DeiFin – Die Finanzseite

Home Inhalt Feedback Impressum Suchen Content

     Orderarten

Futures
Optionen
Hedging
Märkte
Themen
Rat und Tipps
Bücher
Glossar
Links

 

 

   Die Marktorder ("market order")

 

Die Marktorder ("market order"; schriftl. Abkürzung: "MKT") gehört neben der Limitorder zur Sorte der ebenso grundlegenden wie meistverwendeten Order-Typen überhaupt. Die Marktorder verkörpert als solche einen überaus familiären Order-Typus, der in der Terminmarktpraxis immer wieder für die unterschiedlichsten Zwecke (Trading, Hedging, Arbitrage, "roll-over" usw.) zum Einsatz gebracht wird und darum zweifellos mit zu den belangreichsten zählt. Im deutschen Sprachraum – zumal im Wertpapierhandel (Effektenhandel) – hat sich schon früh die Sitte ausgebildet, eine Marktorder im Falle eines Kaufauftrags durch den Zusatz "billigst", im Falle eines Verkaufauftrags durch den Zusatz "bestens" sprachlich differenziert zu kennzeichnen (engl. "at best order"). Die beiden Attribute stehen stellvertretend für das Bestreben, stets "zum günstigsten Kurse" abzuschließen. Als Beispiele für Marktorders bei Futures-Geschäften lassen sich anführen:

"Sell 3 December17 Gold COMEX, at the market". Dies ist eine Verkaufs-Marktorder ("sell market order"), wie sie in dieser Form an den Terminmärkten weiteste Verbreitung findet. Mit der vorstehenden Order wird namentlich der Auftrag gegeben, drei Dezember 2017 Gold-Futures an der Terminbörse COMEX in New York (eine Abteilung der CME Group) mit der größtmöglichen Beschleunigung nach gegebener Marktlage zu Gunsten und im Sinn des Auftraggebers "bestens" zu verkaufen.

"Buy 4 December17 Silver COMEX, at the market"; bei der nebenstehenden Order handelt es sich unverkennbar um eine Kauf-Marktorder ("buy market order"): Hiernach sind genau vier Dezember 2017 Silber-Futures an der genannten Terminbörse vom Fleck weg "billigst" zu kaufen. – Marktorders enthalten sichtbar keine Preisangaben in sich, sie erscheinen also immer als preislich unlimitierte Orders ("Order ohne Limito") und nehmen von Haus aus zugleich die Gestalt einer Tages-Order an. Marktorders werden von den Derivatebörsen selbst nur zu deren Handelszeiten entgegengenommen; außerhalb der Handelszeiten werden sie für gewöhnlich zurückgewiesen, allenfalls für die nächste Handelsphase vorgemerkt. Doch Achtung: Einmal abgefasst und weitergeleitet können "market orders" nicht mehr widerrufen werden; denn sie gelangen an der Börse im regelmäßigen Verlaufe sofort zur Ausführung!*

[* Es gilt dies einschränkend freilich nur für Marktorders, die während des laufenden Handels eingereicht und dabei für einen ausreichend liquiden Markt bestimmt sind. Ist die letztgenannte Bedingung nicht erfüllt, so kann es durchaus eine gute Weile dauern, bis der Markt es endlich zu einem "matching" bringt; denn auf unzulänglich liquiden Märkten wird unter den mancherlei Marktmodellen der Praxis in aller Regel der Versuch unternommen, offene Marktorders erst mit Eintreffen der nächsten passenden Limitorder zusammenzuführen, was mitunter zu längeren Verzögerungen bis zu ihrer Erledigung führen kann.]

Eine in Auftrag gegebene Marktorder des Terminmarktes instruiert den Broker, eine festgelegte Anzahl von Termin- bzw. Optionskontrakten der benannten Art für den Auftraggeber mit dem höchsten Grade von Dringlichkeit und gleichzeitig für ihn so vorteilhaft zu kaufen ("buy market") bzw. zu verkaufen ("sell market") als es irgend angeht. D.h. durch Erteilung einer Marktorder ersucht der Auftraggeber seinen Broker, vom Zeitpunkt der Orderannahme an alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, um die betreffende Order unter allen Umständen und zugleich um den für den Kommittenten bestmöglichen Preis an der Börse ohne Zeitverlust zu besorgen: Es ist dies im Falle von Kauf-Marktorders der auf dem Markt für den unmittelbaren Abschluss momentan niedrigstmögliche Kurs (der vorliegende Briefkurs, Angebotskurs, "ask-price", "offered"), bei Verkaufs-Marktorders dagegen ist dies der am bezeichneten Platz derzeit höchstmögliche Kurs (der vorliegende Geldkurs, Nachfragegebot, "bid-price").

