden an den Optionsbörsen mit ihrem Marktpreis (dem Börsenkurs; Optionspreis, Prämie, "premium") notiert. Börsenkurse für Optionen kommen ebenso wie Kurse aller anderen Marktgegenstände allein durch Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage an den Optionsbörsen zustande.

Darüber hinaus stellt eine i. d. R. rechtlich selbständige Institution: die Abrechnungsstelle der Optionsbörse (Liquidationskasse, "clearing house"), wie z.B. die Options Clearing Corporation in den USA, unter Beachtung einschlägiger Regeln und Mechanismen (insbesondere das sogenannte "marking-to-market" und Margen-System, welches im Falle einer gewagten Stillhalterposition stets Anwendung findet) sicher, dass die ordnungsgemäße Erfüllung aller Optionsverträge zu keiner Zeit infrage steht. Dies hat zum Erfolg, dass in jedem Einzelfall die betreffenden Marktpartner einer vorherigen Bonitätsprüfung überhoben werden, obwohl sich die kontrahierenden Parteien eines Börsenoptionsgeschäftes in den wenigsten Fällen persönlich bekannt sein dürften (Prinzip der Entpersonalisierung). Risiken, die in der Person des Marktpartners begründet sind, werden sonach durch strengstens einzuhaltende Regeln und Usancen zum Optionshandel zuverlässig ausgeschaltet.

Vereinheitlichte Call-Optionen auf Aktien wurden erstmals am 26. April 1973 in den USA börslich gehandelt, so nämlich an der Chicago Board Options Exchange (CBOE), die auch heute noch als die größte Optionsbörse der Welt gilt. Als Basistitel dienten einst nicht mehr als 16 verschiedene Aktienwerte. Optionen auf Waren ("commodity options") wurde jedoch schon sehr viel früher an verschiedenen Börsen der USA gehandelt. Noch weitere große Optionsbörsen sind die International Securities Exchange (ISE), der Chicago Board of Trade (CBOT, eine Abteilung der CME Group), die London International Financial Futures & Options Exchange (LIFFE), die AMEX der NYSE Euronext und, nur bei Finanztiteln als Underlying, die zur Deutschen Börse AG und Schweizer Börse gehörende European Exchanges (Eurex). In Deutschland wurden die ersten Aktienoptionen aufgrund historischer Gegebenheiten erst vergleichsweise spät mit der Öffnung der Deutschen Terminbörse (DTB) vom 26. Januar 1990 an auf 14 verschiedene Aktienwerte börslich gehandelt.*

[* Ab Mitte der 1970er Jahre wurden in Deutschland zuvor bereits als gesondertes Segment des Amtlichen Handels der Handel mit Optionen auf 38 marktbreite Aktien aufgenommen.]

Neben weiteren größeren Optionsbörsen existieren heute zudem noch zahlreiche Optionsbörsen mit überwiegend regionaler Bedeutung. Zweck aller Terminbörsen ist die zeitliche und örtliche (bzw. in jüngster Zeit auch virtuelle) Konzentration des Handels und damit die Steigerung der Effizienz und der Marktliquidität, die Verringerung der Handelsspesen (Transaktionskosten) sowie der Schutz vor unlauterem Gebaren. Darüber hinaus bewirkt die Publizität des Marktgeschehens eine spürbare Senkung der Informationskosten und trägt damit in beträchtlichem Maße zur Erhöhung der Effizienz von Kapitalallokationen insgesamt bei.

Anfangs noch wurden an den modernen, wohl organisierten Optionsbörsen Option allein auf Aktien gehandelt. Doch nach und nach traten immer neue Basisgegenstände hinzu. Die an den Welt-Optionsbörsen verhandelten Optionsprodukte zeichnen sich heutigentags durch eine breite Vielfalt verschiedener Waren und Finanzierungstitel aus, die den dort umgesetzten Kontrakten zur Grundlage dienen. Sie reicht bei Finanz-Optionskontrakten von Aktien, Indizes, Devisen, Zinstiteln, wie es Staatsanleihen oder kurzfristigen Termineinlagen ("options on actuals") sind, bis hin zu zweifach derivativen Termingeschäften in Gestalt von Optionen auf Optionen ("compounded options") und Optionen auf Futures ("options on futures", "futures options").

Neben den an Börsen gelisteten Optionen existiert eine ganze Zahl an nicht standardisierten Optionen (OTC-Optionen, "dealer options"), welche vor allem von Geschäftsbanken und anderen Finanzintermediären sowie von international operierenden Konzernen an den Börsen vorbei in den sogenannten "Over-the-Counter-Märkten (OTC)" abgewickelt werden. Solche Optionsgeschäfte sind dadurch gekennzeichnet, dass sie passgerecht auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse der einzelnen Vertragspartner zupräpariert sind. Weiteres hiervon noch später.

 

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Johann Christoph Friedrich von Schiller (1759-1805), deutscher Dichter

 

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2016 Bert H. Deiters
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Stand: 27. Dezember 2016. Alle Rechte vorbehalten.