Marktorders werden im Börsenhandel grundsätzlich für jede Art von singulären Terminkontrakten und Optionen zur Erledigung entgegengenommen. Jede vom beauftragten Brokerhaus in Aussicht genommene Marktorder ist selbstverständlich auf der kürzesten Linie an die dafür vorgesehene Terminbörse weiterzuleiten; eine unmittelbare Ausführung mit dem Brokerhaus als Gegenpartei (Selbsteintritt des Brokers in das Kommissionsgeschäft, Kompensationsgeschäft) hingegen ist unter diesen Umständen unstatthaft und mitunter sogar strafwürdig.

Marktorders gehören konstruktionsbedingt zur Gruppe derjenigen Orders, die gemäß dem Regelwerk der Börse in jeder herrschenden Marktlage vor allen übrigen Orderarten, die sonst noch der Zusammenführung harren, zuerst auszuführen sind. Sie genießen damit absolute Bevorrechtigung. Dies gilt unabhängig von der Wirkungsstätte, also sowohl für den Parketthandel als auch für die elektronische Börsenhandelsform (Computerbörsen). Der Gebrauch einer Marktorder sichert dem Händler während der gesamten Ausführungsprozedur die unbedingte Vorhand vor den anderweitigen Orderarten (Marktorder = Orderart mit der höchsten Priorität). Lassen indes die bestehenden Marktverhältnisse die Zusammenführung einer Marktorder größeren Umfangs in einer Aktion nicht zu, so kann sie – abhängig vom jeweils geltenden Marktmodell der betreffenden Terminbörse – durchaus durch mehrere aufeinander folgende Teilausführungen zur Vollendung gebracht werden. Wie leicht begreiflich, kann es als (mitunter unerquickliche) Begleiterscheinung hierbei in manchen Fällen sehr wohl zu unterschiedlichen Ausführungskursen kommen.

 

 

 

Mit Einreichung einer Marktorder geht der Auftragerteilende im Wesen der Sache keinerlei Ausführungsrisiko ein. Der besondere Vorzug einer "market order" liegt sonach darin, dass – ein hinlänglich funktionierender und liquider Markt vorausgesetzt – der Auftraggeber bei einer widmungsgemäßen Verwendung derselben um eine Orderausführung ("a fill") niemals verlegen zu sein braucht. Er kann zuverlässig auf Erledigung rechnen*. Dem Einsatz einer "market order" ist jedoch der Umstand als Schwäche anzurechnen, dass der fehlenden preislichen Limitation wegen der Marktorder erteilende Händler es sich gefallen lassen muss, dass der sich tatsächlich am Markt einstellende Kauf- bzw. Verkaufskurs aus seinem Börsengeschäft sich mitunter höchst verschieden zeigen kann von dem Preis, den er vielleicht im Stillen für sich zu lösen hoffte ("slippage"-Effekt**, "execution-risk"; Preisrisiko), während er bis zum Erhalt einer verbindlichen Ausführungsbestätigung durch seinen Broker über die genaue Höhe des Abschlusspreises seines Börsengeschäfts im Ungewissen bleibt***. Es wiegt dies umso schwerer, als ein Marktorder nutzender Akteur damit grundsätzlich die Verpflichtung eingeht, jeden ersten besten sich nachfolgend einstellenden und ausführbaren Kurs anzunehmen, sofern ein solcher sich mit Rücksicht auf die gegebenen Marktverhältnisse im Zeitpunkt der Orderausführung als zugänglich erwies, und zwar unbeschadet des vorweg festgestellten Kursestandes im angehenden Terminmarkt. Gewisse Ausnahmen davon bestehen allerdings an der Terminbörse Eurex wie auch an der CME Group: Hier werden zum Schutze insbesondere vor ruckartigen, unvermittelten Kurssprüngen feste, maximal zulässige Preisspannen für Marktorders (sog. "market order matching range" MOMR, "protection range") bereits durch die Börsenordnung verbindlich vorgegeben. Überzählige Kontrakte einer vorliegenden umfangreicheren Order, die sich innerhalb des Schutzbereiches nicht ausführen lassen, werden in diesem Fall automatisch als gewöhnlich arbeitende Limitorder mit einem auf die Grenze des Bereichs gezogenen Limitkurs ins Orderbuch eingestellt. Unter diesen Kautelen handelt es sich allerdings nicht mehr um eine Marktorder in reinstem Verstand, sondern viel eher um eine simulierte Marktorder oder eine sog. "market with protection order".

[* Ein Ausnahmefall liegt neben dem oben bereits erwähnten Umstand einer Marktilliquidität dann vor, wenn der Markt sich gegenwärtig in einem "lock-limit"-Zustand ("limit-up"- bzw. "limit-down") befindet. In Marktlimitsituationen können also selbst Marktorders ihren vorgesehenen Dienst verfehlen und unausgeführt zurück bleiben.]

[** Unter einem "slippage"-Effekt versteht man eine unliebsame Kursänderung zwischen dem Zeitpunkt der Erteilung einer Order und deren schlussendliche Ausführung ("matching").]

[*** Dieser Satz gilt nicht, wenn ohne Umweg Verbindung mit einem Market-Maker aufgenommen und dessen Quote unmittelbar akzeptiert wird.]

Der Marktorder erteilende Händler geht demgemäß von der Erwartung aus, dass bei Formulierung der Order der zurzeit gültige Marktpreis (oder ein für ihn besserer) im Augenblick der Ausführung noch Bestand hat, obwohl zusätzliches Angebot resp. zusätzliche Nachfrage diesen jederzeit zu seinen Gunsten oder Ungunsten verschieben kann. Mit Rücksicht auf eine mangelnde Kenntnis der für die Gegenwart bedeutsamen Auftragslage im Zeitpunkt der Zusammenführung ("matching") gelingt die sichere Ausführung einer Marktorder also nur um den "Preis" einer Unsicherheit über den Kurs. Grundsätzlich aber lässt sich feststellen: Je breiter und liquider ein Markt sich darbietet, desto tauglicher scheint der laufende Marktpreis im Zeitpunkt der Ordergabe einer "market order" als "Indikator" für den bei Orderausführung tatsächlich erzielbaren Kurs zu sein ("indikativer Preis").

Ein Beispiel: Es sei angenommen, Termin-Gold (Ticker-Symbol: GC) wird im laufenden Handel an der Börse COMEX augenblicklich mit 1640,10 (US-$/Unze) "bid" zu 1640,20 (US-$/Unze) "ask" quotiert. Eine bei einem Broker (FCM) zeitgleich eintreffende Marktorder eines privaten Händlers, der, sagen wir, nach einem vorausgegangenen Beratungsgespräch mit einem Kundenbetreuer des Hauses einen Gold-Futures in diesem Termin schleunigst zu kaufen beabsichtigt ("buy at the market"), wird nun vom diesem auf der kürzesten Linie per Standleitung geradewegs an die COMEX der CME weitergeleitet und in das Handelssystem der Börse eingespeist. Sofern für das Parkett bestimmt, wird der zuständige "floor broker" sich sodann nach Kräften bemühen, die ihm zugetragene Order zum gestellten "ask"-Preis von (falls die Quotation für den Gold-Futures im Markt noch Bestand hat) 1640,20 zusammenzuführen. Im elektronischen Handel der Globex® der CME übernimmt diese Aufgabe die Börsentechnik. Da jedoch ein zwischenzeitlicher Anstieg des Goldpreises (auf vielleicht 1641 "ask" oder gar darüber) nicht auszuschließen ist, muss der Händler unseres Beispiels freilich auch auf höhere Kaufpreise für seinen Gold-Futureskontrakt gefasst sein.

Bei Benützung von Marktorders ist demzufolge stets auch die Möglichkeit unvermittelter und unerwünschter Kursbewegungen mit auf Rechnung zu setzen. Dies jedes Mal zu berücksichtigen ist umso nötiger, als im nie ganz auszuschließenden Fall eines sogenannten "fast market" die Börsenkurse sich in hohem Tempo und mitunter sogar sprunghaft ändern können. Nicht aus der Acht zu lassen ist ferner der Umstand, dass besonders in wenig belebten Märkten, die bezeichnenderweise eine vergleichsweise weite Marktspanne ("bid-/ask-spread") vorführen, Marktorders mit verhältnismäßig hohen impliziten Handelskosten einherzugehen pflegen. Von diesem Gesichtspunkt aus empfiehlt es sich, von Marktorders allenfalls nur dann Gebrauch zu machen, wenn sehr triftige Gründe vorliegen, sonstige Orderarten nicht zu verwenden. (Noch ein weiteres Beispiel für Marktorders, diesmal in Bezug auf den Aktienmarkt, finden Sie auf der folgenden Seite.)

Nicht unerwähnt bleiben soll letztlich, dass nach der statistischen Häufigkeit ihres Verwendungszweckes Marktorders vorzugsweise dafür eingesetzt werden, bereits eingeleitete, offene Position wieder zu schließen ("exit"), statt Positionen in Futures oder in Optionen zum Marktpreis neu aufzubauen ("entry").

Eine Abwandlung der Marktorder bildet die "market-to-limit order" ("market-limit order", MTL-Order). Diese findet Verwendung hauptsächlich im Falle von Orders größeren Umfangs. Sie gelangt zunächst als herkömmliche Marktorder an den Markt. Sollte jedoch ein Teil derselben im Verkehr nicht zur Ausführung kommen, so geht dieser Teil diesmal in Gestalt einer Limitorder erneut an den Markt. Ihren Limitpreis übernimmt sie dabei vom Ausführungskurs der zuvor erledigten Marktorder.

Die "market with protection order" ist der "market-to-limit order" nebengeordnet. Sie steht insbesondere im elektronischen Handel an der US-amerikanischen Terminbörse Globex® in Gebrauch. Ihre Wirkungsweise gleicht der der "market-to-limit order", mit der einzigen Ausnahme, dass sie bei einer Teilausführung ihren Limitpreis nicht von der Marktorder, sondern direkt von der Globex® gemäß den dort vorliegenden allgemein bekannten Sätzen zugeteilt bekommt.

Eine dritte Variante der Marktorder endlich verkörpert die "market not held order", die auch unter dem Namen DRT-Order ("disregard tape-order") geläufig ist. Hierbei erteilt der Auftraggeber dem "floor broker" eine Handlungsvollmacht über einen Ermessensspielraum, wann genau die betreffende Marktorder auszuführen ist. Die Qualität der Orderausführung ist damit unweigerlich verknüpft mit der Fähigkeit des Brokers, den gelegenen Zeitpunkt für die Ausführung der Order treffend einzuschätzen.

Nur im direkten telefonischen Austausch mit dem Broker trifft man auf eine Marktorder in der Spielart der "quote and deal order". Der Broker nennt zur Handelszeit einen Marktpreis, zu dem der Kunde einen Abschluss herbeizuführen befugt ist. Die Entscheidung muss binnen wenigen Sekunden erfolgen. Nach Ablauf der Sekundenfrist verliert der quotierte Preis seine Gültigkeit. Eine "quote and deal order" kommt darum ebenfalls regelrecht "sofort" zur Ausführung, dann jedoch zu einem entsprechend garantierten Preis.

Fazit: Der Rückgriff auf eine Marktorder vermeidet, dass die Kauf- bzw. Verkaufsabsicht ins Leere zielt; denn das Börsengeschäft kommt im Normalfall durch den Gebrauch dieser Order-Art "um jeden Preis" zustande. Ihr sofortiger Vollzug kann sonach als sicher gelten. Das erste Anliegen eines Händlers, der eine Marktorder erteilt, ist mithin die prompte Ausführung seiner Order. Welcher konkrete Kurs sich damit zu guter Letzt verwirklichen lässt, darum geht es ihm erst in zweiter Hinsicht. Eine Marktorder ist i.d.R. immer dann am Platze, wenn ein Händler den Unannehmlichkeiten eines Den-Kursen-ständig-Hinterherhinkens durch wiederholtes Nachziehen von Limiten – wie es häufig bei Limitorders in beweglichen Märkten zu beobachten ist – entgehen will, um sich auf der Grundlage des gegenwärtig herrschenden Kursstandes eine Erfolg versprechende Positionierung mit allergrößter Dringlichkeit zu sichern. Ihre vorzüglichste Verwendung findet die Marktorder darum allenthalben im Bereich des Day-Trading.

           

 

 

zurück

"Bis dat, qui cito dat."

 

Futures Optionen Hedging Märkte Themen Rat und Tipps Bücher Glossar Links

 

 

 

 

Diagramm

Home Inhalt Feedback Impressum Suchen Content

 

Ihre E-Mail mit Fragen, Anregungen, Kommentaren oder Verbesserungsvorschlägen zu dieser Webseite an: info-d1@deifin.de 
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verfassers. Bitte beachten Sie auch den Disclaimer und Urheberrechtshinweis
© 2003
2017 Bert H. Deiters
 Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernehme ich keine Gewähr.
Fehler berichtigen.
Stand: 22. Mai 2017. Alle Rechte vorbehalten.